Rund 3000 Bücher und 60 Sitzsäcke verführen auf dem Stuttgarter Kronprinzplatz bis Sonntag zum Schmökern. Alles, was Bücherwürmer und Leseratten jeden Alters mitbringen müssen, ist ein bisschen Zeit.

Stuttgart - Die temporäre Freiluftbibliothek hat kaum geöffnet, da ragt bereits das erste Paar Füße über den Rand einer roten Hängematte. Es gehört zu einem jungen Mann, der sich auf dem Kronprinzplatz ein Nickerchen gönnte. Erlaubt. Genauso erlaubt – ja sogar erwünscht – ist es, eines der rund 3000 Bücher aus dem Regal zu ziehen und den Tag mit Lesen zu vertrödeln. Bis Sonntag macht die mobile Lese-Ecke in Stuttgart Station.

Vieles, was an Literatur gerade angesagt ist, findet sich in den „StadtLesen“-Regalen – ob John Grishams „Anklage“, Thomas Kielingers Churchill-Biografie, die Jugendbuchreihe „Die Bestimmung“ oder das Sachbuch „Die Olive & wir“. Die unteren Etagen gehören den kleinen Leseratten. Hier gibt es etwa „Was ist was“-Bücher, „Magic Girls“, „Star Wars“ und Mangas.

Das Projekt lebt von Partner und Sponsoren

Rund 70 Verlage stellten ihnen ihr aktuelles Angebot zu Verfügung, erklärt Theresa Angerer, die Leiterin von StadtLesen. Besucher dürfen kostenlos zugreifen. Nur wer sich in einem Buch festlese und es mit nach Hause nehmen wolle, solle eine angemessene Spende leisten. Diese würde dann in Leseförderprojekte der Unesco fließen. Möglich sei es aber ausdrücklich, sagt Angerer. „Schließlich schafft es kaum jemand, hier 300 Seiten zu lesen.“ Das Projekt lebt von Partnern und Sponsoren. Neben den Büchern werden etwa auch die Sitzsäcke und Hängematten zur Verfügung gestellt, die von den Leseratten ganz nebenbei auf ihre Bequemlichkeit getestet werden.

Träger ist die Kommunikationsagentur Innovationswerkstatt aus Salzburg. Das Projekt ist aus den Bibliotels entstanden, einem Zusammenschluss von Hotels, die sich auf Lesefreunde spezialisiert haben. Ziel ist es, Menschen mit Büchern zu locken. „Wir wollen Sie verführen. Verführen zum Lesen“, sagt Ideengeber Sebastian Mettler in der Broschüre. Angerer ergänzt: „Wichtig ist, dass die Leute einfach mal den Alltag loslassen. Sie stürzen oft durch die Stadt. Wir versuchen, Zeit zu schenken.“

Am Sonntag ist Familienlesetag

Am Freitag ist Integrationslesetag – bewusst vielsprachig – und am Sonntag Familienlesetag. „Dann sitzen zum Teil ganze Familien auf einem Sitzsack. Da geht einem immer das Herz auf.“ Sonst heißt das Programm „Lesen, Lesen, Lesen“. In Stuttgart macht StadtLesen jetzt zum dritten Mal Station. Insgesamt sind 25 Städte auf der Tour-Route. Montag ziehen die Veranstalter weiter nach Bregenz.

Geöffnet ist die Leseecke täglich bis zum Sonntag jeweils von 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit.

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