Löws Co-Trainer im Interview Jogi Löw im Vergleich zur VfB-Zeit

Sport: Marko Schumacher (schu)
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Sie haben beim VfB unter Joachim Löw gespielt. Wie haben Sie ihn damals erlebt?
Schneider: Es war seine erste Station als Cheftrainer. Er war seiner Zeit voraus, auch weil er schon damals ein kommunikativer Trainer mit unglaublichen Fähigkeiten in der Menschenführung war. Er hat gesehen, dass da eine Mannschaft mit einer gefestigten Struktur ist, mit echten Führungsspielern wie Soldo, Balakov, Berthold und Verlaat. Das waren Persönlichkeiten, die er mit ins Boot genommen hat. Das war klug.
Nach dem Geschmack des Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder war Löw aber zu brav.
Schneider: Über die Jahre hat er sich immer weiter entwickelt. Heute gehört er zu dieser Handvoll von Trainern auf absolutem Weltspitzenniveau. Seine Führungskompetenz ist überragend. Dass sich alle wohlfühlen, ist in erster Linie sein Verdienst. Jogi behandelt jeden einzelnen respektvoll, er hat eine gute Arbeitskultur entwickelt.
Sorg: Für mich ist es unheimlich interessant, wie Jogi das ganze Konstrukt führt. Mich beeindruckt nicht nur, wie er den Fußball sieht, sondern auch sein Gespür für die Spieler und die Mannschaft. Er macht aus einer unglaublichen Erfahrung heraus intuitiv das Richtige.
Nach dem Achtelfinale hat der Bundestrainer die Stimmungsschwankungen in der Öffentlichkeit thematisiert. Wie nehmen Sie das wahr?
Sorg: Es verwundert mich nach wie vor mitunter, welches Ausmaß gewisse Dinge annehmen.
Wie nach dem 0:0 gegen Polen?
Sorg: Zum Beispiel. Wie die Stimmung kippen kann, diese Extreme in der öffentlichen Beurteilung – es ist nicht einfach, damit gesund umzugehen. Zuerst wird gesagt: Was haben die eigentlich drei Wochen lang gemacht? Und kurze Zeit später heißt es: überragend. Man muss schon sehr geerdet sein, um sich von solchen Dingen nicht aus dem Takt bringen zu lassen.
Schneider: Vielleicht stumpft man auch irgendwann ab, weil man gelernt hat, die Dinge richtig einzuordnen. Wir nehmen schon wahr, was um uns herum gesagt und geschrieben wird. Das spielt für uns eine eher nachgeordnete Rolle. Entscheidend ist, wie wir die Dinge intern analysieren und einschätzen.
Gehört diese mediale Wucht zu den Dingen, die Sie bei Ihrem ersten Turnier am meisten überrascht haben?
Sorg: Auch in der Bundesliga sind die Aufgeregtheiten groß. Aber die Nationalmannschaft ist eine ganz andere Liga. Wobei ich das gar nicht negativ verstanden wissen möchte, im Gegenteil: Es ist faszinierend, welche Aufmerksamkeit diese Mannschaft genießt. Jedes Mal, wenn wir im Bus sitzen, sagen wir uns: Es ist einmalig, wie uns von allen Seiten zugejubelt wird, egal wo wir hinfahren. Das ist Wahnsinn, da kriege ich jedes Mal Gänsehaut.
Schneider: Das ist eine gewaltige Motivation. Wenn du die Kinder siehst und die Fans, die an der Straße stehen, wenn du mitbekommst, dass zu Hause alle vor dem Fernseher sitzen und beim Grillen mitfiebern – dann gibt einem das eine unglaubliche Kraft. Das ist insgesamt eine grandiose Erfahrung.
Sorg: Das kann ich bestätigen. Wenn du mit einem Verein im Trainingslager bist, dann sagst du spätestens am siebten Tag: Langsam wird es Zeit, dass wir bald wieder nach Hause kommen. Wie lange sind wir jetzt hier schon zusammen?
Schneider: Fast sechs Wochen.
Sorg: Und nicht die geringsten Abnutzungserscheinungen. Wahnsinn. Im Gegenteil. Ich spüre so viel Energie wie am ersten Tag.

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