Luftschadstoffe in Stuttgart Zwei Straßenzüge kratzen am Grenzwert

Die Luft im Stuttgarter Kessel ist in den letzten Jahren  besser geworden, auch wegen Fahrverboten. Die Bürgerinitiative Neckartor will mehr Rad- und Busspuren. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Die Luft im Stuttgarter Kessel ist in den letzten Jahren besser geworden, auch wegen Fahrverboten. Die Bürgerinitiative Neckartor will mehr Rad- und Busspuren. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Das Land zieht beim Stickstoffdioxid eine Halbjahresbilanz. Der frühere Hotspot am Neckartor bewegt sich inzwischen im gesetzlichen Rahmen.

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Stuttgart - Die Luftschadstoffwerte in der Landeshauptstadt haben ihren moderaten Sinkflug im ersten Halbjahr 2021 fortgesetzt. Der Mittelwert beim Stickstoffdioxid für die ersten sechs Monate liegt inzwischen an keiner der zuvor durch hohe Überschreitungen teils bundesweit bekannt gewordenen Straßenzüge mehr über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Allerdings bezieht sich dieser Grenzwert auf das Jahres- und nicht auf das Halbjahresmittel. Das Jahresmittel von September 2020 bis einschließlich August 2021 bestätigt die positive Tendenz. Am Hotspot Neckartor wurden in diesen zwölf Monaten von der Landesanstalt für Umwelt 36 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft gemessen, an der Hohenheimer Straße 32, am Klett-Platz 31. Hoch sind die Werte mit 40 Mikrogramm nach wie vor an der Pragstraße in Bad Cannstatt und an der Talstraße im Stuttgarter Osten, allerdings bewegen sie sich nun inner- und nicht wie im Vorjahr außerhalb des gesetzlichen Rahmens.

Minister sieht seine Linie bestätigt

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sieht mit den Werten die Linie des Landes bestätigt. Mit Maßnahmen wie Tempo 40, die Pendelbuslinie X 1 von Bad Cannstatt in die City (deren Einsatz die Stadt bezahlt), Filtern, Fahrverboten und damit mehr schadstoffarmen Fahrzeugen in der Autoflotte sowie einer Busspur in der Talstraße sei man „auf einem guten Weg, den Grenzwert noch in diesem, spätestens aber nächstes Jahr im ganzen Land einzuhalten“.

Gültig ist der Grenzwert allerdings bereits seit 2010. Der Europäische Gerichtshof hatte Deutschland im Juni 2021 in einem Urteil vorgeworfen, über Jahre nicht genug gegen die hohe und gesundheitsschädliche Belastung mit Stickoxiden getan zu haben. Die Grenzwerte seien von 2010 bis 2016 „systematisch und fortdauernd“ überschritten worden. Verkehrsstaatssekretärin Elke Zimmer (Grüne) erläutert, dass auch der Rückgang des Verkehrsaufkommens durch die Coronapandemie zu den guten Werten geführt hat. Neben Stickstoffdioxid war die hohe Feinstaubbelastung in Stuttgart ein Thema. Hier werden die gesetzlichen Grenzen seit einigen Jahren eingehalten.




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