Ohrensessel, Bücherregal, rot-weiß karierte Vorhänge und viel Holz: das Lokal Pincho ist ein beliebter Treffpunkt im Stadtbezirk. Vor allem am Wochenende empfiehlt es sich, einen Tisch zu reservieren. Freie Tische sind dann die Ausnahme.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Thea Bracht (tab)

Stuttgart - Sie ist die Kreative in der Küche, er der Mann hinter der Theke: Silke Stahn und Thomas Langholz sind ein eingespieltes Team. Jahrelang hat das Paar die Tagesbar Feinekost mit Mittagstisch und Cateringservice in Degerloch betrieben. Und die beiden haben gemerkt: es fehlt etwas im Viertel, ein Lokal, in dem man nett essen, aber auch einfach nur an der Bar sitzen und einen guten Wein genießen kann. Als nebenan die Räume frei wurden, haben sie Wände eingerissen und ihren Traum vom Quartierstreff an der Epplestraße verwirklicht. Das Konzept ist offensichtlich aufgegangen: selbst an normalen Wochentagen empfiehlt sich eine Reservierung.

Wer den rot-weiß karierten Vorhang zur Seite schiebt, betritt eine gemütliche Gaststube, die rustikal wirkt, jedoch auf verspielte und gar nicht wuchtige Art. Tische und Stühle sind aus Holz, die Wände mit Zeitungen tapeziert. Im zweiten Raum ist eine Leseecke mit Regal, Ohrensesseln und Tischchen eingerichtet. Das Schöne an diesem Fensterplatz: auch Alleinesser finden einen Ort zum Wohlfühlen und können, während sie auf die bestellten Gerichte warten, in Büchern schmökern, statt unbehaglich aufs Smartphone einzuhacken.

Pincho haben die beiden Gastroprofis ihr Lokal genannt. Genau genommen heißt Pincho übersetzt Spießchen, im übertragenen Sinn steht es für kleine Mahlzeit. Solche Kleinigkeiten sind vor allem bei Frauen beliebt. Damit die Männer nicht nörgeln, sie würden davon nie und nimmer satt, bieten Langholz und Stahn auch größere Gerichte wie Pasta, Flammkuchen und Vorspeisenteller an. Zum Beispiel steht ein Meeres-Teller mit in Öl eingelegten Meeresfrüchten, Sardellen, Garnelen und Oliven (12,90 Euro) auf der Karte. Ein Klassiker und eine solide Wahl.

Der süße Flammkuchen ist köstlich

Auf jeden Fall sollte man den Tapas eine Chance zu geben, auch wenn die Häppchen nicht ganz günstig sind. Bei den warmen Gerichten haben wir drei Favoriten: Pulpo in Tomatensoße (5,90 Euro), Schafskäse aus dem Pergament mit Kräutern und Olive (4,90 Euro) und die Auberginen (5,90 Euro), die ebenfalls im Tontöpfchen serviert werden und fein gewürzt sind. Letztere sind übrigens laut Langholz ein Renner bei seinen Gästen. Bewährt sich ein Tagesgericht, bekommt es einen festen Platz auf der Karte, da sind die Betreiber flexibel.

Wenn wir uns etwas wünschen dürften, wäre das eine Tortilla. Denn die Omelettes, von denen mehrere zur Auswahl stehen, können mit dem Klassiker der spanischen Küche nicht ganz mithalten. Die Variante San José mit Sardelle (4,90 Euro) etwa ist nicht locker-luftig genug, die mit Chorizo (4,90 Euro) fällt im Vergleich zu den anderen Tapas ebenfalls ab. Dafür sind wir vom Nachtisch beglückt: Auch für Menschen ohne Schwäche für Schleckereien ist der süße Flammkuchen (6,90 Euro) absolut empfehlenswert. Wenn man sich die Köstlichkeit teilt, schmeckt sie übrigens doppelt so gut.

Die Bewertung

Küche ***

Service ****

Ambiente ****
 

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

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