Der Leonberger FDP-Fraktionschef Dieter Maurmaier über den Stellenwert des Ehrenamtes, die Möglichkeiten einer modernen Verkehrssteuerung, die Vorteile des geplanten Postareals, die Perspektiven der Altstadt und die Schwierigkeiten bei der Suche nach Bauland.

Leonberg - Die Hauptfeuerwache in der Leonberger Römerstraße: Für Dieter Maurmaier nicht nur der zentrale Ort, von dem aus die meisten Rettungseinsätze gefahren werden, sondern auch ein Symbol für das Ehrenamt. Für den FDP-Fraktionsvorsitzenden ein idealer Platz für das LKZ-Sommergespräch.

Herr Professor Maurmaier, die Feuerwache ist eher eine ungewöhnliche Stätte für politischen Diskurs.

Aber ein Ort, an dem das Ehrenamt ganz stark sichtbar wird. Die Feuerwehr steht für das freiwillige Engagement im Sinne der Gemeinschaft, genau wie das Technische Hilfswerk, das Rote Kreuz und die zahlreichen Vereine in unserer Stadt.

Ein Plädoyer für mehr Unterstützung der ehrenamtlichen Institutionen?

Auf jeden Fall dürfen wir den Vereinen und Verbänden das Leben durch immer neue Vorschriften und Auflagen nicht noch schwerer machen, so wie das in der Vergangenheit bisweilen der Fall war.

Und finanziell?

Die Stadt fördert die Vereine gut, darin darf sie aber nicht nachlassen. Denn was in das Bürgerengagement investiert wird, kommt mehrfach zurück.

Direkt neben der Feuerwehr hat das Rote Kreuz seinen Sitz.

Das verstärkt die Symbolik fürs Ehrenamt noch mehr. Aber es gibt einen zweiten Grund, der die DRK-Zentrale interessant macht. Hier wird der neue städtische Verkehrsrechner installiert.

Ein Verkehrssteuerungssystem ausgerechnet bei einer Hilfsorganisation?

Das ist kein inhaltlicher Bezug, sondern hat mit den hier vorhandenen großen Datenleitungen zu tun.

Wie muss man sich einen Verkehrsrechner vorstellen und was macht der?

Der ähnelt einem Kleiderschrank. Damit kann, wie der Name schon sagt, der Verkehr entsprechend dem Aufkommen gesteuert werden. Die Ampeln werden koordiniert. Sind weniger Autos unterwegs, können die Grünphasen länger dauern. Das Vorrecht der Busse wird auch hier gesteuert.

Wann geht’s los?

Der eigentliche Rechner dürfte bis Ende Oktober aufgestellt sein. Um aber wirklich eine bessere Steuerung zu haben, brauchen wir neue Software-Programme. Die sind bisher noch gar nicht bestellt. Bis alles läuft, wird ein Jahr vergehen.

Was wird der größte Vorteil sein?

Wenn die Autobahn kollabiert, werden die Ampeln so gesteuert, dass nur wenig Verkehr in die Stadt hineinkommt.

Das schlägt auch die SPD vor.

Die Sozialdemokraten wollen den Verkehr ständig per Ampelsteuerung aus der Stadt heraushalten, wir nur bei Bedarf.

Ist denn nicht immer Bedarf?

Wenn die Autobahn funktioniert, ist es im Zentrum deutlich ruhiger. Da ist es sinnvoller, den Verkehr durch mehr Busse und ein besseres Radnetz zu verflüssigen.

Leistungsfähigkeit der Autobahn steigern

Was halten Sie vom Vorschlag der Freien Wähler, rund um die Kernstadt und Höfingen eine Umgehung zu bauen?

Die wäre nur nötig, wenn die A 8 oder A 81 dicht sind. Aber die Autobahn nimmt rund 120 000 Wagen auf, eine Umgehung maximal 20 000. Das löst das Problem nicht. Deshalb muss das Ziel sein, die Leistungsfähigkeit der Autobahn zu steigern.

Wie soll das gehen?

Tempo 80 einführen und den Standstreifen als Fahrbahn nutzen. Das erhöht die Sicherheit und vermindert den Lärm. Allerdings wird solch ein Vorhaben erst nach der Sanierung des Engelbergtunnels umsetzbar sein.

Die Stadt hat bei der Ausgestaltung der Autobahnen ohnehin nichts zu sagen.

Aber sie kann bei den zuständigen Bundesbehörden Druck machen. Immerhin war der Oberbürgermeister schon bei Verkehrsminister Scheuer und hat ihn nach Leonberg eingeladen.

Bei der Eltinger Straße ist die Stadt handlungsfähig. Was halten Sie von der Idee, die vier Spuren auf zwei zu reduzieren?

Es gibt im Zentrum zwei Schwachpunkte: die Sonnenkreuzung und die Grabenstraße. Ansonsten halte ich es durchaus denkbar, die Autospuren zugunsten von Bussen oder Radfahrern zu minimieren. Wir brauchen nicht durchgängig vier Spuren.

Die CDU will das erst ausprobieren.

Provisorien funktionieren in der Regel nicht. Man muss im Vorfeld ein Projekt genau planen und es dann richtig umsetzen.

Der vorliegende Plan für das Postareal ist gut

Offenbar nicht richtig geplant wurde auch beim Postareal. Die Andienung für die vorgesehenen Supermärkte steht in der Kritik. Und auch wegen der Bäume vor der alten Hauptpost gibt es Ärger.

