Ludwigsburg Werden Wohnblocks abgerissen?

Nicht sehr nobel, aber bezahlbar: die BIMA-Häuser in Grünbühl. Foto:  
Nicht sehr nobel, aber bezahlbar: die BIMA-Häuser in Grünbühl. Foto:  

Der Vertrag ist endlich unterschriftsreif: Die Stadt Ludwigsburg kauft die BIMA-Häuser in Grünbühl – aber die Bewohner der 320 Wohnungen befürchten Schlimmes.

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Ludwigsburg - Kein Mieter wird kurzfristig seine Wohnung verlieren.“ Das verspricht die Wohnungsbau Gesellschaft Ludwigsburg (WBL) den Mietern in den BIMA-Häusern in Grünbühl. Seit vielen Jahren verhandelt die Stadt über den Kauf der zum Teil sehr maroden Gebäude an der Elbe-, Oder- und Neißestraße, doch lange schaltete der Bund auf stur. Nun haben sich die Stadt und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) geeinigt. Noch im Februar soll der Kaufvertrag unterschrieben werden. Aus Sicht der Stadt geht es um eine Aufwertung des Quartiers. Aber viele Bewohner sind verunsichert.

Vor allem die älteren befürchten, aus ihren angestammten Wohnungen verdrängt zu werden. Grünbühler, die gar nicht in diesem südwestlichen Rand des Stadtviertels wohnen, argwöhnen, dass dort vor allem teure Eigentumswohnungen gebaut werden, die sich nur Betuchte leisten können. Allerdings sind die Bürger auch mit der jetzigen Situation nicht zufrieden. Die etwa um 1950 gebauten Wohnblocks sind abgewohnt, die Einheiten sind im Schnitt nur 45 Quadratmeter groß und die Heizung besteht oft nur aus einem einzigen Kachelofen. „Das hat dazu geführt, dass sozial Schwache zugezogen sind“, sagt Paul Gerhard Schroth (CDU) vom Stadtteilausschuss Grünbühl-Sonnenberg.

„Sozialverträgliches Vorgehen“

Alle Beteiligten – vom Oberbürgermeister über die WBL bis zum Stadtplanungsinstitut Weeber und Partner – versichern, man werde in jedem Fall behutsam vorgehen und die Wünsche der Bewohner berücksichtigen. Als einen Beleg dafür, dass es die Verantwortlichen ernst meinen, gilt die Einbindung der Agentur Weeber und Partner, die auch schon im Prozess Soziale Stadt Eglosheim eingebunden war.

Stimmt der Sozialausschuss in seiner nächsten Sitzung zu, werden die Experten aus Stuttgart mit einer Befragung beauftragt. Geplant ist, jeden Haushaltsvorstand in den 320 Wohnungen aufzusuchen und ihn nach seinen Wünschen zu befragen. „Die Menschen können sich sicher sein, dass wir mit vielen Informationen an die Sache herangehen“, sagt die Weeber-Geschäftsführerin Gabriele Steffen. Geplant sei „ein sozialverträgliches Vorgehen“. Die Agentur nimmt sich dafür einige Wochen Zeit. Kosten soll diese Befragung 64 000 Euro; 60 Prozent davon übernimmt die Städtebauförderung von Bund und Land.

Parallel zu diesen Befragungen wird die Wohnungsbau GmbH, die erst im Oktober 2012 mit ins Boot geholt worden ist, den Zustand der Häuser ermitteln. Nötig seien zum Beispiel Erkenntnisse über den Aufwand für eine energetische Sanierung oder den Umbau zu einer barrierefreien Wohnung, sagt WBL-Geschäftsführer Andreas Veit. Diese Erkenntnisse und die Ergebnisse der Befragungen zusammengenommen, werden für die Entscheidung herangezogen. Noch sei nicht über Abriss oder Sanierung entschieden. Ebenso wenig über den Anteil von Wohneigentum. „Es wird auch in Zukunft Mietwohnungen in ausreichender Zahl geben“, sagt Veit. Er will erst am Jahresende konkretere Pläne vorlegen. Mit einem Baubeginn – in welcher Form auch immer – sei nicht vor 2015 zu rechnen.

Modell „Fair wohnen“

Der WBL-Geschäftsführer verweist auf die Sanierungen und Neubauprojekte in Sonnenberg. Dort wurden ehemalige Offizierswohnungen abgerissen und für die Bewohner Ersatzwohnraum in unmittelbarer Nachbarschaft angeboten. Wer wollte, konnte in Sonnenberg bleiben – das Modell Fair Wohnen versprach günstige Mieten. „Mancher, der jetzt in einem Neubau wohnt, zahlt die gleiche Warmmiete wie zuvor“, sagt Veit. Ähnliches stelle er sich auch in Grünbühl vor. Wohnungen, die im Umfeld der Wohnblocks frei werden, bleiben erst einmal leer. Die WBL hält sie für auszugswillige Bewohner von Gebäuden an der Elbe-, Neiße- oder Memelstraße frei.




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