Leonberg: Blick hinter die Rathaustür Die wuchtige Tür mit dem Packpapier drauf

Von Thomas K. Slotwinski 

Am Rathaus-Eingang scheiden sich die Geister. Eine gläserne Variante wäre aber sehr teuer.

Ein braunes Tor, umringt von Glas und heller Fassade. Foto: factum/Granville
Ein braunes Tor, umringt von Glas und heller Fassade. Foto: factum/Granville

Leonberg - Klaus Brenner kennt die Sprüche: „Das sieht aus, als ob da Packpapier drauf wäre.“ „Ist die Tür in einen braunen Fluss gefallen?“ Das sind nur zwei von mehreren Wortkreationen, mit denen die Tür des Haupteingangs im neuen Rathaus von kritischen Geistern bedacht wird.

Und der Baubürgermeister räumt ein: „Die Geschmäcker sind verschieden. Bei dieser Tür haben wir zwei Lager. Die einen finden sie gut, die anderen nicht.“

Der Schöpfer des Ganzen, der Architekt Günther Schaller, gehört zu ersterer Gruppe. Denn das drei Meter hohe und 2,40 Meter breite Portal ist kein Solitär im Neubau, der am Anfang des Jahres nach der rekordverdächtigen Bauzeit von nur 18 Monaten bezogen wurde. „Die Tür ist ein Teil der ­Gesamtplanung des Architekten“, erklärt Brenner. „Hätte man sie in der Farbe der Außenfassade gehalten, wäre sie nicht aufgefallen. Aber genau das wollte der Architekt nicht. Er wollte sie hervorheben.“

Glastüren kosten mehr als 10 000 Euro

Der Baubürgermeister nennt einen weiteren gewichtigen Grund: „Die Tür war im Gesamtpreis mit drin.“ Der liegt bei knapp 26 Millionen Euro. Geld, das die Stadt ursprünglich nicht eingeplant hatte. Doch aufgrund der technischen Mängel im alten Gebäude wurde Leonberg von den Sicherheitsbehörden mehr oder minder zum Neubau gezwungen.

Hätte die Stadt also beim Eingangsportal Extrawünsche gehabt, so hätten diese auch extra bezahlt werden müssen. Bewegliche Glas­türen, die der Stadtrat Frank Albrecht von der Wählergruppe SALZ ins Gespräch gebracht hätte, würden auf jeden Fall mehr als 10 000 Euro kosten, rechnet Brenner vor. Angesichts der aktuellen Diskussion ums Geld hält er es für unwahrscheinlich, dass für solch eine Sonderausgabe im Gemeinderat eine Mehrheit zustande käme. Zumal es möglich sein muss, dass die Tür auch per Hand aufgemacht werden kann. Bei gläsernen Schiebetüren ein schwieriges Unterfangen, das weitere Gelder verschlungen hätte.

Das jetzige Tor öffnet sich zwar ebenfalls automatisch, so wie es heute mit Blick auf Behinderte Vorschrift ist. Durch einen Funkkontakt schlägt der eine Türflügel nach außen auf, wenn sich ein Besucher nähert. Bei einem Stromausfall oder einer Notsituation ist die Tür aber per Griff von ­innen zu öffnen.

Ein längerer Holzgriff soll den Türcharakter stärken

Letztlich dreht sich alles also um ästhetische Gesichtspunkte. In der Tat erinnert die Farbe der Eingangstür an Packpapier. Und wuchtig sieht sie auch aus, fast wie das Tor einer Festung. Mangels eines Griffs oder einer Klinke strahlt das Portal einen abwehrenden Charakter aus. Ob es aber, wie Albrecht sagt, „eine geschmackliche Fehlleistung schlechthin“ ist, das ist in der Tat Geschmackssache.

„Hätten wir Anthrazit genommen, wäre die Tür sehr dunkel geworden“, sagt Brenner. „Das wäre bestimmt auch vielen nicht recht gewesen.“ Um aber den Türcharakter des Portals zu stärken, wird die Außenseite jetzt mit einem längeren Holzgriff versehen. „Das erinnert mehr an einen klassische Eingang und kostet fast nichts.“

Frank Albrechts Wunsch nach gläsernen Türen wird also so schnell nicht erfüllt werden. Ausschließen will Klaus Brenner aber nicht, dass irgendwann aus dem ­wuchtigen Tor ein gläsernes Portal wird: „Am Ende geht es immer ums Geld.“

Hinter der Tür übrigens gibt es keine Klagen: Nach Jahrzehnten in engen, zuletzt stark sanierungsbedürftigen Räumlichkeiten, fühlen sich die Mitarbeiter im hellen Neubau sichtlich wohl. Und auch die Besucher zeigen sich mehrheitlich angetan, ist doch das Atrium mit der gläsernen Dachkuppel ein echter Hingucker.

Ein passendes Ambiente für eine moderne Arbeits- und Diskussionsstätte, in der die Weichen für die Zukunft Leonbergs gestellt werden.