Leonberg Zu viel Dorf darf es dann doch nicht sein

Von Ulrike Otto 

Auf dem Vorplatz des Rathaus-Neubaus soll eine Linde den Blickfang bilden, findet eine Reihe von Gemeinderäten. Eine knappe Mehrheit im Planungsausschuss ist dagegen. Nun muss am Dienstag der Gemeinderat endgültig darüber befinden.

Bis Februar 2017 muss die Verwaltung in den Neubau umgezogen sein. Danach wird der Vorplatz  neue gestaltet. Foto: Holger Leicht
Bis Februar 2017 muss die Verwaltung in den Neubau umgezogen sein. Danach wird der Vorplatz neue gestaltet. Foto: Holger Leicht

Leonberg - Ob er besonders allergikerfreundlich ist? Oder seine Blüte die Schnupfenzeit einleitet? Vielleicht will der Gemeinderat bei den Leonbergern zur Eröffnung des Rathaus-Neubaus aber auch nur vorsorgen, wenn den Bürgern angesichts der 25 Millionen Euro Kosten die Tränen kommen?

Spaß beiseite – mit kleiner Mehrheit hat sich der Planungsausschuss des Leonberger Gemeinderates dafür ausgesprochen, vor den Rathaus-Neubau als Hingucker einen Taschentuchbaum pflanzen zu lassen. Dafür gab es sechs Ja- und drei Nein-Stimmen bei vier Enthaltungen. Das ursprünglich aus China stammende Gewächs schlug in der Abstimmung damit die Sommerlinde. Der „Dorfbaum“, wie Oberbürgermeister Bernhard Schuler ihn nannte, bekam zwar auch sechs Ja-, aber immerhin sieben Nein-Stimmen und war damit abgelehnt.

Die Linde als Symbol fürs Dorf sei nicht passend

Immerhin soll der Rathaus-Neubau eine moderne Verwaltungszentrale sein und dem Status eines Mittelzentrums gerecht werden. „Die Linde ist das Symbol für das Dorf und außerdem sehr aufwendig in der Pflege“, erklärte der Oberbürgermeister in der jüngsten Sitzung am Donnerstag, weshalb sich die Verwaltung gegen die Baumart ausgesprochen hat. Jeder, der schon mal unter einem Lindenbaum geparkt hat, kann Letzteres sicher nachvollziehen. „Dann müsste Berlin mit seiner Prachtstraße ‚Unter den Linden’ ja ein riesiges Dorf sein“, merkte Rainer Zachert (Neue Liste) nach der Sitzung scherzhaft an.

Der Taschentuchbaum, der auf der Favoritenliste nun ganz oben steht, verdankt seinen Namen übrigens den langen Blütenblättern, die tatsächlich an die alten weißen Stofftaschentücher erinnern, die man früher zum Trocknen in die Sonne hängte. Ob er am Ende auch tatsächlich gepflanzt wird, das muss sich noch im Gemeinderat zeigen. Bei der nächsten Sitzung am Dienstag, 26. April, 19 Uhr, könnte die Stimmenverteilung tatsächlich eine andere sein. Der erste Entwurf des Büros Koeber Landschaftsarchitekten hatte einen Blauglockenbaum als Blickfang auf dem neu zu gestaltenden Rathausplatz vorgesehen. Die knalligen blauen Blüten seien ein echter Hingucker, das Gewächs komme im städtischen Bereich gut zurecht.

Dieser Baum stammt ursprünglich ebenso aus China, wurde aber im Planungsausschuss damals abgelehnt. Stattdessen baten die Gemeinderäte um Alternativvorschläge, besonders um einheimische Arten und mit Blick auf die angrenzende Lindenstraße, in der bereits gleichnamige Bäumchen gepflanzt sind. Heimische Arten kämen aber im innerstädtischen Gebiet schlecht zurecht, hatten die Landschaftsplaner seinerzeit angemerkt. Der Taschentuchbaum war schließlich eine Idee der Verwaltung gewesen.

Ja zum ebenerdigen Wasserspiel und zur Bushaltebucht

Ein großer alleinstehender Baum soll zentrales Element auf dem neuen Rathaus-Vorplatz am Belforter Platz sein. Da der Verwaltungsneubau auf dem Flecken vor dem bisherigen Rathaus entsteht, bleibt zwar weniger Platz. Aber immerhin noch genug, um einen Springbrunnen, eine Treppe, Sitzstufen und eine Bushaltestelle unterzubringen.

Die Abstimmung über den Baum war am Donnerstag nicht die einzige. In der vorangegangenen Sitzung hatten die Stadträte Alternativvorschläge zu weiteren Aspekten erbeten und nun daraus ausgewählt. So entschied sich der Planungsausschuss für ein ebenerdiges Wasserspiel anstelle eines „Wassertischs“ als Brunnen. Die Haltestelle am Nebeneingang soll weiterhin über eine Bushaltebucht verfügen, der Bus nicht auf der Straße halten, wie von FDP-Rat Dieter Maurmaier vorgeschlagen.

Auch die Idee, einen Gehweg direkt an der Eltinger Straße entlangzuführen, wurde wieder verworfen. Was noch aussteht, ist die Erneuerung der Unterführung. Diese ist bislang in den Planungen noch nicht enthalten. Dies solle aber „in einem Aufwasch“ mit dem neuen Vorplatz geschehen, so der Wunsch der Ratsmehrheit. Der Großteil der Arbeiten ist für das kommende Jahr vorgesehen, wenn der Neubau steht und das alte Gebäude abgerissen ist. Dafür sind 850 000 Euro veranschlagt, 100 000 Euro davon bereits in diesem Jahr.