Leonberg Die Leonberger Stadtmusikanten

Von Regine Brinkmann 

Die Leonberger Stadtmusikanten kommen noch einmal.

Das tolle Motto der Lebenshilfe: „Zusammen sind wir wunderbar, verschieden, aber unschlagbar.“ Foto: factum/Simon Granville
Das tolle Motto der Lebenshilfe: „Zusammen sind wir wunderbar, verschieden, aber unschlagbar.“ Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Was passiert, wenn ein Grimm’sches Märchen für eine Laienbühne in einen aktuellen Kontext gesetzt wird? Das zeigt einmal mehr die inklusive Theatertruppe „alledabei“ der Leonberger Lebenshilfe mit dem Stück „Die Leonberger Stadtmusikanten“. Mit diesem Stück hat die Theatergruppe, eine Kooperation der Leonberger „Bühne 16“ mit der Lebenshilfe, im vergangenen November die Tradition der vorweihnachtlichen Theaterabende im Haus der Begegnung fortgesetzt. Jetzt, ein halbes Jahr später, folgt als Hommage an den Welt-Down-Syndrom-Tag die Abschlussvorstellung.

Noch ein letztes Mal werden die lebensfrohen Geschwister Polly und Pit, Weltenbummlerin Janina, Arbeitsagentur-Dauergast Rocky und die mittellose Wiebke, die ihre Rente aufbessern muss, beim griesgrämigen Agenturleiter Scheelein und dessen neuer, unwillkommener Assistentin vorstellig. Doch der Arbeitsmarkt bietet anscheinend keine Chancen für diese fünf besonderen Menschen, und Scheelein lässt sie das deutlich spüren.

Ein Flyer scheint Abhilfe zu schaffen: Leonberg sucht den Superstar! Das Preisgeld wollen vier der fünf erringen, Wiebke geht eigene Wege. Doch wie es das Schicksal will, kreuzen sich die Wege der fünf bald wieder. Auch die Räuber sind hinter dem Preisgeld her, und auch diese Wege kreuzen sich mit denen unserer Helden. Und was weiter passiert, wird diejenigen, die die Geschichte noch nicht kennen, am Mittwoch, 27. März, auf der Bühne im Haus der Begegnung überraschen.

Hier und da gibt’s Manöverkritik

Obwohl das Stück schon aufgeführt wurde, muss natürlich noch einmal geprobt werden. Sieben Schauspieler mit Behinderung und fünf ohne Handicap werden von den ehrenamtlichen Regisseurinnen Lisa Milde, die Theaterpädagogik studiert, und Annalies Müller, der Regisseurin der Leonberger Bühne 16, angeleitet. Doch bei der vorletzten Probe will es nicht so recht klappen. Lisa Milde übt Manöverkritik: „Ihr verpasst eure Einsätze, der Text sitzt nicht richtig, und ihr guckt in die Gegend, anstatt euch auf das Spiel zu konzentrieren!“, kritisiert sie. Dabei ist diese Probe nicht einfach gewesen. Elisabeth Kolofon, die Musik und Text für das witzige und warmherzige Stück geschrieben hat, erklärt: „Drei Schauspieler fehlen heute, und auch die Reaktionen aus dem Publikum fehlen bei der Probe. Das macht sich schon bemerkbar!“

Elisabeth Kolofon arbeitet seit vier Jahren für die Lebenshilfe und hat „alledabei“ mit ins Leben gerufen. Zusammen mit Hermann Münch (Gitarre) und Michaela Likar, (Querflöte) begleitet sie mit dem Akkordeon das Geschehen auf der Bühne mit den passenden Musikstücken. Nach den mahnenden Worten von Lisa Milde dreht sie sich zur Bühne, lacht und sagt: „Also, das können wir besser.“ Die Schauspieler haben die Kritik eingesteckt und bis zur Generalprobe noch ein paar Tage Zeit, sich wieder in ihre Rolle einzufinden. Es sind viele Details, die den Regisseurinnen missfallen, doch das Stück muss sitzen bis zum letzten Tanz.

Voller Lebensfreude

Der zeigt noch einmal die ganze Lebensfreude, die in dem Ensemble steckt: „Zusammen sind wir wunderbar, verschieden, aber unschlagbar.“ Und gelernt haben auch alle etwas: Die Leonberger Stadtmusikanten und ihre Weggefährten haben erfahren, dass man zusammen viel erreichen kann und dass Freundschaft wertvoller ist als ein Preisgeld.

Die Märchenstücke waren bislang das Markenzeichen von „alledabei“, doch in diesem Herbst wird das letzte aufgeführt, frei nach dem gestiefelten Kater. „Dann wagen wir uns an die Klassiker“, verrät Elisabeth Kolofon. Ein ambitioniertes Unterfangen, das dem Ensemble Neues abverlangen wird. Doch fast alle, die eine Spielzeit miteinander geteilt haben, sind beim nächsten Mal wieder dabei und investieren dafür mit wöchentlichen Proben und Wochenend-Workshops auch viel Zeit. „Wir machen kein Improvisationstheater“, erklärt Elisabeth Kolofon, „und wir haben den Anspruch, unsere Zuschauer gut zu unterhalten. Deshalb müssen alle Akteure ausnahmslos ihren Text lernen.“ Und dabei, schmunzelt sie, seien die Schauspieler mit Handicap oft deutlich disziplinierter als ihre Kollegen ohne Behinderung.




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