Leonberger Bahnhof Ein stilles Örtchen für 175 000 Euro?

Von Thomas K. Slotwinski 

Die Kosten für die neue Bahnhofstoilette sind umstritten. Die CDU hat ein günstigeres Angebot entdeckt.

  Foto: factum/Simon Granville
  Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Wie viel ist der Stadt eine Bahnhofstoilette wert? Diese Frage soll am Dienstagabend im Gemeinderat beantwortet werden. In der Politik gehen die Meinungen darüber ziemlich auseinander. Nur in einem sind sich die Stadträte einig: Der regionale Knotenpunkt Leonberg bedarf dringend eines WC.

Warum gibt es kein WC am Bahnof?

Seit Jahrzehnten betreibt die Bahn in ihren kleineren Bahnhöfen keine Toiletten mehr, sondern sucht sich in der Regel externe Partner. So lange gibt es das Thema auch in Leonberg. Als Standorte waren der jet­zige Radstellplatz an Gleis 1, ein WC im ­Gebäude selbst und ein Häuschen auf dem Busbahnhof im Gespräch. Sogar über eine Toilette im neuen Parkhaus wurde nach­gedacht. Doch das erschien für Zugreisende zu abseits gelegen. Die von der Stadt ­finanziell geförderte Nutzung der Toiletten in der Bahnhofsgaststätte ist vom Tisch, seitdem dort geraucht werden darf.

Wie sieht die aktuelle Variante aus?

Die jetzt präsentierte Lösung wirkt von der   Lage her überzeugend. Der Container ­käme auf den Hausbahnsteig, direkt zwischen Gleis 1 und dem Bussteig 1, wäre also für Fahrgäste leicht zu erreichen. Innendrin gibt es eine Toilette und ein Urinal. Die Fläche gehört der Bahn. Das Transportunternehmen würde den Bereich der Stadt kostenfrei überlassen sowie die Kosten für Wasser und Strom übernehmen.

Was kostet das Ganze?

175 000 Euro müssten die Stadtwerke als Betreiberin für die Aufstellung einschließlich neuer Leitungen, Tiefbauarbeiten und Fassadengestaltung übernehmen. Der Regionalverband würde sich mit 50 000 Euro beteiligen. Beauftragt werden soll die Firma Hering Sanikonzept aus Burbach im Sauerland, die auf öffentliche Toiletten­anlagen spezialisiert und oft für die Bahn im Einsatz ist. Hinzu kämen 17 280 Euro für die tägliche Reinigung und eine jährlich zweimal gesetzlich vorgeschriebene Wartung mit Elektroüberprüfung.

Geht es auch günstiger?

Ja, sagt Elke Staubach. Die Chefin der CDU-Fraktion hat sich selbst umgehört: Die Hamburger Firma Toilitech biete eine ähnlich dimensionierte Anlage für 57 500 Euro an, in der sogar zwei Urinale wären. Außerdem wären die Toiletten mit Selbstreinigung ausgestattet. Die Kosten für eine tägliche Reinigung würden wegfallen. Bevor die Stadt das deutlich teurere Angebot annimmt, so Staubach, sollten günstigere Alternativen überprüft werden.

Ist der Preis entscheidend?

Buchstäblich nicht um jeden Preis. Das meinen SPD und Grüne. „Wenn es günstiger geht, sind wir sofort dabei“, meint der sozialdemokratische Fraktionschef Ottmar Pfitzenmaier. „Es muss jetzt schnell los gehen. Die jahrelangen Verzögerungen werden ohnehin der Stadt angelastet und nicht der Bahn.“ Auch Klaus Wankmüller von den Grünen warnt: „Wir dürfen nicht noch weiter verschieben.“

Warum gibt es nur ein Angebot?

Dass bisher nur die Firma Hering Sanikonzept im Rennen ist, erstaunt Axel Röckle nicht: „Uns wurde immer gesagt, dass wir eine Firma nehmen müssen, die von der Bahn vorgegeben ist“, sagt der Fraktionschef der Freien Wähler.

Ein Sprecher der Bahn bestätigt auf ­Anfrage, dass die DB häufig mit Hering ­Sanikonzept zusammenarbeitet: „Wir sind mit den Leistungen sehr zufrieden“. Gerade wenn ein Projekt schnell umgesetzt werden soll, sei die Firma Hering empfehlenswert. „Aber das ist ein Vorschlag von uns, keine Bedingung“, sagt der DB-Sprecher.

Ist selbstreinigend besser?

Ja, sagt erneut Elke Staubach. Das daure nur eine Minute, habe ihr das Hamburger Unternehmen versichert. Bei den Stadtwerken hingegen geht man von vier Minuten Dauer aus. Jetzt werden die Experten im Rathaus sich das Angebot aus dem ­hohen Norden etwas genauer ansehen.