Leonberg Vergärungsanlage könnte bis 2023 wieder stehen

Von Ulrike Otto 

Böblingen legt eine erste Schadensbilanz vor. Gemeinsam mit dem Kreis Esslingen wird wieder aufgebaut.

Die Vergärungsanlage Leonberg nachdem der Großband gelöscht war. Foto: /Holger Leicht
Die Vergärungsanlage Leonberg nachdem der Großband gelöscht war. Foto: /Holger Leicht

Leonberg - Noch am Tag des Großbrandes in der Vergärungsanlage Leonberg Mitte September hatte Landrat Roland Bernhard zugesichert, alles wieder an gleicher Stelle aufzubauen. Zwei Monate später hat der Landkreis nun erste Überlegungen bekannt gegeben. Zudem wurde eine Schadensbilanz vorgestellt.

Die Bioabfallverwertung GmbH Leonberg (BVL) war erst Anfang Juni gemeinsam von den Landkreisen Böblingen und Esslingen gegründet, die langjährige Partnerschaft damit ausgebaut worden. Nun hatte man sich in Böblingen zur ersten Aufsichtsratssitzung getroffen. Wolfgang Bagin, der Chef des Böblinger Abfallwirtschaftsbetriebs, hatte dabei über den Brand und seine Folgen berichtet. Demnach wurden die Anliefer-, Aufbereitungs-, und Hauptrottehalle sowie der Gasspeicher mit allen Maschineneinrichtungen nahezu vollständig zerstört.

Fermenter ist unbeschädigt

Dagegen blieben die Betriebsgebäude mit Einfahrtsbereich, Werkstatt und Vortragsraum sowie die Nachrottehalle einschließlich des ehemaligen Brennstoffzellengebäudes vollständig erhalten, können also weiter genutzt werden. Der große Fermenter-Turm, die Gasreinigung sowie drei Blockheizkraftwerke mit Trafostation seien nach derzeitigem Erkenntnisstand bis auf kleinere Schäden am Äußeren noch intakt. Mit dieser Bestandsaufnahme in der Tasche laufen in Böblingen derzeit die Planungen für den Wiederaufbau an.

Die Kripo ermittelt noch. Foto: SDMG
Diese will man in enger Abstimmung mit Esslingen angehen. „Wir konnten uns noch am Tag des Unglücks auf unseren Partner-Landkreis Esslingen verlassen, die nicht nur spontan unseren Biomüll abgenommen haben, sondern nun auch gemeinsam mit uns die Zukunft der Anlage neu planen,“ sagt der Böblinger Landrat Roland Bernhard. „Nun gilt es. aus der Not eine Tugend zu machen und eine Vergärungsanlage aus einem Guss zu planen und zu bauen,“ ergänzt Landrat Heinz Eininger aus Esslingen.

„Chance für einen wirtschaftlichen Neubau“

Auch wenn die Planungen jetzt erst anlaufen, so steht doch schon das weitere Vorgehen fest. Denn bereits im September 2018 wurde ein Förderantrag für eine zweite Vergärungsstufe beim Projektträger Jülich beantragt. „Das Brandereignis bedeutet auch die Chance für einen wirtschaftlichen Neubau der Anlage mit Einbindung der zweiten Vergärungsstufe auf dem neuesten Stand der Technik“, teilt das Böblinger Landratsamt mit. Beides wird nun miteinander verbunden.

Sind die Pläne erstellt und genehmigt, die Förderanträge bewilligt, könnte der Neu- und Wiederaufbau im Herbst 2021 starten. Läuft alles glatt, könnte die Vergärungsanlage dann Mitte 2023 wieder den Betrieb aufnehmen. Der Wiederaufbau der Vergärungsstufe 1 wird auf etwa 15 Millionen Euro geschätzt. Hier geht man im Landratsamt Böblingen davon aus, dass die Investition durch Schadensersatzzahlungen der Versicherung gedeckt wird. Unberührt davon kostet die zweite Vergärungsstufe rund zehn Millionen Euro. Dafür sind Fördermittel beantragt.

Ermittlungen laufen noch

Die genaue Schadenssumme steht nach Auskunft des Landratsamtes noch nicht fest. „Noch laufen die Ermittlungen zur Brandursache. Eine abschließende Bewertung der Ereignisse in der Brandnacht kann deshalb derzeit nicht abgegeben werden“, lautet die Antwort. Ein Experte der Versicherung ist mit der Ermittlung der Brandursache betraut. Das Landratsamt hat zudem einen Fachanwalt für Versicherungsrecht hinzugezogen.

In der Nacht auf den 11. September war das Feuer gegen 2 Uhr per Notruf gemeldet worden. Da standen die Betriebshallen bereits voll in Brand. Warum die Brandmeldeanlage nicht auslöste, muss ebenso geklärt werden wie die Frage, wo und wie der Brand ausbrechen konnte. Für die Leonberger Feuerwehr war es der größte Einsatz ihrer Geschichte.




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