Leonberg Die Wiedergeburt des Altstadttunnels

Direkt unter der Altstadt könnte ein Umgehungstunnel verlaufen. Foto: Stadt Leonberg
Direkt unter der Altstadt könnte ein Umgehungstunnel verlaufen. Foto: Stadt Leonberg

Gemeinderat: Sollte es bei Ditzingen eine neue Abfahrt geben, so braucht die City eine Umfahrung.

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Leonberg - Der Altstadttunnel, seit mehr als fünf Jahren politisch kein Thema mehr, ist plötzlich wieder in aller Munde. Das liegt nicht nur an dem zusehends größer werdenden Verkehrschaos im Leonberger Zentrum, das den Ruf nach einer Umgehung immer lauter werden lässt.

Darüber hinaus sorgt nun eine mögliche neue Autobahnabfahrt für zusätzliche Aufregung. Denn sollte an der A 81 kurz vor dem Engelbergtunnel eine weitere Anschlussstelle gebaut werden, so würde das wohl den völligen Infarkt in der Innenstadt bedeuten. Und der könnte nur verhindert werden, wenn der Verkehr eben nicht durch das Nadelöhr Feuerbacher Straße/Grabenstraße geleitet wird, sondern an der City vorbei: durch einen Tunnel.

Kritik auch in Ditzingen

Diese Bedingung hat zumindest der Leonberger Gemeinderat mit Blick auf die weiteren Verhandlungen über die Verkehrsinfrastruktur in der Region Stuttgart gestellt. Mit anderen Worten: Kommt eine neue Abfahrt, muss es auch eine Umfahrung geben. Und da scheint eine unterirdische Strecke der realistischste Weg zu sein. Dass die Kommunalpolitiker diesen Beschluss verabschiedet haben, hat eine Vorgeschichte. Wie berichtet, hat sich der Ditzinger Gemeinderat jüngst für eine weitere Abfahrt an der A 81 ausgesprochen, die je nach Sichtweise Ditzingen-Süd oder Leonberg-Nord heißen könnte. Doch auch im dortigen Gremium stößt das Projekt, das von Oberbürgermeister Michael Makurath gefordert wird, nicht auf ungeteilte Zustimmung. Und selbst der Ditzinger OB will einen neuen Autobahnanschluss nur im Konsens mit den Nachbarn realisieren.

Vor allem also mit Leonberg. „Im Süden der Kernstadt verteilen sich die Zufahrten auf die Brennerstraße, die Leonberger Straße und die Berliner Straße“, machte im Gemeinderat jetzt Bernhard Schuler deutlich. „Im Norden haben wir nur einen Weg: die Grabenstraße.“ Doch sollten durch eine neue Abfahrt noch mehr Autos nordwärts in die Stadt drängen, dann breche alles zusammen, warnte der Oberbürgermeister. Mit einem Tunnel allerdings könne die Zahl der Autos auf 12 000 halbiert werden.

Den Bahnhof abreißen?

Dennoch gab es von den Stadträten Kritik: „Müssen wir dann den Bahnhof abreißen, um Platz für den Durchgangsverkehr zu schaffen?“, fragte Jörg Langer (Freie Wähler) angesichts des geplanten Tunnelmundes im Bereich Mühlstraße/Rutesheimer Straße am Eingang zum Täle.

„Wer hat so viel Geld?“, fragte Christa Weiß mit Blick auf die Kosten von 50 Millionen Euro. Die Antwort der SPD-Fraktionschefin: „Wir nicht.“ Der OB relativierte die Summe: „Der Tunnel ist deutlich günstiger als die Kosten für die Kinderbetreuung in den vergangenen drei Jahren.“

Leidensdruck wird größer

Heute oder morgen stünde das Thema ohnehin nicht zur Debatte, beruhigte Schuler. Denn eine neue Abfahrt bei Ditzingen stünde noch nicht einmal im Bundesverkehrswegeplan – was sozusagen die Voraussetzung für einen Bau sei. Dennoch warnte der Oberbürgermeister davor, das Problem der verstopften Innenstadt auf die leichte Schulter zu nehmen: „Irgendwann wird der Leidensdruck so groß sein, dass sich die Menschen eine Lösung suchen.“

Was bleibt? Der Gemeinderat hat mit großer Mehrheit beschlossen, dass ein Tunnel „oder eine andere Lösung“ nötig ist, sollte die neue Abfahrt doch kommen. Und der Stau, der bleibt natürlich auch.




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