Die jetzige Planung ist die beste aus zehn Vorschlägen. In dem Preisgericht, das zu    diesem Urteil gekommen ist, haben Fachleute aus der Verwaltung und dem Gemeinderat gesessen. Ich halte den vorliegenden Plan für eine gute Lösung, der die innerstädtische Qualität erhöhen wird. Und für die Zufahrten werden sich andere Möglichkeiten finden lassen.

Und die Bäume vor der Post?

Im Vorfeld hat niemand an die Bäume gedacht. Es ist machbar, einige zu halten, aber nicht alle. Das ist mit dem Konzept nicht kompatibel. Dafür sollte es Grün an    anderer Stelle geben. Über all diese Details kann man sicher noch reden. Aber ich sehe keinerlei Grund, eine ganz neue Planungsrunde zu drehen.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist der Brückenschlag in Richtung Marktplatz.

Der ist in der Tat extrem wichtig, um den Marktplatz richtig ans Zentrum anzuschließen. Wenn wir einen komfortablen Übergang haben, der nur für Fußgänger und Radler zugängig ist, so ist das eine echte Chance für unsere Altstadt.

Sie hatten im vergangenen Interview für einen autofreien Marktplatz plädiert.

Dabei bleibe ich. Natürlich muss morgens der Lieferverkehr rein, aber ansonsten muss der autofreie Marktplatz das Ziel sein. Voraussetzung ist ein funktionierendes Parkhaus. Die eigentlichen Parkplätze sind großzügig, doch vor allem die Ein- und Ausgänge müssen besser werden. Aber da ist ja die Stadt dran.

Braucht es mehr Feste und Gastronomie?

Eine gute Gastronomie ist wichtig für das Profil der Altstadt, genau wie etliche kleinere Fachgeschäfte. Im Sommer sind natürlich auch Feste und andere Events wichtig.

Der Ärger mit den Anwohnern ist absehbar.

Ich halte es für schwierig, dass draußen um 22 Uhr alle Gläser abgeräumt werden. Andererseits muss man die Bedürfnisse der Anwohner schon sehen Vielleicht kann man ihnen ja auf anderen Ebenen entgegenkommen, zum Beispiel mit günstigen Stellplätzen im Parkhaus.

Beim Thema Samstagsmarkt auf dem Marktplatz sind die anderen Fraktionen skeptisch.

Ich halte das für wünschenswert. Die Stadt muss auf die Marktbeschicker zugehen und sie mitnehmen, dann kann es funktionieren.

Bei der Stadt tut sich ja einiges: Das Stadtmarketing gehört künftig nicht mehr zum Kulturamt, im Oktober beginnt die neue Citymanagerin und für die Stadthalle wird ein neuer Manager gesucht.

Eine Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsförderung, Citymanagement und Stadtmarketing ist der richtige Weg hin zu einer attraktiven Stadt. Auch ein Hallenmanager ist eine Chance, da ist lange nichts passiert. Wenn wir nichts verändern, wird nichts besser werden.

Die Zusammenarbeit mit dem OB funktioniert

Maßgeblich angestoßen hat diese Neuerungen der Oberbürgermeister. Wie beurteilen Sie die Arbeit von Martin Georg Cohn?

Er hat viele Ideen, müsste manchmal aber etwas genauer erklären, was er damit erreichen will. Insgesamt funktioniert die Zusammenarbeit aber gut.

Viele Ihrer Kollegen wünschen sich, dass der OB nach Leonberg zieht?

Es ist vorteilhaft, wenn ein OB vor Ort lebt. Man kriegt die Dinge hautnah mit und hat engeren Kontakt zu den Bürgern.

Selbst Martin Cohn hat offenbar Probleme, eine Wohnung zu finden...

Deshalb haben wir uns immer dafür eingesetzt, freie innerstädtische Bereiche für Wohnbauten zu nutzen. Die Verdichtung ist der Preis dafür, dass unsere Flächen knapp sind. Aber wir tun uns zu Recht schwer, in die freie Landschaft zu bauen.

So wie am Hinteren Schützenrain am Stadtausgang Richtung Ditzingen?

Angesichts des Umfelds mit Wiesen und Bäumen ist es dort tatsächlich schwer. Man muss sehen, was dort machbar ist. Ein Quartier an der Berliner Straße ist auf jeden Fall die bessere Lösung. Auch in Höfingen gibt es noch Möglichkeiten.

Gibt es die Chance für ein außergewöhnliches Wohnprojekt, zum Beispiel im Zuge der Stuttgarter Internationalen Bauausstellung, die die ganze Region betrifft?

Das ist schwierig. Eventuell auf der alten Autobahntrasse, da könnte man ein experimentelles Quartier mit besonderem Charakter entwickeln.

Die FDP hat bei der Kommunalwahl einen Sitz mehr bekommen und hat jetzt mit drei Stadträten wieder Fraktionsstärke.

Wir waren in der vergangenen Legislaturperiode nur in zwei der drei Leonberger Fachausschüssen vertreten. Jetzt sind wir wieder überall dabei. Das war unser Ziel.

Die FDP ist bundweit stabil. Haben die Leonberger Liberalen davon profitiert?

Das hat bestimmt damit zu tun. Aber das Ergebnis von 9,7 Prozent ist auch als Anerkennung für unsere Arbeit zu sehen, die so schlecht wohl nicht war.

Die Grünen sind nun stärkste Fraktion. Wird es im Gemeinderat schwieriger?

Wir hatten bisher eine gute Zusammenarbeit, und daran wird sich bestimmt nichts ändern. Und keine Sorge: Wir äußern uns, wenn uns etwas nicht gefällt.