Ludwigsburger Umzugspläne gescheitert Das Staatsarchiv bleibt in der Innenstadt

Das Zeughaus und der Arsenalbau (im Hintergrund) werden auch künftig  als Archiv genutzt. Foto: factum/Granville
Das Zeughaus und der Arsenalbau (im Hintergrund) werden auch künftig als Archiv genutzt. Foto: factum/Granville

Die Stadt Ludwigsburg wollte den Arsenalbau und das Zeughaus beleben und für Gastronomie, Handel und Studenten freiräumen, jetzt sind die Verhandlungen gescheitert. Das Land, dem die historischen Gebäude gehören, hat endgültig Nein gesagt.

Lokales: Tim Höhn (tim)
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Ludwigsburg - Die Pläne der Stadt Ludwigsburg zur Verlagerung des Staatsarchivs aus der Innenstadt an den Stadtrand sind gescheitert. Bei der jüngsten Verhandlungsrunde am Freitag hat das Land unmissverständlich deutlich gemacht, dass ein Umzug nicht infrage kommt. Vor dem Gespräch hatte sich der Oberbürgermeister Werner Spec noch optimistisch gezeigt, dass eine Einigung gelingt. „Es zeichnet sich ab, dass bei der wichtigen Frage der Verlegung eine für das Land und die Stadt wirtschaftlich und funktional gute Lösung möglich ist“, sagte Spec.

Offenbar ist es jedoch nicht gelungen, das Landesamt für Vermögen und Bau, das für die beiden ehemaligen Kasernengebäude in der City zuständig ist, von dem Projekt zu überzeugen. In dem 1876 erbauten Zeughaus am Schillerplatz werden alle relevanten Akten und Dokumente aus dem Regierungsbezirk Stuttgart eingelagert. Der benachbarte und bereits 1762 errichtete Arsenalbau verfügt über Lesesäle, Ausstellungs- und Veranstaltungsräume sowie Werkstätten zur Restauration alter Schriftstücke. Das Land stelle die Nutzung dieser Gebäude „nicht zur Disposition“, teilt Andreas Hölting, der Leiter der Ludwigsburger Zweigstelle des Amts, nach dem Gespräch mit der Stadt mit. „Die der Bedeutung des Landesarchivs angemessene zentrale Innenstadtlage und das gut geschnittene Grundstück mit seinen umfangreichen baulichen Erweiterungsmöglichkeiten sind bis heute überzeugende Gründe für die Standortentscheidung.“

Eine Verlagerung der wertvollen Archivalien an den Bahnhof ist undenkbar – sagt das Land

Im November waren die Pläne der Stadt publik geworden. In den kommenden Jahren soll das Umfeld des Staatsarchivs aufwendig umgebaut und aufgehübscht, der Arsenalplatz und die angrenzende Straße sollen von Autos befreit werden – das ­gesamte Areal, das für die Innenstadt von erheblicher Bedeutung ist, soll dadurch mehr Aufenthaltsqualität gewinnen. Im Zuge dessen entwickelte das Rathaus die Idee, das Staatsarchiv einer anderen Nutzung zuzuführen: mit Gastronomie, einer Art Markthalle, auch über eine Zweigstelle der Pädagogischen Hochschule wurde nachgedacht. „Wenn wir eine Nutzung hinbekommen, die Menschen anzieht, wäre viel gewonnen“, sagte damals der Baubürgermeister Michael Ilk.

Der Archivleiter Peter Müller erklärte anfangs, man stehe den Vorschlägen nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, zeigte sich aber da schon skeptisch. „Die Frage ist dann jedoch, wo Ersatz geschaffen werden kann und wie das finanziert wird.“

Zumindest was den Standort angeht, hatte die Stadt einen Vorschlag unterbreitet. Am Bahnhof soll in den nächsten Jahren ein Hochhaus entstehen, und die unteren Stockwerke können wegen der unmittelbaren Nähe zu den Gleisen wohl nicht für Wohnungen oder Büros genutzt werden. Dort Akten unterzubringen, sagt Hölting nun, komme aber genauso wenig infrage. Die teils höchst wertvollen Archivalien direkt neben einem Gütergleis zu platzieren sei undenkbar.

In den Verhandlungen prallen Welten aufeinander

Zumal ein Umzug auch aus wirtschaftlichen Gründen unsinnig wäre. Der Arsenalbau und das Zeughaus seien erst in den 1990er Jahren aufwendig umgebaut worden. Es handle sich um „hochwertig ausgestattete Spezialbauten“, die in jeder Hinsicht „auf der Höhe der Zeit“ seien. Das Land hat errechnet, dass der Wiederherstellungswert bei 57 Millionen Euro liege, das heißt: Dieser Betrag wäre nötig, um an anderer Stelle gleichwertigen Ersatz zu schaffen. „Dies käme einer Vernichtung von materiellen und finanziellen Ressourcen gleich“, sagt Hölting.

Überdies wurde zuletzt deutlich, dass in den Verhandlungen Welten aufeinanderprallen. Die Stadt will mehr Handel, Gastronomie, Leben in der City, totes Papier stört da nur. Hölting wiederum pocht auf die herausragende Bedeutung des Staatsarchivs „in seiner Funktion als Gedächtnis der Gesellschaft“. Das alles dürfe nicht an den Rand gedrängt werden, sondern sei in der Innenstadt gut aufgehoben. Dokumente aus der Zeit vor der Gründung des Königreichs Württemberg, Entnazifizierungs­akten, profane Verwaltungsdokumente, Patientenakten, Unterlagen zu RAF-Prozessen – 40 Regalkilometer mit Papier stehen aktuell im Zeughaus.

Weil jedes Jahr 500 Meter hinzukommen, plant das Land sogar eine Erweiterung. Arsenalbau und Zeughaus sind unterirdisch über einen langen Gang verbunden. Von dort ausgehend sollen im Untergrund weitere Magazinräume geschaffen werden. „Die Entwurfsplanung ist abgeschlossen, der Antrag auf Erteilung der Baugenehmigung wird in den nächsten Monaten bei der Stadt eingereicht werden“, sagt Hölting.

Die zwei Gebäude sollen trotzdem belebt werden

Nur noch in einem Punkt zeigt sich das Amt weiterhin offen für die Vorschläge der Stadtverwaltung. Diese möchte den großen Parkplatz vor dem Arsenalbau in einen Park umwandeln, auch die Autostellplätze zwischen den beiden Archivgebäuden sollen verschwinden. Auch das Land habe Interesse an einer Aufwertung und Belebung des Umfelds, so Hölting. „Die beabsichtigte Umgestaltung eröffnet die Möglichkeit, die Interaktion mit der Stadtgesellschaft ­weiter auszubauen.“

Denkbar wäre beispielsweise, das Erdgeschoss stärker nach außen zu öffnen, die Vortrags- und Ausstellungsräume attraktiver zu gestalten, die Außenflächen einzubeziehen. „Wir werden gemeinsam mit der Stadt prüfen, welche Optimierungsmöglichkeiten es da noch gibt.“




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