Hilfsprojekt für Indonesien Wenn im Surf-Urlaub ein Kinderheim entsteht

Von Henning Maak 

Der Leonberger Simon Bruckmann unterstützt mit vier Freunden ein Projekt in Indonesien.

Mit bunten Tüchern feiern  Simon Bruckmann (dritter Erwachsener von links) und Co. den Einzug in die Villa Kunterbunt. Foto: privat
Mit bunten Tüchern feiern Simon Bruckmann (dritter Erwachsener von links) und Co. den Einzug in die Villa Kunterbunt. Foto: privat

Leonberg/Nias - Eigentlich wollten Felix Härter und seine Freundin Kristina Metzler in Indonesien nur Urlaub machen. Die Bucht vor Nias gilt als Surferparadies, da ein Riff, das durch den verheerenden Tsunami 2004 angehoben wurde, für traumhafte Bedingungen für Wellenreiter sorgt. Doch dann wurde Kristina Metzler krank, und auf der Insel 125 Kilometer vor der Westküste Sumatras ist die medizinische Versorgung nicht gerade flächendeckend.

Als Rettung für das Paar stellte sich Joli Dachi heraus. Der Einheimische kümmerte sich um Kristina Metzler, zeigte ihr die Insel, als sie auf dem Weg der Besserung war, und so entstand schnell eine Freundschaft zwischen dem König des Dorfes Hilimaenamölö und den deutschen Urlaubern. Und als Joli Dachi erzählte, er habe den Traum, auf einem freien Grundstück neben seinem Haus ein Kinderheim zu bauen, es fehle ihm aber das Geld, versprachen Felix Härter und Kristina Metzler Hilfe.

Kontakt mit der Erbengemeinschaft von Astrid Lindgren

Wieder zu Hause in ihrem Studienort Weingarten angekommen, erzählte das Paar drei befreundeten Kommilitonen vom Plan des Joli Dachi. Schnell waren auch die drei Mitstudenten, zu denen unter anderem der Leonberger Simon Bruckmann gehört, Feuer und Flamme von der Idee. Im November gründeten sie den Verein ProViKuBu. „Das ist die Kurzform für Projekt Villa Kunterbunt. Den Namen haben wir ausgesucht, weil wir alle Fans von Pippi Langstrumpf sind“, erklärt Simon Bruckmann, der das Johannes-Kepler-Gymnasium in Leonberg besucht hat und heute als Lehrer für Mathematik, Musik und Technik an einer Realschule in Reutlingen unterrichtet.

Das Kinderheim, das in Hilimaenamölö 2012 gebaut wurde, sollte wegen der fröhlichen Farben ebenfalls Villa Kunterbunt heißen. Doch als das Quintett mit der Erbengemeinschaft von Astrid Lindgren Kontakt aufnahm, wurde ihnen klar, dass es möglicherweise urheberrechtliche Probleme geben könnte. „Daher haben wir es dann Villa warna-warni genannt. Das ist der indonesische Name für Villa Kunterbunt und in englisch und indonesisch leichter auszusprechen“, erläutert Bruckmann.

Anfangs kam das Geld, das die fünf Deutschen nach Indonesien überwiesen, überwiegend durch Benefizabende zusammen. „Felix Härter und ich haben Konzerte mit unserer Band gegeben oder Lesungen mit einem Schauspieler organisiert“, erzählt Simon Bruckmann. Auch diverse Tombolas brachten Geld ein. „Wir haben sehr viel Zeit und Liebe in die Idee gesteckt“, sagt der Leonberger rückblickend.

Freiwilligen-Programm und Patenschaftsprojekte

Als im Jahr 2013 die ersten Waisenkinder ins Haus einzogen, kamen Simon Bruckmann und Co. auf die Idee der Patenschaftsprojekte: „Unsere Mitstudenten und später unsere Arbeitskollegen haben sich für mindestens ein Jahr verpflichtet, pro Monat 15 Euro oder mehr zu spenden“, erklärt Simon Bruckmann. Im Jahr 2018 gibt es 51 Paten, die zwischen 15 und 60 Euro pro Monat spenden, um das Projekt in Indonesien am Laufen zu halten.

Derzeit leben 13 Halb- oder Vollwaisen zwischen sechs und 16 Jahren in der Villa warna-warni. Mit dem Geld aus Deutschland werden Schuluniformen, Schulgebühren, Schulbücher und das Essen bezahlt. Die Kinder, die morgens in die Schulen gefahren werden, verdienen ein wenig dazu, indem sie Reisfelder hinter dem Kinderheim bewirtschaften. Ein 22-jähriges Mädchen hat inzwischen die Schule abgeschlossen und studiert Englisch auf Sumatra.

Seit 2011 hat der Verein ProViKuBu insgesamt rund 115 000 Euro nach Indonesien überwiesen. Joli Dachi weiß, es gut zu verwenden: Seit 2015 steht ein zweites Haus auf dem Grundstück, in dem Joli Dachi mit seiner Frau und den drei Kindern im Erdgeschoss wohnt. Im Obergeschoss ist Platz für Freiwillige, die für ein paar Monate nach Nias kommen, und die Kinder beim Englischunterricht, am PC und bei Bewerbungen unterstützen. In diesem Jahr ist ein drittes Haus entstanden, in dem bis zu 70 Kinder aus dem gesamten Dorf Englisch lernen. „Wenn wir gewusst hätten, wie viel Arbeit auf uns zukommt, hätten wir es wahrscheinlich nicht gemacht“, sagt Simon Bruckmann offen.