Leonberg Führerschein bedeutet für viele Freiheit

Beim Fahrtraining des ADAC haben die Mitglieder des Stadtseniorenrates    einmal so richtig in die Pedale getreten – und sich einige hilfreiche Tipps geben lassen. Foto: factum/Archiv
Beim Fahrtraining des ADAC haben die Mitglieder des Stadtseniorenrates einmal so richtig in die Pedale getreten – und sich einige hilfreiche Tipps geben lassen. Foto: factum/Archiv

Immer mehr Menschen wollen bis ins hohe Alter mobil bleiben und auf ihr Auto nicht verzichten. Mit freiwilligem Fahrtraining möchte der ADAC Senioren mehr Sicherheit im Straßenverkehr verleihen.

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Leonberg - Der Unfall eines 84-jährigen Autofahrers in Bad Säckingen, bei dem zwei Menschen getötet worden sind, hat die Diskussion um sicheres Fahren im Alter neu entfacht. Dass Reaktionsfähigkeit und Beweglichkeit im Alter nachlassen, ist eine biologische Tatsache. Ob Senioren deshalb im Verkehr tatsächlich auffälliger sind, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Der Fahrlehrer Manfred Reich aus Rutesheim findet die aktuelle Debatte übertrieben. „Statistisch werden die Unfälle, an denen Ältere beteiligt sind, natürlich mehr, weil heute einfach mehr von ihnen mit dem Auto regelmäßig unterwegs sind“, sagt er. Das sage aber nichts aus über deren Fahrtauglichkeit. Schwächen auf der einen Seite machten sie oft durch Erfahrung und vorsichtiges Fahren wett. Natürlich machen Senioren Fehler – genauso wie Jüngere auch, glaubt er. „Nur wird das bei den Älteren immer zu sehr dramatisiert.“ 150 Radfahrer sterben jährlich, weil sie von Rechtsabbiegern übersehen werden, sagt Reich. „Das Alter hat damit nichts zu tun.“

Stimmungsmache gegen Ältere?

Ursula Grupp, Vorsitzende des Seniorenrats der Stadt Leonberg, fühlt sich durch solche Diskussionen auch unter Generalverdacht gestellt. „Bei einem Motorradunfall schauen alle nur auf das Motorrad, niemand interessiert sich für das Alter des Fahrers.“ Sobald ein Verursacher aber die 70 überschritten habe, werde das sofort so herausgestellt, „da wird schon Stimmung gemacht gegen Ältere“. Auch weiß sie, wie wichtig es für viele Senioren ist, mobil zu sein. „Wenn einem der Führerschein weggenommen wird, geht immer auch ein Stück Freiheit und Komfort verloren.“ Allein das Einkaufen sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln viel strapaziöser, „das Schleppen ist ein großes Problem“.

Trotzdem weiß sie aus Erfahrung, dass mit zunehmendem Alter eben doch so manche Fertigkeit nachlässt. Gegen eine Überprüfung der Fahrtauglichkeit eines Menschen in regelmäßigen Abständen habe sie daher nichts einzuwenden, sagt sie. „Mit dem Auto muss man ja auch alle zwei Jahre zum Tüv.“ Gerne habe sie deshalb vor zwei Jahren mit dem Stadtseniorenrat das Angebot des ADAC wahrgenommen, auf dem Leonberger Übungsgelände ein spezielles Training für Senioren zu absolvieren. „Das war eine gute Aktion“, findet sie.

Fahrtraining für Senioren wenig angenommen

Auf dem Parcours am Solitude-Ring gibt es mehrere Angebote für Senioren – alle auf freiwilliger Basis. „Wir haben einen Halbtagskurs und einen Ganztagskurs für Fortgeschrittene“, erklärt Reimund Elbe vom ADAC Württemberg. Bei dem kleineren Basiskurs erhalten die Teilnehmer beispielsweise Tipps fürs richtige Bremsen und fürs Einparken. Darüber hinaus bietet der Automobilclub zusammen mit dem Fahrlehrerverbund Baden-Württemberg einen sogenannten Fahrfitness-Check an, bei dem ein Senior in seinem bekannten Umfeld eine Runde mit einem Fahrlehrer an der Seite drehen kann, der das Ganze anschließend einschätzt und den Fahrer berät.

Mit der Resonanz sei es leider etwas schwierig, so Elbe. „Wenn wir Aktionen in Gruppen organisieren wie damals mit dem Stadtseniorenrat, machen viele mit, und die Reaktionen sind anschließend immer positiv.“ Alleine wagen jedoch die wenigsten diesen Schritt – was sehr schade sei. Denn die absolute Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Senioren beteiligt sind, sei zwar relativ gering, weil diese doch seltener und vor allem kürzere Strecken fahren. Im Verhältnis nähere sich die Unfallhäufigkeit der älteren Semester der von sehr jungen Fahrern immer mehr an, „weil die Menschen verstärkt bis ins hohe Alter noch mobil bleiben möchten“.




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