Riccardo Del Bono benötigt dringend eine Stammzellspende. Der 37-jährige, vierfache Vater aus dem Kreis Böblingen hat Blutkrebs. Die Familie und die DKMS suchen nach seinem genetischen Zwilling, der dann sein nur Blut spenden müsste. Bislang ist aber noch kein genetischer Zwilling registriert.

Kreis Böblingen - Janet Mulappancharil von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei erklärt, worauf es im Fall von Riccardo Del Bono jetzt ankommt.

Bisher hat Riccardo Del Bono weltweit keinen passenden Spender gefunden. Kommt das häufig vor?

Noch immer ist es so, dass jeder zehnte Patient in Deutschland keinen passenden Spender findet. Das sind die uns bekannten Statistiken. Deshalb wird ganz gezielt die weltweite Suche nach Stammzellspendern gestartet und es ist wichtig, dass sich viele Leute registrieren.

Das heißt im Umkehrschluss, neun von zehn Patienten finden einen passenden Spender. In welcher Bevölkerungsgruppe ist die Chance für Riccardo Del Bono am größten?

Wenn es zur Transplantation kommen soll, ist es entscheidend, dass die Gewebemerkmale von Patient und Spender zueinander passen. Sie sollten zu nahezu 100 Prozent identisch sein. Die Gewebemerkmale werden vererbt und sind tatsächlich von der Abstammung abhängig, in unterschiedlichen ethnischen Gruppen also sehr verschieden. Statistisch gesehen ist es wahrscheinlicher, dass man Spender bei Menschen mit der selben Herkunft findet. In Fall von Riccardo kann man daher vermuten, dass jemand mit italienischen Wurzeln am ehesten passt. Je mehr Menschen mit unterschiedlichen Herkünften sich registrieren lassen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle Blutkrebspatienten weltweit eine passende Spende finden können.

Hier könnt ihr euch bei der DKMS für Riccardo Del Bono registrieren lassen

Mit der gleichen Blutgruppe ist es bei Blutkrebs demnach nicht getan. Nach was genau wird also gesucht?

Die Blutgruppe gehört erst im zweiten, dritten Schritt zu den weiteren Auswahlkriterien. Die angesprochenen Gewebemerkmale sind Strukturen auf der Oberfläche der Körperzellen. An ihnen erkennt das Immunsystem, ob es eigene oder fremde Zellen sind. Wenn es fremde sind, wird der Körper sie voraussichtlich abstoßen. Deshalb ist die möglichst einhundertprozentige Übereinstimmung der Gewebemerkmal zwischen Spender und Patient so wichtig. Es gibt tausende von Kombinationen dieser Gewebemerkmale. Das alte Sprichwort von der Nadel im Heuhaufen passt hier sehr gut.

Wenn ein Spender gefunden ist, was wird diesem dann entnommen?

Bei Riccardo müssen seine Ärzte Auskunft geben, welches Entnahmeverfahren beim gesuchten Spender benötigt wird. Allgemein gibt es zwei Entnahmeverfahren, die in den Entnahmekliniken, mit denen wir zusammenarbeiten, eingesetzt werden. Die periphere Stammzellentnahme aus der Armvene, ein ambulantes Verfahren, wird dabei zu 90 Prozent eingesetzt. Mit einem hormonähnlichen Wachstumsfaktor wird dabei zunächst fünf Tage zuvor die Stammzellenausschüttung angeregt. Dann werden diese Stammzellen in der Entnahmeklinik gefiltert. Das dauert drei bis fünf Stunden, der Spender steht dabei stets unter ärztlicher Beobachtung. Die zweite Möglichkeit ist ein operativer Eingriff am Knochenmark, bei dem unter Vollnarkose die Stammzellen direkt aus dem Beckenkamm entnommen werden. Es wird ein Blut-Knochenmark-Gemisch entnommen, der kurze Eingriff dauert maximal eine Stunde. Die meisten Spender werden am Folgetag schon entlassen, innerhalb weniger Tage können sie im Alltag schon wieder alles machen. In beiden Verfahren wird den Spendern nichts weggenommen, denn Stammzellen entwickeln sich bei gesunden Menschen nach etwa zwei Wochen nach.

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