Ludwigsburg plant neue Stationen Carsharing soll attraktiver werden

Die Stadtmobil-Flotte in Ludwigsburg soll wachsen Foto: factum/Archiv
Die Stadtmobil-Flotte in Ludwigsburg soll wachsen Foto: factum/Archiv

Die Verhandlungen mit Car2go und BMW sind endgültig gescheitert, daher setzt Ludwigsburg jetzt ganz auf Stadtmobil. Das Carsharing-Angebot soll ausgeweitet und vor allem attraktiver werden – auf der Grundlage eines neuen Gesetzes.

Lokales: Tim Höhn (tim)
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Ludwigsburg - Obwohl die Verhandlungen mit Car2go und Anbietern wie BMW und Volkswagen endgültig gescheitert sind, will Ludwigsburg das Carsharing-Angebot im Stadtgebiet deutlich verbessern. Grundlage dafür soll ein neues Gesetz sein, das der Bundesrat im Mai auf den Weg gebracht hat und das Carsharing – also die gemeinsame Nutzung von Autos – in Deutschland attraktiver machen soll. Verabschiedet wird das Gesetz im Herbst. Noch kenne man den Text nicht im Detail, sagt Heinz Handtrack vom Referat Nachhaltige Stadtentwicklung. „Aber wir werden das genau analysieren und dann prüfen, welche Möglichkeiten sich ergeben.“ Das Ziel sei, mehr Parkplätze für Carsharing im öffentlichen Raum zu schaffen.

Denn genau das war bislang nur schwer möglich. Zwar hat der aus einem Verein hervorgegangene Anbieter Stadtmobil seine Palette in Ludwigsburg in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut: Von vier Stationen mit insgesamt fünf Fahrzeugen im Jahr 2007 auf aktuell elf Stationen mit 24 Fahrzeugen. „Aber die Stellplatzsituation ist, wie auch an anderen Standorten, in Ludwigsburg nicht ideal“, sagt Ulrich Stähle, Vorsitzender der Stadtmobil Carsharing AG. Denn Kommunen, die separate Parkplätze für Carsharing-Fahrzeuge ausweisen, bewegen sich rechtlich in einer Grauzone. Was der Grund dafür ist, dass sich Stadtmobil-Stationen oftmals an wenig geeigneten Standorten befinden – in der Regel mietet das Unternehmen dafür Flächen auf Privatgrundstücken.

Das neue Gesetz gibt Kommunen die Möglichkeit, Stellplätze für Carsharing zu reservieren

Mit dem neuen Gesetz soll es Städten und Gemeinden möglich sein, auch entlang von Straßen, mitten in der City, auf öffentlichen Parkplätzen spezielle Stellplätze für Carsharing-Anbieter zu reservieren. Studien belegen, dass ein Carsharing-Fahrzeug acht bis zehn reguläre Autos ersetzen kann – weil beispielsweise Familien auf die Anschaffung eines Zweitwagens verzichten, wenn solche Alternativangebote in ihrer Stadt ausreichend attraktiv sind.

Das Rathaus sagt, man sei momentan vor allem mit einem Anbieter im Gespräch, um die Situation in Ludwigsburg zu verbessern, nennt aber keinen Namen. Dass es sich um Stadtmobil handelt, ist indes kein Geheimnis. Ebenso wenig, dass das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart ursprünglich nicht der Wunschpartner der Verwaltung gewesen war. Lange hatte Ludwigsburg gehofft, dass die Daimler-Tochter Car2go, die mit ihren elektrisch betriebenen Smarts in Stuttgart, Böblingen, Sindelfingen, Gerlingen und Esslingen sehr erfolgreich ist, in Richtung Norden expandiert.

Stadtmobil war am Anfang nicht der Wunschkandidat der Verwaltung

Doch alle Verhandlungen verliefen im Sand, und auch Gespräche mit BMW, VW oder Citroën blieben erfolglos. Alle diese Konzerne bieten Carsharing nach dem sogenannten Free-Floating-Prinzip an, das vor allem in Großstädten auf dem Vormarsch ist. Free Floating bedeutet, dass die Autos nicht an eine Station gebunden sind, sondern auf jedem öffentlichen Parkplatz im Geschäftsgebiet abgestellt und dort auch wieder ausgeliehen werden können. „Aus wirtschaftlichen Gründen wird es das in Ludwigsburg nicht geben“, sagt Handtrack. Das System lebe davon, dass jeder Nutzer schnell ein Auto finde, wenn er eines suche. Für eine Ausweitung des Car2go-Gebiets bis nach Ludwigsburg müsste Daimler die Flotte derart massiv aufstocken, dass sich das finanziell nicht mehr lohne. Und für andere Anbieter wie BMW sei Ludwigsburg als einzelner Standort zu klein. „Die Stadt hat in dieser Angelegenheit viele Gespräche geführt, alle mit negativem Ergebnis.“

Stadtmobil setzt auf ein anderes Prinzip, die Fahrzeuge müssen an einer Station abgeholt und genau dort wieder abgegeben werden. Free Floating werde, so Handtrack, meist für kurze Wege genutzt, die schnelle Verfügbarkeit spiele dabei eine große Rolle. Stationäre Wagen würden meist mit Vorlauf gebucht, auch für längere Strecken, zudem stünden unterschiedliche Fahrzeugtypen zur Auswahl. Die Auslastung in Ludwigsburg sei gut, sagt Stähle. „Wir haben eine kontinuierliche Nachfrage, die uns einen weiteren vorsichtigen Ausbau des Angebots ermöglicht.“

In einem ersten Schritt soll die Flotte nun um drei Fahrzeuge erweitert werden. Einen nachhaltigeren Effekt erhoffen sich die Stadt und Stadtmobil jedoch davon, an zentralen Stellen in Ludwigsburg Stellplätze auszuweisen, sobald das neue Gesetz in Kraft ist. „Ich habe den Eindruck, dass Carsharing in Ludwigsburg Fuß fasst“, sagt Stähle. „Aber wir brauchen jetzt mehr Stationen. Die Autos müssen sichtbar sein.“

Gründung –
Gestartet ist Stadtmobil 1992 mit zwei Fahrzeugen in Stuttgart. Bis 1997 wurde der Verein ehrenamtlich geführt, im Jahr 2001 die Stadtmobil Carsharing AG gegründet. Inzwischen ist die Flotte auf 520 Fahrzeuge an 210 Stationen in 31 Kommunen in der Region Stuttgart angewachsen. In kleineren Kommunen kümmern sich noch immer der Verein um den Betrieb, in größeren wie Stuttgart oder Ludwigsburg ist die AG zuständig.

Stationen
– In Ludwigsburg verfügt Stadtmobil derzeit über elf Stationen: Comburgstraße, Elfriede-Breitenbach-Straße, Hartwigstraße, Katharinenstraße, Klinikum, Bahnhof Ost, Bahnhof West, Osterholzallee, Rathaus, Schorndorfer Straße, Untere Kasernenstraße.




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