Louisa Lippmanns Premiere beim Beachvolleyball Lehrstunde im Sandkasten

Von Jochen Klingovsky 

Deutschlands beste Hallenvolleyballerin hat sich erstmals bei der nationalen Beach-Tour präsentiert – und viel mitgenommen. Warum der Fokus von Louisa Lippmann trotzdem auf der Halle liegt.

Louisa Lippmann (links) hat erstmals im Sand aufgeschlagen. Foto: imago //Peter Weber
Louisa Lippmann (links) hat erstmals im Sand aufgeschlagen. Foto: imago //Peter Weber

Düsseldorf - Sie ist die beste, beständigste und bekanntestete deutsche Hallenvolleyballerin. Ein Star. Das Gesicht ihrer Sportart. Das wird Louisa Lippmann auch bleiben – obwohl sie am Wochenende einen Ausflug unternommen hat, bei dem sich ein Teil ihres Gesichts hinter einer verspiegelten Sonnenbrille verbarg. Louisa Lippmann versuchte sich im Sand, beim Beachvolleyball. Es war ein Experiment, das viele mit Spannung erwartet hatten. Nicht zuletzt sie selbst.

Auch die 25-jährige Diagonalangreiferin hat eine Saison hinter sich, die sie nie vergessen wird. Erst der Wechsel zu Shanghai Bright Ubest, dann die verpasste Olympia-Qualifikation mit dem Nationalteam, die Rückkehr zum SSC Schwerin nach Ende der Spielzeit in China, der Abbruch der Bundesliga-Hauptrunde zu Beginn der Corona-Krise, die Trost- und Tatenlosigkeit statt des erhofften Titelkampfs gegen Allianz MTV Stuttgart. Trainiert hat sie trotzdem weiter, zuletzt fand in Kienbaum der erste Nach-Corona-Lehrgang der Nationalmannschaft statt. Und nun auch wieder der erste Wettkampf. Allerdings im Sand.

Für Stuttgarter Teams ist Halbfinale Endstation

In Düsseldorf trafen sich am Wochenende die besten deutschen Frauen-Teams zum Auftakt der nationalen Tour. Gespielt wurde zwar ohne Zuschauer, aber mit gewohnt viel Ehrgeiz, Einsatz und Ernst. Am Ende siegte das Schweizer Gast-Duo Joana Heidrich/Anouk Vergé-Dépré, das sich im Finale mit 2:0 (21:12, 21:15) gegen Laura Ludwig/Margareta Kozuch durchsetzte, die im Halbfinale die Stuttgarter Teams Borger/Sude und Ittlinger/Laboureur ausgeschaltet hatten. Doch genau so im Fokus stand: Louisa Lippmann.

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Die dreimalige Hallenvolleyballerin des Jahres hatte an der Seite von Isabel Schneider, deren Partnerin Victoria Bieneck sich nach einer Verletzung noch im Aufbautraining befindet, zwar erwartungsgemäß alle drei Spiele verloren (die Unterschiede zwischen Beach- und Hallen-Volleyball sind enorm, erst recht für eine Diagonalangreiferin, die normal nicht annimmt). Und trotzdem fühlte sich Lippmann wie eine Gewinnerin. „So eine Erfahrung“, meinte sie, „bringt mich individuell richtig weiter. Als Sportlerin, aber auch als Persönlichkeit.“ Vier gemeinsame Einheiten hatte sie mit Schneider vor ihrer Premiere absolviert, die deutsche Meisterin von 2018 zeigte sich beeindruckt: „Ihre Lernbereitschaft und ihr akribisches Arbeiten sind außergewöhnlich“, sagte Schneider, „ihre Abschlaghöhe am Netz ist extrem. Sie hat viel Potenzial.“

Olympische Spiele 2024 als Ziel

Dennoch wird Louisa Lippmann nicht der nächste Hallenstar nach Margareta Kozuch (336 Länderspiele, 5x Volleyballerin des Jahres) und Angelina Grün (297/9), die sich nebenbei oder gar komplett im Sand versucht. Zumindest noch nicht. Dafür sind die Ziele, die sie unterm Dach hat, viel zu hoch: „Mein größter Traum ist, es 2024 zu den Olympischen Spielen zu schaffen.“

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Das wäre ganz im Sinne des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), schließlich waren die Frauen letztmals 2004 in Athen dabei. Trotzdem hat sich Niclas Hildebrand, der Sportdirektor Beach, auch über Lippmanns sonnigen und sandigen Auftritt in Düsseldorf gefreut. „Sie ist ein gutes Beispiel dafür, warum wir uns als DVV für die kombinierte Ausbildung, das Training und den Wettkampf in der Halle und im Sand bis zu einem bestimmten Alter, stark machen“, erklärte er, „sie nutzt als eine der besten Diagonalangreiferinnen der Welt die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und im Sand neu zu lernen. Das ist ein wichtiges Zeichen.“

Geht Lippmann wieder nach China?

Eine Rückkehr? Ist nicht ausgeschlossen. Irgendwann. Doch ab sofort zählt wieder die Halle. Lippmann hält sich in Hamburg fit, wohin ihre Reise von dort aus geht, ist noch nicht bekannt. Im neuen Bundesliga-Kader des SSC Schwerin fehlt ihr Name, alles deutet daraufhin, dass sie den nächsten gut dotierten Vertrag in China unterschreibt. Um sich dann, falls das Coronavirus die Planungen nicht über den Haufen wirft, Anfang 2021 erneut dem SSC Schwerin anzuschließen. „Das Team hat durch zahlreiche Abgänge viel an Qualität eingebüßt, wird aber dennoch gut aufgestellt sein“, sagt Kim Renkema, die Sportchefin von Allianz MTV Stuttgart, über den Konkurrenten, „allerdings gehe ich schon davon aus, dass die SSC-Taktik vorsieht, mit Louisa Lippmann in die entscheidende Phase der Saison zu gehen.“

Schließlich steht Deutschlands beste Volleyballerin jedem Verein gut zu Gesicht.

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