Leonberger Arbeitsmarkt Die Zeit der Bewerbungsmappe ist vorbei

Von Thomas K. Slotwinski 
Die Suche nach Bäderpersonal ist schwer.
Gebhardt: Als Aufsicht am Beckenrand benötigen wir besonders Rettungsschwimmer. Deshalb haben wir die Ausbildung zum Rettungsschwimmer selbst organisiert. So haben wir Fachkräfte gewonnen und jetzt einen Pool für Aushilfen, die im Bedarfsfall einspringen.
Komplex ist auch die Suche nach Personal für die Kindertagesstätten.
Höfer: Deshalb bilden wir in dem Bereich verstärkt aus. Je nach Größe haben wir in jeder Kita drei bis vier Auszubildende. Die sogenannte „Praxisorientierte Erzieherausbildung“ ist auch für Menschen, die spät in den Beruf einsteigen, attraktiv. Es ist eine Mischung aus Schule und praktischer Arbeit in der Kita mit einem Azubi-Gehalt von 800 bis 900 Euro. Früher mussten die Leute ihre Ausbildung selbst finanzieren.
Sind noch die aufwendig gestalteten Bewerbungsmappen üblich?
Gebhardt: Nein, diese Zeiten sind weitgehend vorbei. Die Kommunikation läuft vor allem über das Bewerbungsportal. Wenn sich jemand auf eine Stelle bewirbt, die mit digitaler Kommunikation zu tun hat, wäre eine Papierbewerbung sogar von Nachteil.
Wie lange dauert eine Stellenneubesetzung?
Gebhardt: Das ist unterschiedlich. Bei Verwaltungsfachangestellten ist es in der Regel kein Problem, gute Leute zu finden. Bei Stellen mit besonderer Qualifikation kann es jedoch sein, dass mehrfach ausgeschrieben werden muss. Dann dauert die Besetzung länger. Unser Ziel ist es, sehr schnell zu agieren, um uns gute Bewerber zu sichern.
Höfer: Wir stehen im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft und anderen Kommunen. Außerdem gehen die Babyboomer so langsam in Pension. Deshalb brauchen wir verstärkt Nachwuchs.
Wie hübschen Sie die „Braut“ Stadtverwaltung Leonberg denn auf?
Höfer: Zur „hübschen Braut“ gehört das neue Rathaus als attraktive Arbeitsstätte mit einer Cafeteria, wo es ein gesundes, günstiges wie schmackhaftes Mittagessen gibt. Wir bieten mit maximal 80 Euro im Monat einen großzügigen Zuschuss für den öffentlichen Nahverkehr. Wir bieten die Möglichkeit eines Dienstrades an. Wir helfen bei der Wohnungssuche. Und wir haben natürlich die klassischen Vorzüge des öffentlichen Dienstes: ein hohes Maß an Arbeitsplatzsicherheit und eine entsprechende Altersvorsorge.
Gebhardt: Und wir haben natürlich flexible Arbeitszeitmodelle, um die Familienfreundlichkeit zu erhöhen. Wichtig ist uns auch die Fort- und Weiterbildung, die wir fördern. Qualität ist das Werkzeug unserer Mitarbeiter, und deshalb profitieren beide Seiten davon: der Arbeitgeber und die Mitarbeiter, die motiviert von den Lehrgängen zurückkommen. Das lohnt sich.
Hat sich der Arbeitsmarkt verändert?
Höfer: Total! Wie gesagt: Seit rund vier Jahren müssen wir bestimmte Positionen zwei oder dreimal ausschreiben. Früher haben wir in der Regel auf ein Inserat 50 Bewerbungen bekommen. Heute ist das die Ausnahme. Für befristete Stellen bekommt man heute kaum jemanden.
Woran liegt das?
Gebhardt: Angesichts der boomenden Region ist das Angebot an Arbeitsplätzen groß. In wirtschaftlich instabileren Zeiten gehen die Menschen eher zur Stadt.
Vielleicht schreckt ja auch einige Bewerber ab, dass man im öffentlichen Dienst sozusagen unter öffentlicher Aufsicht steht.
Höfer: Da Leonberg eine recht große Stadt ist, beschäftigt sich der Gemeinderat als Kontrollorgan eher mit grundsätzlichen Themenstellungen. Verantwortung hat heute jeder, egal in welchem Betrieb.