Leonberg Damit Suizid nicht der letzte Ausweg ist

Von Arnold Einholz 

Der Arbeitskreis Leben sucht Ehrenamtliche, die Menschen nach einem Selbsttötungsversuch begleiten.

Krisen gehören zum Leben – Selbsttötung ist keine Lösung. Foto: dpa
Krisen gehören zum Leben – Selbsttötung ist keine Lösung. Foto: dpa

Leonberg - Jeden Morgen ruft auf der Intensivstation des Leonberger Krankenhauses jemand vom „Arbeitskreis Leben“ an, ob Patienten nach einem Selbsttötungsversuch eingeliefert worden sind . Wenn ja, werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins aktiv. Sie kontaktieren die Patienten, fragen, ob ein Gespräch erwünscht ist. Auf Wunsch begleiten sie später die Patienten, was sich in manchen Fällen über viele Jahre erstrecken kann.

Krisen gehören zum Leben, doch jeder erlebt sie auf eigene Weise und hat individuelle Möglichkeiten, allein oder mit Hilfe anderer einen Ausweg zu finden. Manchmal kann sich eine Krise so zuspitzen, dass ein Mensch für sein Problem keinen Ausweg mehr sieht. „Angst begleitet diesen Weg in die Enge, die Hoffnung auf Veränderung schwindet, es findet ein Beziehungsbruch zu sich selbst und zur Umwelt statt, am Ende dieses Prozesses scheint Selbsttötung als einziger und letzter Ausweg zu stehen“, weiß die Krankenhauspfarrerin Karen Lücking-Löw aus Erfahrung. Gemeinsam mit der Sozialpädagogin Carola Schnurr hat sie die Supervision über die ehrenamtlichen Krisenbegleiter, die der „Arbeitskreis Leben“, dem Karin Hirt vorsteht, den Betroffenen zur Seite stellt.

Situation belastet Betroffene, Angehörige und Freunde

Im Leonberger Krankenhaus werden immer wieder Menschen nach einem Selbsttötungsversuch eingeliefert. Nach kurzem Krankenhausaufenthalt oder einem sich daran anschließenden Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik kommen sie nach Hause. Doch dort hat sich in der Regel nichts verändert und die Situation belastet weiterhin Betroffene, Angehörige und Freunde. Im Wissen, dass Kontakt und Begleitung in der suizidalen Krise eine Brückenfunktion für eine Wiedereingliederung ins Leben sein kann, bietet der Arbeitskreis Leben allen Beteiligten Unterstützung an. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen unter Schweigepflicht.

Auch Menschen aus dem Umfeld der Betroffenen erfahren Entlastung durch die Gesprächsangebote. „In Leonberg sind das in letzter Zeit auch vermehrt Lehrer gewesen, nachdem sich im vergangenen Jahr drei Schüler das Leben genommen haben“, sagt Pfarrerin Karen Lücking-Löw.

„Die Zahl derer, die Hilfe brauchen, ist in den vergangenen Jahren auch im Bereich Leonberg kontinuierlich angestiegen“, sagt die Pfarrerin. 2015 haben 86 Personen Kontakt zum Arbeitskreis aufgenommen, im Jahr davor waren es 78. „In diesem Jahr hatten wir bis zu den Sommerferien 60 Anfragen“, erläutert die Pfarrerin. Die Dauer der Begleitung habe sich ebenfalls verändert. Zunehmend bräuchten Betroffene mehr als nur ein Gespräch.

Ehrenamtliche stoßen an ihre Grenzen

So sind die Ehrenamtlichen im Laufe der Zeit an ihre Grenzen gestoßen. Deshalb sucht der Verein für diese verantwortungsvolle und anspruchsvolle Aufgabe Menschen, die bereit sind, sich in die Krisenbegleitung von Suizidpatienten einzuarbeiten. Die Ausbildungszeit umfasst etwa 30 Stunden an drei Wochenenden in der Psychologischen Beratungsstelle in der Rutesheimer Straße 50/1. Am 19. November erfahren Interessierte, was auf sie zukommt und was von ihnen erwartet wird. Erst danach wird eine Entscheidung über die Mitarbeit getroffen.




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