Lokaltermin Der Gast als Gasthausretter

Von Harald Beck 

Im renovierten Wirtshausbau Lamm in Aspach bei Backnang kann sich die Familie Wendt kulinarisch ganz neu entfalten.

Im Lamm ist nicht nur die Wirtsstube  liebevoll restauriert worden Foto: Stollberg
Im Lamm ist nicht nur die Wirtsstube liebevoll restauriert worden Foto: Stollberg

Stuttgart - Um ein Haar wäre es vorbei gewesen mit den kulinarischen Genüssen im Traditionsrestaurant Lamm in Aspach bei Backnang. Nach jahrelangen vergeblichen Anstrengungen, bauliche Verbesserungen am 300 Jahre alten Wirtshausgebäude im Großaspacher Ortszentrum zu erreichen, hatte die Wirtsfamilie um Küchenmeister Horst Wendt schon aufgegeben und den Pachtvertrag für das Lokal gekündigt, das die Wendts im Jahr 1993 übernommen hatten.

Im letzten Moment hat dann aber vor gut einem Jahr der Unternehmer und Lamm-Stammgast Harro Höfliger mit einem Freund zusammen das Lamm gekauft. Seitdem ist dort viel passiert, und nach längerer Sanierungspause bewirtet die Familie Wendt die Gäste auch wieder mindestens in der gewohnten Manier.

Am Bau ist nicht nur das Gebäude samt Haustechnik auf den neuesten Stand gebracht. Auch das Interieur – etwa die edlen Kassettendecken – wurde liebevoll renoviert. Die Küche ist auf zeitgemäßes Niveau gebracht, eine Sommerterrasse wurde angebaut, und das Weinlager bietet im Keller optimale Bedingungen für 800 Flaschen edler Tropfen. Nur Höfligers Spezialschmankerl, die Raucherlounge im Untergeschoss, die ist bei unserem Besuch noch nicht offen. Aber klar ist: das neue Lamm erstrahlt im besten Sinn im alten Glanz.

Geliftetes Umfeld

Oben im Restaurant zeigt das, was auf den Tisch kommt, dass den kreativen Kräften das Werkeln im gelifteten Umfeld Spaß macht. Wir starten mit einem schmackhaften und nicht zu süßen, sektaufgefüllten Holundersirup (6,50 Euro) und einem angenehm trocken-fruchtigen Rosésekt des Hauses (5,80 Euro). Die aufgeschlagene Kressesuppe mit Shrimps (6,90 Euro) ist angenehm würzig, hält dabei aber auf schmackhafte Weise ihren Charakter. Die Pilz-Triangoli in Schnittlauchsahne mit Grana Padano könnten zwar eine winzige Nuance bissfester sein, schmecken aber tadellos. Als Hauptgang wählt die Begleiterin die gebratene Perlhuhnbrust auf Sahnelauchgemüse und Kartoffelkrusteln (18,90 Euro) und meint, daran sei, gerade auch zusammen mit dem Bischoffinger Weißherbst (0,2 l, 4,80 Euro) absolut nichts auszusetzen. Die Kalbsfiletmedaillons auf Pilz-Kräuter-Ragout, Spätzle und Schwarz­wurzeln sind innen recht rosig und zart – das Ganze ist eine gelungene Kombination. Die Weinempfehlung, ein Stettener Haidle-Riesling (0,2l, 5,50 Euro) erweist sich als absolut passend. Das gemeinsam bestellte Dessert wird dann zum Gipfel des runderneuerten Lammgenusses: Auf der Überraschungs-Etagère (9,80 Euro) findet sich im dreistöckigen Nachtischtürmle ziemlich alles, was die französisch angehauchte Dessertwelt so an Schoko-, Sorbet-, Creme-, Frucht- und Küchlesgenuss zu bieten hat. Chapeau – der finanzielle Einsatz des Herrn Höfliger hat sich auch kulinarisch gelohnt.

Gasthaus Lamm, 71546 Aspach-Großaspach, 0 71 91/2 02 71, www.lamm-aspach.de, geöffnet Dienstag bis Samstag 11 bis 14 Uhr und 18 bis 24 Uhr, Sonntag 11 bis 14 Uhr, Die Bewertung Küche ***** Service *** Ambiente **** ***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-/Leistungsverhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

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