Machtkampf bei Porsche Will Piëch dem Rauswurf zuvorkommen?

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Der frühere VW-Vorstandschef und spätere Aufsichtsratschef des Autokonzerns will durch den verkauf seiner Aktien der Porche Holding SE möglicherweise einem Rauswurf aus dem Aufsichtsratsgremium zuvorkommen.

Ferdinand Piëch Foto: AP
Ferdinand Piëch Foto: AP

Stuttgart - Wolfgang Porsche kniff die Lippen zusammen, doch sein Blick verriet, wie sehr er litt, nachdem Ferdinand Piëch ihn aus dem Hinterhalt angeschossen hatte. Die Journalisten konnten noch so bohrend fragen – der Aufsichtsratschef der Porsche Automobil Holding wollte an diesem Konzernabend von VW in Genf einfach nicht darüber sprechen, wie die Familie darauf reagieren würde, dass Piëch seinen Cousin Porsche im Abgasskandal schwer belastet und in ein schiefes Licht gerückt hatte.

Piëch hatte bei der Befragung durch die Braunschweiger Staatsanwaltschaft behauptet, er habe dem Präsidium des Aufsichtsrats, dem auch Wolfgang Porsche angehört, schon frühzeitig im Februar 2015 und damit lange vor Bekanntwerden des Abgasskandals Hinweise auf die Manipulation der Dieselmotoren gegeben. Hätte dies gestimmt, hätten die Aufsichtsräte bisher gelogen und versucht, etwas zu vertuschen. Denn alle wollen erst davon erfahren haben, als die US-Umweltbehörden die Manipulationen im September 2015 bekannt machten. Der Aufsichtsrat schoss nach Piëchs Attacke jedoch scharf zurück. Piëch habe schon bei einer Befragung im Frühjahr 2016 im Rahmen der internen unabhängigen Untersuchung durch die US-Kanzlei Jones Day eine ähnliche Darstellung gegeben, hieß es. Die Aussage sei eingehend und detailliert überprüft worden. Sie sei insgesamt als unglaubwürdig eingestuft worden. Auch hätten sämtliche Mitglieder des Präsidiums alle Behauptungen Piëchs „klar und nachdrücklich als falsch zurückgewiesen“. Mit anderen Worten: Piëch hatte gelogen.

Schon 2015 gedroht, Anteile zu verkaufen

Konnte der PS-Clan diesen Affront und den Angriff auf ein anderes Familienmitglied ungesühnt lassen? Musste es nicht ein Krisentreffen auf dem österreichischen Schüttgut, dem Stammsitz der Familie geben, wo neben einem Bauernhof auch eine Kapelle mit der Familiengruft steht? Konnte Piëch nach der Attacke seinen Sitz im Aufsichtsrat der Porsche Holding behalten, dem einzigen Posten im Imperium des PS-Clans, an den der Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche sich noch klammerte? Den Vorsitz des VW-Aufsichtsrats hatte Piëch nach einem beispiellosen Machtkampf mit dem damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn im April 2015 aufgegeben. Schon damals soll Piëch nach einem Bericht des „Spiegel“ damit gedroht haben, seine Anteile zu verkaufen.

Wolfgang Porsche wollte in Genf auf all diese brisanten Fragen keine Antworten geben. Der Aufsichtsratschef berichtete nur, dass zwischen Piëch und ihm Funkstelle herrsche und stöhnte, dass die Familie manchmal nicht einfach sei. Piëch komme zwar weiter zu den Sitzungen des Aufsichtsrats der Stuttgarter Holding, so der Chef des Kontrollgremiums, gebe ihm auch die Hand, rede aber nicht mit ihm. Auch zur letzten Sitzung vor einigen Wochen sei Piëch gekommen.

Arbeitnehmerseite will darauf verzichten, in Holding vertreten zu sein

Weil die Arbeitnehmerseite darauf verzichten will, im Aufsichtsrat der Holding vertreten zu sein, müssen in der nächsten Hauptversammlung am 30. Mai sämtliche Vertreter der Kapitalseite neu gewählt werden. Dies eröffnet dem PS-Clan die Gelegenheit Ferdinand Piëch aus dem Kontrollgremium zu werfen, indem ein jüngeres Mitglied der Familie dessen Platz einnimmt. Mit einem Verkauf seiner Anteile könnte Piëch solch einen Rauswurf durch die Familie vermeiden.

Der in Wien geborene Ferdinand Piëch feiert am 17. April dieses Jahres seinen 80. Geburtstag. Den VW-Konzern hat er stets als sein Lebenswerk betrachtet. Der endgültige Ausstieg dürfte dem einst mächtigsten Mann bei VW alles andere als leicht fallen. Eine gewisse Distanz zu VW zeigte sich indes bereits nach seinem Abgang aus dem VW-Aufsichtsrat. Als Ferdinand Piëch im November 2015 zur Isny-Runde kam, dem Treffen wichtiger Wirtschaftsführer, Verbandschefs und Politiker, reiste er nicht im VW Phaeton oder im Audi A8 an. Piëch kam im Zwölfzylinder-Maybach und parkte die Luxuslimousine von Daimler demonstrativ vor dem Eingang des Hotels Jägerhof.

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