Leonberg Mehr Transparenz auf ungewohnten Wegen

Von Ulrike Otto 

Die Stadtverwaltung hat nach dem Umzug ins neu gebaute Rathaus erstmals wieder für die Bürger geöffnet.

Der Weg ins neue Rathaus hat noch viel von einer Baustelle. Foto: factum/Granville
Der Weg ins neue Rathaus hat noch viel von einer Baustelle. Foto: factum/Granville

Leonberg - Wer aus Richtung Sportzentrum kommt und aus der Unterführung tritt, sieht erst einmal nichts als eine Bretterwand. Noch ist das Gelände rings um den Rathaus-Neubau in Leonberg eingezäunt, es wird erst gestaltet, wenn das alte Gebäude im Frühjahr abgerissen ist. Doch um den Holzzaun herum führt der Weg nun direkt auf den Eingang zu – am Dienstag hatte die Stadtverwaltung nach dem Umzug ins neue Domizil erstmals wieder regulär für die Bürger geöffnet.

Das Portal, zwei hohe messingfarbene Türen, ist geschlossen. Keine Klinke, kein Hebel zu sehen. Doch wie von Geisterhand öffnen sich die Türen – Bewegungsmeldern sei Dank. Das Foyer mit dem vier Stockwerke hohen Lichthof ist zwar hell, aber bis auf den Empfangstresen noch ziemlich leer. Während Handwerker noch Farbeimer oder Leitern durch die Gegend tragen, suchen andere nach dem richtigen Weg – sowohl Bürger, die zu einem Amt wollen, wie auch die Mitarbeiter. „Wo ist denn jetzt die Stadtkasse?“, fragt ein Mann im Rollstuhl im ersten Stock. Gabriele Schmauder, Leiterin des städtischen Familien- und Sozialamtes, muss überlegen. „Also irgendwo dahinten“, sagt sie und weist mit den Armen den Gang entlang. Sie nimmt es mit Humor. „Wir sind alle noch nicht so versiert. Wir suchen genauso wie die Bürger, das ist irgendwie lustig“, sagt sie. Vieles müsse sich noch finden. „Im alten Gebäude hatten wir alle Türen offen, da konnte man sich zurufen. Jetzt läuft man vorbei und winkt halt“, sagt die Amtsleiterin. Alle 161 Büros mit insgesamt 222 Arbeitsplätzen sind an der Außenseite des Gebäudes, verfügen aber über Glastüren zu den Gängen. „Wir wollen bewusst transparent für die Bürger sein“, erklärt die Pressesprecherin der Stadt, Undine Thiel. Zum Atrium ausgerichtet sind dagegen einige der Besprechungszimmer, die Teeküchen sowie verschiedene Wartebereiche. Durch das gläserne Dach gibt es dennoch genügend Tageslicht.

Am Tage geht das Licht aus

Außer bei so trübem Wetter wie am Dienstag. Da helfen auch die bodenlangen Fenster nur bedingt. „Vieles in der Haustechnik muss noch feinjustiert werden“, sagt Dominik Heni. Der Leiter des Gebäudemanagements war auf Seiten der Stadtverwaltung hauptverantwortlich für den Neubau. Am zweiten Tag im neuen Büro kämpft er etwa mit dem Lichtschalter. „Die Lichtsteuerung ist vom Tageslicht abhängig. Im Moment sagt sie, es ist hell, und schaltet das Licht wieder aus“, erklärt er. Das passiert genauso, wenn sich im Raum nichts mehr bewegt. „Das soll Strom sparen“, erklärt Heni.

„Im Moment ist die Technik noch intelligenter als wir“, scherzt Kevin Vossler. Der Leiter des Bauordnungsamtes läuft freudestrahlend über den Flur im dritten Stock. „Endlich habe ich alle meine Mitarbeiter beisammen, statt auf zwei Gebäude und dort auf zwei Etagen verteilt“, meint Vossler. Als Vorgesetzter bekomme er so auch besser mit, wo seine Mitarbeiter der Schuh drückt. „Der Neubau ist eine Verbesserung um 100 Prozent. Und als Architekt muss ich sagen, dass es wirklich ein gelungenes Gebäude ist.“ Der Umzug sei aber reibungslos verlaufen, sagt Kevin Vossler. Viele Mitarbeiter hätten diesen genutzt, um gründlich auszusortieren.

Im neuen Büro zieht’s nicht mehr

„Wir wollen ja in Richtung papierloses Büro gehen“, sagt die Pressesprecherin Thiel. An ihrem neuen Arbeitsplatz schätzt sie auch die angenehmen Temperaturen. „In meinem alten Büro mit Außenwand hat es gezogen wie Hechtsuppe. An einem Tag wie heute hätte ich dort wahrscheinlich mit Jacke gesessen“, sagt Undine Thiel. Die Mängel am alten Baukörper, besonders bei der Elektronik und in Sachen Brandschutz, waren der Hauptgrund, weshalb es den Neubau überhaupt gibt. Die Betriebserlaubnis des Altbaus läuft Ende Februar ab. Dazu kamen Schäden am Dach, den Rohren, der Fassade und den Fenstern. Der Gemeinderat hatte sich 2013 für den 25 Millionen Euro teuren Neubau statt einer Sanierung entschieden. Diese sei viel zu aufwendig und bei laufendem Betrieb nicht zu machen, lautete das Argument. Die Handwerker werden indes noch etwas bleiben. Kleinere Restarbeiten fehlen noch, im Frühjahr folgt der Abriss des ehemaligen Landratsamtes, danach werden die Außenflächen angelegt. Auch der ein oder andere Farbtupfer wird noch im Neubau einziehen. So trägt Kulturamtsleiterin Christina Ossowski gerade ein Gemälde ins Foyer. „Wir haben gerade alle Kunstwerke aus den Außenstellen eingesammelt und hergebracht“, erzählt sie. Ihr Amt wird aber erst Mitte Februar in den Neubau einziehen. Vorher steht noch der Pferdemarkt an.