Warmbronner Open Air Erst werden Tonnen bewegt, dann wird gerockt

Von Bartek Langer 

Bevor beim Warmbronner Open Air fette Bässe und harte Gitarrenriffs aus den Lautsprechern dröhnen, muss das ehrenamtliche Organisationsteam richtig ranklotzen.

Damit die Bands auch in gutem Licht erstrahlen, werden hunderte Meter Kabel verlegt und angeschlossen. Foto: factum/Bach, Archiv
Damit die Bands auch in gutem Licht erstrahlen, werden hunderte Meter Kabel verlegt und angeschlossen. Foto: factum/Bach, Archiv

Leonberg - Ach, der Wettergott kann Mark Roman Stehle den Buckel runterrutschen. „30 Grad haben wir, an allen drei Tagen!“, da ist sich der Hobby-Meteorologe ganz sicher – auch wenn der Vorhersage ein schelmisches Lachen folgt. Na ja, sollte zumindest der Regen ausbleiben, würde sich Petrus nicht als Spaßbremse erweisen. Dann steht nämlich einem gelungenen Warmbronner Open Air nichts mehr im Weg; auf dem Waldsportplatz, wo sich jedes Jahr bis zu 1000 Musikfans tummeln. Heute um 17.30 Uhr startet das „RockXplosion“-Festival, Einlass ist schon um 16 Uhr.

Mark Roman Stehle ist am Donnerstag schon seit den Morgenstunden auf den Beinen. „Das Wichtigste steht schon – unsere Bühne!“, sagt der Mann vom Jugendhausverein und Mitglied des ehrenamtlich arbeitenden Organisationsteams, bei dem er sich um Marketing und Werbung kümmert. Man mag es kaum glauben, aber die acht mal sechs Meter große „Stage“ war innerhalb von nur einer halben Stunde aufgebaut. „Das ist eigentlich ein Fahrgestell mit Bühnenaufbau“, verrät er und erinnert sich an die früheren Jahre, wo es schon mal drei Tage dauerte, bis die Bühne stand.

Ganz wichtig: Dixiklos!

Nicht nur die Bühnenbeleuchtung und das Tonequipment fehlen, auch drei Zelte müssen heute noch aufgestellt werden, die komplette Küche, unzählige Biertischgarnituren und ganz wichtig: Dixitoiletten! Und dann gebe es noch jede Menge Kleinzeug, das anfalle. „Der Teufel steckt wie so oft im Detail“, sagt Stehle. Bis auf zwei Strahler sei noch kein Licht auf dem Platz, und auch die komplette Verstromung müsse noch gemacht werden. „Jedes Zelt braucht ja Steckdosen“, erklärt er und meint grinsend: „Da wird unser Elektriker heute Nachmittag im Kreis rotieren.“ Der Mann macht sich nichts vor: „Wir sind ganz sicher noch um 22 Uhr hier!“

Es sei schon eine „logistische Meisterleistung“, was die Crew da jedes Jahr auf die Beine stelle. Denn bis auf einen Strom- und Wasseranschluss gibt es praktisch nichts auf der Waldlichtung. „Am Ende haben wir Zelte, die jedem Sturm standhalten, eine Veranstaltungsbühne, mehrere Hundert Meter Bauzaun und Essensstände – das ist schon Wahnsinn!“, sagt Stehle. Mit dem Zählen der Fahrten, um das ganze Material nach Warmbronn zu verfrachten, habe er übrigens längst aufgehört. „Da werden Tonnen bewegt!“, versichert er.

Musik aus vielen Genres

Egal ob Metal, Rock, Pop, Reggae oder Hip-Hop – beim Warmbronner Open Air, das weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt ist, gibt es für jeden Geschmack etwas. Und wer mit seinem Nachwuchs aufschlägt, kein Problem! Neben einem Loungezelt mit Sofas und Tischkicker, gibt es auch ein Kinderprogramm. „Am Samstag- und Sonntagnachmittag werden Pädagogen aus dem Jugendhaus viele Aktionen anbieten“, erzählt Stehle. Übrigens: Wer einen über den Durst trinken sollte, muss nicht ins Auto steigen. Auf dem Waldsportplatz kann man auch kostenlos campen.

Das Open Air feierte 1985 seine Premiere, und Stehle muss sich hin und wieder wundern, dass es die Veranstaltung noch gibt. „Das ist nicht selbstverständlich, wenn ich sehe, wie viele kleinere Festivals die Reißleine ziehen müssen, weil sie es finanziell nicht mehr packen“, sagt er. Abstriche müssen aber auch sie machen, gibt es doch bei dem Festival seit Jahren freien Eintritt. „Wenn da eine bekannte Band aus Hamburg allein für die Anfahrt 500 Euro haben will, dann können wir das nicht bezahlen“, sagt er. Deshalb greifen sie vor allem auf Bands aus der Umgebung zurück. „Und das ist für viele auch spannender, als Leute zu hören, die ohnehin im Radio rauf und runter laufen“, meint er.

Außerdem: Die meisten Besucher kommen laut ihm nicht nur wegen der Musik, sondern auch wegen der Atmosphäre. „Man trifft alte Kumpels, die man von früher kennt, und ein Festival mitten im Grünen, das ist einmalig!“, sagt Stehle und rührt die Werbetrommel: „Drei Tage, 28 Bands und freier Eintritt – wenn das keine schlagenden Argumente sind, dann weiß ich auch nicht!“ Und den Regenschirm kann man bekanntlich zu Hause lassen.




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