Leonberg Eine große Stimme allein ist nicht alles

Von Ulrike Otto 

Die Down Dirty Dogs gewinnen beim letzten Vorentscheid zum „Maflz“-Bandwettbewerb.

Simeon (hinten) überzeugen die Jury, aber nicht das Publikum. Die Stimme von  Nicole Ebinger Foto: factum/Bach
Simeon (hinten) überzeugen die Jury, aber nicht das Publikum. Die Stimme von Nicole Ebinger Foto: factum/Bach

Leonberg - Es hat mich begeistert, dass wieder so viele junge Menschen handgemachte Musik machen. Die Livemusik kommt wieder.“ Juror Thommie Mueller, Sänger der Cosmic Banditos, ist nach dem letzten von fünf Vorentscheiden zum „Maflz“-Bandwettbewerb sichtlich angetan. „Aus allen Genres ist beim großen Finale am 11. September etwas dabei“, sagt seine Jury-Kollegin Margot Rosenberger, ihres Zeichens Musikmanagerin.

Bereits ein Ticket fürs Finale gezogen haben die Rocker Gracefire aus Stuttgart, das Leonberger Trio Dead Man’s Hand mit seinem Südstaaten-Hardrock, die punkigen Smokin’ Penguins aus Gerlingen sowie Stefan Wiedner und Thomas Felger von den Beidschaschdegga, die mit schwäbischen Mundartliedern ordentlich die Lachmuskeln ihres Publikums bemühen. Doch wer ergattert den fünften Finalplatz? Etwa Simeon aus Stuttgart, die mit Anzug, Fliege und Trompete den Auftakt am Freitagabend im „Domizil“ machten? Schon beim ersten Lied gehen die Hände in die Luft. „Hands up, wenn ihr Liebe wollt“, singt Frontmann Benjamin Langenbeck. Die frechen deutschen Texte – das Lied „So dumm“ habe er über seine Schwester geschrieben – im funkigen Sound-Gewand kommen an.

Ein bisschen James Brown, ein bisschen Marvin Gaye

Beim anschließenden Auftritt der Down Dirty Dogs wähnt man sich kurz in den USA der 70er Jahre. Beim ersten Lied gibt Sänger Tony Nesbitt den James Brown, gefolgt von Otis Redding, um im Stile von Marvin Gaye den auf 25 Minuten begrenzten Auftritt zu beenden. Die Band existiert zwar erst seit Januar, doch die vier Musiker aus Karlsruhe und dem Großraum Stuttgart sind alles alte Hasen, wie Bassist Joachim Braun erzählt.

Hat die samtige Soulstimme von Tony Nesbitt das Publikum schon in ihren Bann gezogen, so macht Sängerin Nicole Ebinger von Little Beat mit ihrer grandiosen schwarzen Stimme die Zuhörer anschließend sprachlos. Mit ihrer Interpretation der Annie-Lennox-Ballade „Why“ bringt sie einige sogar zum Weinen, nur um anschließend mit Liedern von Duffy und Janis Joplin ordentlich Gas zu geben. Das Urteil der Jury ist dann auch einhellig: „Die Sängerin gehört auf eine ganz andere Bühne“, sagt Thommie Mueller. Als Band überzeugt Little Beat dagegen nicht. Zu wenig ist von Gitarrist und Cajon-Spieler zu hören, dazu gibt es nur Cover-Songs.

Eigene Songs, aber mit Entwicklungspotenzial

Lange diskutiert die Jury, wem sie wie viele Punkte gibt. Bei den Kriterien sind sich Thommie Mueller, Margot Rosenberger, Produzent Sebastian Bartolitius und Till Mayer (Heckengäu-Contest) einig. Wie gut sind Musiker und Sänger der Bands? Wie ist die Wirkung auf das Publikum? Wie originell und abwechslungsreich ist das Repertoire? „Und wo ist noch Potenzial zu heben“, sagt Mueller.

Das sieht die Jury am ehesten bei Simeon und vergibt zehn Punkte an die Stuttgarter. Auf Platz zwei setzt sie die Down Dirty Dogs (fünf Punkte) und auf Rang drei Little Beat (einen Punkt). Doch entschieden ist damit noch nichts. Denn die andere Hälfte der Punkte vergibt das Publikum. Und das hat sich anders entschieden und hebt die Bluesrocker auf den Spitzenplatz und Simeon nur auf den dritten. In der Gesamtwertung sind damit die Down Dirty Dogs die Tagessieger.

Samantha Porsche Mafham, die den Bandwettbewerb in diesem Jahr in Leonberg ehrenamtlich organisiert hat, kann mehr als zufrieden sein. „Mir geht es darum, in Leonberg etwas zu bewegen. Und es gibt hier viele Talente“, sagt sie. Mit dem Wettbewerb wolle sie die Küken aus dem Nest locken. „Viele denken, sie sind nicht gut genug“, erklärt sie.

Dass dem nicht so ist, hat der fünfteilige Vorentscheid in Leonberger Kneipen gezeigt. „Jede Band, die aufgetreten ist, war gut“, befindet Sebastian Bartolitius von den TV-Studios Leonberg, die einen der beiden ersten Preise stiften. Neben dem Eröffnungsauftritt beim „Strohländle 2017“ gibt es eine professionelle Studioaufnahme zu gewinnen. Um die geht es dann am 11. September beim großen Finale auf dem „Strohländle“ auf dem Engelberg. Auch da sind wieder die Meinungen von Publikum und Jury gefragt.