Leonberg SV Gebersheim im Visier von Betrügern

Von Henning Maak 

Norbert Wittke erhält eine verdächtige E-Mail: Er soll Geld überweisen. Doch der Kassierer bleibt skeptisch.

In den Weiten des Internets tummeln sich allerhand schwarze Schafe. Foto: Pixabay
In den Weiten des Internets tummeln sich allerhand schwarze Schafe. Foto: Pixabay

Leonberg - Bereits seit einigen Monaten warnen Bundes- und Landeskriminalamt vor dem sogenannten CEO-Betrug. In diesen Fällen sammeln die Täter öffentlich zugängliche Informationen über ein Unternehmen und geben sich dann telefonisch oder per Mail als Geschäftsführer (CEO) aus, um von einem Mitarbeiter der Firma einen Geldbetrag auf ein ausländisches Konto überweisen zu lassen. Der Schaden in Deutschland geht laut BKA in die Millionen.

Offenbar geben sich manche Gauner inzwischen aber auch mit kleineren Beträgen zufrieden – und sie suchen sich neue potenzielle Opfer. Norbert Wittke, Kassierer beim SV Gebersheim, war überrascht, als er vor einigen Tagen eine E-Mail bekam, in der ihn angeblich sein Erster Vorsitzender fragte, ob er eine Banküberweisung tätigen könne. „Ich habe gleich Verdacht geschöpft, da mein Vorsitzender zum einen normalerweise über seine private E-Mail-Adresse mit mir kommuniziert und nicht über die des Vereins“, erzählt Wittke. Zum anderen hätten die üblichen unverfänglichen Worte rund um das eigentliche Anliegen in der E-Mail gefehlt.

Die E-Mail kam tatsächlich aus den Niederlanden

Er spielte mit seiner Antwort auf Zeit und fragte, ob er die Überweisung am Nachmittag veranlassen könne, weil er gerade in Therapie sei. Gleichzeitig rief er bei seinem Ersten Vorsitzenden Arne Müller an, der ihm bestätigte, dass die Mail nicht von ihm stammte. „Am gleichen Tag hatte unsere Tennisabteilung eine ähnliche Mail erhalten und der Kollege hatte seine Antwort in Kopie an mich gesandt“, erklärt Müller, der in der Bankenbranche tätig ist und dem die Betrugsmasche von daher wohlbekannt ist.

Norbert Wittke hielt die Betrüger dennoch weiter hin und bekam die Anweisung, 2657 Euro auf das Konto einer Natalie Garner zu überweisen. „Das ist eine amerikanische Schauspielerin, das war ziemlich durchsichtig“, sagt der Kassierer, der sich zudem darüber wunderte, in der zweiten E-Mail nicht mehr geduzt worden zu sein. Um mehr Informationen für eine Anzeige zu haben, fragte er per Mail nach, wofür die Überweisung sei und ob noch jemand von der Sache wisse. „Die Antwort lautete, dass das Geld für den Kauf und Transport von Sportgeräten sei“, erzählt Wittke.

Erst als der vermeintliche Vereinsvorsitzende Stunden später nochmals nachhakte, ob die Überweisung ausgeführt sei, ließ der Kassierer die Katze aus dem Sack und antwortete: „Natürlich nicht, du Anfänger, das war zu einfach. Dafür kriegst du eine Anzeige, die dich hoffentlich in den Knast bringt!“ Wittke hatte zwischenzeitlich auch herausgefunden, dass die vermeintliche E-Mail-Adresse des Vorsitzenden tatsächlich eine holländische war und erstattete am nächsten Tag Anzeige bei der Polizei wegen versuchten Betruges.

Vereinsspitze denkt über Änderungen nach

„Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen eine sogenannte Kontodatenfeststellung bei der in der E-Mail genannten Bank beantragt, um festzustellen, wer hinter dieser Bankverbindung steckt“, erklärt Yvonne Schächtele, die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg auf Nachfrage unserer Zeitung. Ihr ist nicht bekannt, dass ein anderer Verein im Großraum Stuttgart bisher mit dieser Betrugsmasche konfrontiert wurde. „Bisher waren immer nur Firmen betroffen, indem zum Beispiel der angebliche Chef bei einer Vorzimmerdame eine Überweisung angefordert hat“, berichtet sie.

Arne Müller will zusammen mit seinen Vorstandskollegen in absehbarer Zeit überlegen, wie man Kriminellen die Arbeit in Zukunft erschweren kann. „Unsere Namen und Mail-Adressen sind über die Homepage leicht zu kriegen. Wir müssen sehen, ob wir das so stehen lassen“, sagt er. Auf Anraten von Norbert Wittkes Sohn, seines Zeichens IT-Experte, wurden die Passwörter der kompromittierten E-Mail-Adressen inzwischen geändert und der Provider beauftragt, nach Spuren des Eindringlings auf den Konten zu suchen.