Leonberg Erst fällt der Vorhang, dann das alte Rathaus

Von Ulrike Otto 

Der Abriss des leer stehenden Hauptgebäudes beginnt am kommenden Montag.

An dieser Stelle stand einst der Anbau der Kämmerei. Die sitzt seit Januar im Neubau (rechts), wie der Rest der Stadtverwaltung. Foto: factum/Granville 13 Bilder
An dieser Stelle stand einst der Anbau der Kämmerei. Die sitzt seit Januar im Neubau (rechts), wie der Rest der Stadtverwaltung. Foto: factum/Granville

Leonberg - Durch die Nebengebäude hat sich der Bagger bereits gewühlt und sie buchstäblich dem Erdboden gleich gemacht. Am kommenden Montag beginnt nun auch der Abriss des Hauptgebäudes des Rathaus-Altbaus. Stockwerk für Stockwerk wird das ehemalige Landratsamt des aufgelösten Kreises Leonberg von einem riesigen Bagger abgetragen.

Es ist der wohl größte Abbruch seit dem Ende der Leonberger Bausparkasse in direkter Nachbarschaft. Eine Sprengung wie beim Leobau-Hochhaus 2008 ist hier aber nicht möglich. Zu nah steht der erst im Januar bezogene Neubau. Damit dem neuen Domizil der Stadtverwaltung während des Abrisses nichts passiert, wird zwischen den beiden Gebäuden ein Vorhang gezogen. „Ein Autokran hält eine Art Schutzmatte dazwischen. Abbruchstücke prallen daran ab und fallen kontrolliert zu Boden. So wird die Fassade des Neubaus geschützt, ebenso die Menschen, die dahinter arbeiten“, erläutert Karl-Georg Dittmar, der Oberbauleiter des Generalunternehmens Wolff & Müller, das den Zuschlag für das gesamte Rathaus-Projekt erhalten hat. Der Abstand zwischen den Rathäusern sei teilweise kleiner als fünf Meter. Im Bereich der Cafeteria seien es sogar nur knapp 1,80 Meter.

Abrissbagger statt Sprengung

Seit 23. Januar läuft das Teilprojekt Abriss schon. Zuerst ist der Altbau entkernt worden. Einbauten, Armaturen oder sonstige Stoffe, die getrennt zu verwerten sind, wurden ausgebaut. Am 30. Januar wurde damit begonnen, das Nebengebäude der Kämmerei und den hinteren Anbau abzubrechen. Bevor der Abriss des Hauptgebäudes ab Montag vonstatten gehen kann, muss noch sämtlicher Bauschutt abtransportiert werden. „In der Nacht auf Mittwoch ist der Abbruchbagger geliefert worden“, informiert der Oberbauleiter. Da dieser mit einem Schwertransport kam, wurde dies auf die Nacht verlegt. Dieses Gerät verfügt über einen besonders langen Greifarm. Schließlich muss es sich Stockwerk für Stockwerk nach unten arbeiten und braucht eine entsprechende Reichweite. Aufgestellt wird der Bagger an der Seite zur benachbarten Schellingschule.

„Bis Donnerstag oder Freitag sollten die oberirdischen Geschosse entfernt sein“, rechnet Dittmar. Danach kann der Schutzvorhang wieder verschwinden. Die Arbeiten dauern aber voraussichtlich noch bis Mitte März. „Immerhin ist das alte Rathaus teilweise zweistöckig unterkellert. All das muss raus“, erklärt der Oberbauleiter. Danach müssen der ganze Bauschutt noch abtransportiert und die Löcher wieder verfüllt werden.

Auf den Abriss folgt die Außengestaltung

Ist das erledigt, können sich die Mitarbeiter von Wolff & Müller an die Außenanlagen machen. Die betreffen den gesamten Bereich rings um das neue Rathaus. So sind vor dem Eingangsportal Sitzstufen, ein Wasserspiel und ein Lindenbaum als Blickfang geplant. An der Seite zur Schellingschule sollen Fahrradstellplätze geschaffen werden. Außerdem rings herum Gehwege und Grünflächen.

Während das Stadtwappen bereits neben dem Eingang prangt, wird das Altkreiswappen vermutlich im Juni an seinem Platz an der Tiefgarage angebracht. Für dessen Erhalt und einen Platz nahe der alten Wirkungsstätte hatten sich Bürger wie Gemeinderat stark gemacht. Wenn alles innen wie außen hergerichtet ist, plant die Stadt einen Tag der offenen Tür für die Bürger. Voraussichtlicher Termin ist am Sonntag, 9. Juli.