Leonberg Karstadt-Chef: Sind auf einem sehr guten Weg

Von Thomas K. Slotwinski 

Der Leonberger Geschäftsführer ärgert sich über eine Studie, wonach seine Filiale stark gefährdet sei. Das Gegenteil ist der Fall, versichert Thomas Adams: Die neuen Angebote in Mode und Sport werden von den Kunden bestens angenommen.

Ist vom Erfolg seiner Filiale überzeugt: der Leonberger Karstadt-Chef Thomas Adams. Foto: factum/Granville
Ist vom Erfolg seiner Filiale überzeugt: der Leonberger Karstadt-Chef Thomas Adams. Foto: factum/Granville

Leonberg - Thomas Adams ist richtig sauer. Der Zorn des Geschäftsführers der Leonberger Karstadt-Filiale gilt Gerd Hessert. Der ist Lehrbeauftragter für Handelsmanagement an der Universität Leipzig und war früher selbst einmal in leitender Position bei Karstadt tätig.

Hessert hat jetzt im Magazin „Focus“ eine Studie veröffentlicht, wonach 29 Häuser der angeschlagenen Essener Warenhaus-Kette von einer Schließung bedroht seien. Darunter sind große Filialen wie in Frankfurt oder Mainz, aber auch kleinere Häuser, etwa Iserlohn oder – Leonberg.

Die rote Liste verbreitete sich am Montag im Internet wie ein Lauffeuer und sorgt, zumindest was den Standort Leonberg betrifft, für recht deutliche Aussagen. „Diese Liste ist anmaßend, geschäftsschädigend und höchst ärgerlich“, wählt Thomas Adams im Gespräch mit unserer Zeitung klare Worte. Der Filial-Geschäftsführer räumt zwar ein, dass er für sein auf drei Etagen liegendes Warenhaus im Leo-Center keine Bestandsgarantie geben kann, aber: „Wir sind auf einem sehr guten Weg.“

„Positive Geschäfte“

Adams macht seine Zuversicht an der jüngsten Entwicklung fest: „Fakt ist, dass wir in den vergangenen anderthalb Jahren sehr gute Kennzahlen haben und auf positive Geschäfte blicken können.“ Eine umfangreiche Umstrukturierung innerhalb des Warenhauses macht der Filialchef für den positiven Trend verantwortlich.

So wurden überholte Angebote, etwa das Restaurant im Obergeschoss, gestrichen. Stattdessen setzt Adams verstärkt auf Mode und Sport. Die Verkaufsfläche für Damen- und Herrenkleidung wurde vor einem Jahr um 800 Quadratmeter erweitert. Den Markenbesatz hat der Chef deutlich erhöht.

Dort wo früher Schnitzel und Salate serviert wurden, ist jetzt eine moderne Sportabteilung entstanden. Die Resonanz der Kunden sei ausgesprochen gut, versichert Thomas Adams, der vor zweieinhalb Jahren das Ruder in der Karstadt-Filiale im Leo-Center übernommen hatte.

Paradies für Schleckermäuler

Umgekrempelt wurde in dieser Zeit ebenfalls die Parfümerie innerhalb des Warenhauses. Ganz neu hinzugekommen ist eine Süßwaren-Abteilung, in der vor allem hochwertige Naschereien angeboten werden. Die ist erst im April, rechtzeitig zum Ostergeschäft, eröffnet worden und erfreut sich eines regen Zuspruchs, wie der Filial-Geschäftsführer erklärt.

„Unter dem Strich kann man sagen, dass alle Dinge, die wir angepackt haben, von den Kunden hervorragend angenommen werden“, sagt Adams. „Und deshalb bin ich auch nicht besorgt.“

Herausragendes Merkmal des Karstadt in Leonberg ist die Funktion als Nahversorger für die Stadt und das Umland, erläutert der Filial-Geschäftsführer. Ein ähnlich breites Angebot an einem Ort gebe es in der Region Leonberg einfach nicht.

Seine optimistische Einschätzung, darauf legt der Leonberger Karstadt-Chef Wert, sei keine persönliche Meinung, sondern mit der Konzernzentrale in Essen abgestimmt. In der dortigen Pressestelle hatte man eine Anfrage unserer Zeitung zunächst nicht sofort beantwortet, bevor sich dann der örtliche Statthalter direkt bei unserer Redaktion gemeldet hatte.

Auch andere Kenner der lokalen Handelsszene rechnen nicht mit einem zeitnahen Karstadt-Aus in Leonberg. „Dafür läuft die Filiale einfach zu gut“, sagt ein Insider.

100 Mitarbeiter in Leonberg

Der Karstadt-Konzern mit seinen insgesamt 83 Filialen war jüngst in die Schlagzeilen geraten, nachdem die neue Chefin Eva-Lotta Sjöstedt nach nicht einmal einem halben Jahr entnervt hingeschmissen hatte. Die 47-Jährige war Ende Februar für viele Beobachter überraschend von Ikea in die Karstadt-Zentrale nach Essen gewechselt. Vom Alleineigentümer Nicolas Berggruen fühlte sich die Schwedin offenbar nicht ausreichend unterstützt.

Karstadt Leonberg – dort arbeiten heute rund 100 Menschen – stand vor fünf Jahren wegen Turbulenzen im Konzern auf der Kippe. Damals hatte sich die Politik für die Filiale sehr stark gemacht. Mit Erfolg.




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