Leonberg Wer braucht schon einen David Copperfield . . .

Von Bartek Langer 

Der Magier Daniel Bornhäußer begeistert mit Wortwitz und Europas einziger reisender Zauber-Varieté-Show.

Verblüffende Tricks ganz nah am Publikum: Daniel Bornhäußer (rechts) begeistert. Foto: factum/Bach
Verblüffende Tricks ganz nah am Publikum: Daniel Bornhäußer (rechts) begeistert. Foto: factum/Bach

Leonberg - Monte Carlo, London, Las Vegas? Nee, dorthin habe es Daniel Bornhäußer mit seinem „Circus of Illusions“ noch nicht verschlagen, wie es gleich zu Beginn der Show aus den Lautsprechern wummert. Dafür gastiert der Karlsruher Zauberkünstler mit „Europas einziger reisender Zauber-Varieté-Show“ in der Bruckenbachstraße in Eltingen.

Das Motto „Eine Zaubershow – zum Greifen nah und doch nicht zu fassen“ ist hier Programm. Das liegt zum einen an der heimeligen Atmosphäre – in das nicht ganz ausverkaufte Zelt mit seinem besonderen Ambiente – Sternenhimmel, Nebelschwaden und blauem Lichtdunst – passen „nur“ etwa 80 Besucher. Wenn der Illusionist auf der Bühne steht, erweckt es den Anschein, man sitzt bei einer Zaubernummer auf Omas Geburtstag – natürlich ist diese hier aber viel spektakulärer als alles, was der kleine Max mit seinem Zauberköfferchen jemals aufbieten könnte. Kurzum: man ist nicht nur dabei, sondern wirklich mittendrin.

Einmal gepustet – und das Loch ist wieder weg

Die geringe Distanz zum Publikum ist gewollt. Denn die Interaktion mit den Zuschauern gehört bei dem Profi-Zauberer mit Zylinderhut, Fliege und schwarzen Lackschuhen zur Show. So dauert es nicht lange, bis sich Joachim aus Weissach bei einem Trick mit vier Aluminium-Ringen versuchen darf, die sich auf wundersame Weise verschlingen und dann wieder lösen, der kleine Elias aus Münchingen einen Tisch schweben lässt und Hans völlig entgeistert dabei zusehen muss, wie ein Messer durch sein edles Jackett gleitet. „Das muss aber heil bleiben“, stöhnt der ältere Herr, dem das Ganze nicht ganz geheuer zu sein scheint. Bleibt es. Einmal gepustet und das Loch ist auch schon wieder weg!

Die beiden laut dem Magier wichtigsten Grundregeln eines Zauberkünstlers – lachen und Zähne zeigen – beherrscht auch der Rutesheimer Piro bestens, der kurzerhand zum Assistenten befördert wird. Bei der Nummer steckt ihn Bornhäußer in eine „magische Jacke“ und leiht ihm quasi seine Hände zum Zaubern, in dem er sich hinter ihn stellt – dafür wurde der Karlsruher übrigens mit dem Prädikat „Künstler des Jahres 2014“ ausgezeichnet. Wer aber trotz des geringen „Sicherheitsabstandes“ darauf spekuliert, die Tricks durchschauen zu können, hat sich geschnitten. Daniel Bornhäußer versteht sein Handwerk. Da sickert wirklich überhaupt nichts durch!

Der Trick mit dem „indischen Eiersack“

In dem anderhalbstündigen Programm zeigt der 30-Jährige aber nicht nur Zauberkunst vom Feinsten – wenngleich sein Repertoire vor allem die kleinen Fingerfertigkeiten umfasst. Gekonnt verbindet der charmante Entertainer diese auch mit humorvoller Unterhaltung und macht mit viel Wortwitz die Show zur Stand-up-Comedy. „Ich zeige Ihnen mal, wie die Schwaben ihre Spielkarten mischen“, sagt er, steckt diese dann in seine Hand und schüttelt sie kräftig. Bei der mäßigen Prüfung der Zauber-Utensilien auf etwaige Schummeleien sagt er dem Zuschauer eine steile Karriere im Qualitätsmanagement voraus. Und wer nicht wissen möchte, wie der Trick mit dem „Indischen Eiersack“ funktioniert, den bittet er, doch draußen zu warten.

Beim Publikum kommen die Gags unter der Zeltplane bestens an. Vor allem ein Gespann aus drei Damen auf der rechten Flanke kriegt sich vor Lachen gar nicht mehr ein, sodass man fast den Eindruck gewinnen könnte, sie wurden eigens für die Show als Stimmungskanonen angeheuert.

So viel Einsatz verdient ein Extra-Lob. „Sie können gerne jeden Abend vorbeischauen“, ruft der Magier Daniel Bornhäußer fast schon ein wenig irritiert. Vielleicht hat auch das ein oder andere Gläschen Sekt bei den Damen sein Übriges getan. Nach der Schlussnummer appelliert der Conférencier Holger Kugele grinsend an das Leonberger Publikum: „Wem es heute nicht gefallen hat, der soll doch bitte zu Hause sagen, dass er bei David Copperfield war!“ Doch seine Sorgen sind unbegründet. Nach der Show mag sich so mancher begeisterte Zuschauer ohnehin denken: „Wer braucht schon einen Copperfield?!“ Und das auch, obwohl hier keiner zersägt wurde.




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