Lustige Bildchen im Netz Memes als lustiges Sprachrohr im Internet

Der Sparfuchs ist ein sogenanntes „Advice Animal“  und gibt originelle, schwäbische Tipps zum Geld sparen. Foto: Memes uff schwäbisch (Facebook) 10 Bilder
Der Sparfuchs ist ein sogenanntes „Advice Animal“ und gibt originelle, schwäbische Tipps zum Geld sparen. Foto: Memes uff schwäbisch (Facebook)

Ob Foren, Soziale Netze oder Blogs. Kaum eine Website, die den Anspruch an sich erhebt am Puls der Zeit zu sein, kommt ohne Memes aus. Was also hat es mit den lustigen Bildern auf sich?

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Stuttgart - Am 29. August 2016 ist der Hollywood-Schauspieler Gene Wilder im Alter von 83 Jahren den Folgen seiner Alzheimer-Erkrankung erlegen. Unsterblich hat er sich nicht nur als Willy Wonka im Film Charly und die Schokoladenfabrik (1971) gemacht. In der Internet-Gemeinde lebt Wilder in besagter Rolle auf unbestimmte Zeit als Meme weiter. Wer jedoch die lustigen Bildchen – ausgesprochen werden sie „Mihm“ – als bloße Online-Spielerei abtut, verkennt das Ausmaß des zeitgenössischen Sprachrohrs der 18- bis 35-Jährigen. Der Begriff „Mem“ wurde bereits im Jahr 1976 von Evolutionsbiologe und Autor Richard Dawkins geprägt. Er verstand darunter Informationen mit kulturellem Gehalt, die via Kommunikation von Menschen untereinander ausgetauscht werden. Dieser Definition werden Memes auch heute noch gerecht, lediglich die Kommunikationskanäle haben sich 40 Jahre später verändert.

Viele Bilder zielen darauf ab, ein „Mir-geht-es-genauso-Gefühl“ zu wecken.

Ihren Aufstieg beginnen die Bildchen auf der Website 4chan.org. Dort tauschen die User anonym Bilder aus, zudem gilt sie als eine der meistbesuchten Internetseiten überhaupt. Bester Nährboden also für einen Netz-Trend wie die Memes. Im Jahr 2008 etablieren sich die „Rage Comics“, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen. Die einfachen Zeichnungen umfassen unterschiedliche Gesichter, die dann, mit Textbausteinen versehen, Emotionen zu unterschiedlichen Vorfällen zum Ausdruck bringen.

Können sich möglichst viele Netz-Pilger mit dem abgebildeten Thema identifizieren, steigt die Popularität des entsprechenden Memes. Zahlreiche Bilder zielen darauf ab, ein „Mir-geht-es-genauso-Gefühl“ im Betrachter zu wecken. Die Motive an sich dienen dabei lediglich als Verstärker oder Merkmal der Wiedererkennung. Hauptbestandteil des Erfolgs sind die Textbausteine, die meist in zwei Teilen über und unter dem abgebildeten Motiv ergänzt werden. So kann jedes Grundmotiv, wie beispielsweise der „Awkward Moment Seal“ individualisiert werden.

Das Motiv der einzelnen Memes ist zeitlos

Der Erfolg eines einzelnen Memes, ausgezahlt in der digitalen Währung der „Likes“, ist kurzlebig. Das Motiv selbst ist dagegen zeitlos. Es wird weiterhin als Grundlage genutzt und mit neuen Textelementen versehen, um einen Zusammenhang zu jeweils aktuellen Ereignissen herzustellen. Derzeit wird etwa bevorzugt die anstehende Präsidentschaftswahl in den USA thematisiert. Tauchen einzelne Themenkomplexe gehäuft auf den einschlägigen Websites auf, lässt sich das durchaus als Trendbarometer dafür verstehen, was die Generation Y – also die Menschen im Alter von 18 bis 35 – gerade umtreibt.

„Die Geschichte der Memes ist entscheidend für das Verständnis der digitalen Kultur“, schreibt Linda Börzsei in ihrer Forschungsarbeit „Make a meme instead“. Diese Beobachtung greift nicht nur global, sondern auch heruntergebrochen auf Länder, oder gar auf Landkreise. Nicht umsonst hat die Facebook-Seite „Memes uff Schwäbisch“ mehr als 66 000 Fans.

Hauptthemen der Memes sind Klischees, Sexualität und Partnerschaft

Selbstredend gibt es auch in der Welt der Memes thematische Dauerbrenner. Klischees, Sexualität und Partnerschaft legen hier eine ähnlich beständige Karriere an den Tag wie im Vorabend-Programm des Privatfernsehens. Eine der populärsten Adressen für Memes im Netz ist das Portal 9Gag.com (siehe Seite 3), das täglich Millionen von Aufrufen verzeichnet. Dazu gesellen sich das bereits erwähnte Netzwerk 4chan.org, aber auch Seiten wie reddit.com. Selbst ein Lexikon der Memes existiert bereits. Unter knowyourmeme.com können sich User über die einzelnen Memes informieren: wann es zum ersten Mal in einem Netzwerk gepostet wurde, wie es sich verbreitet hat, und ob beispielsweise noch weitere Memes aus ihm hervorgegangen sind. Besonders die Kategorie der „Adivce Animals“ floriert. Darunter sind Tiere zu verstehen, die lebenspraktische Ratschläge erteilen. Bisweilen sind diese Ratschläge jedoch bewusst nicht zur Nachahmung empfohlen, und erzählen wie im Falle des „Socially Awkward Penguins“ die Geschichte davon, wie man es nicht machen sollte.

Schwierig bleibt der Umgang mit dem Urheberrecht

Apropos „nicht machen“ – besagter Pinguin verweist auf ein zentrales Problem der betexteten Bilder: den Umgang mit dem deutschen Urheberrecht. Die Bildagentur Getty Images forderte 2015 von einem deutschen Blog rund 800 Euro für das Publizieren des beliebten Memes. Der Grund: Einer ihrer Fotografen stellte sich als Urheber der originalen Pinguin-Aufnahme heraus. Dass es bislang nicht zu einer Abmahnwelle in Deutschland kam, liegt größtenteils daran, dass Memes gewöhnlich nicht kommerziell genutzt werden. Aber ein gewisser werblicher Effekt ist nicht abzustreiten, sofern das Meme in den Communities gut ankommt.

Schwieriger ist es dagegen, wenn Privatpersonen auf den Bildern zu sehen sind. Denn auch wer zu einem Meme verarbeitet wird, büßt nicht sein Recht am eigenen Bild ein. In den USA ist der Umgang mit der Urheberrechtsfrage liberaler gelöst. Unter dem Begriff „Fair Use“ ist die unentgeltliche Verbreitung von Inhalten weitestgehend erlaubt und damit an das moderne Internet angepasst. Obwohl ein rechtlicher Durchbruch in Deutschland derzeit nicht absehbar ist, bleiben die Memes erfolgreich. Vielleicht schaffen sie es, ihren Teil zur Völkerverständigung beizutragen. Das Potenzial dazu hätten sie.

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