Frankreich Der Geist von Sarkozy wandelt durch den Élysée-Palast

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Der Einfluss des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy ist nicht zu unterschätzen - viele seiner Weggefährten sitzen in der neuen Regierung.

Nicolas Sarkozy war von 2007 bis 2012 französischer Präsident. Foto: AP/AP
Nicolas Sarkozy war von 2007 bis 2012 französischer Präsident. Foto: AP/AP

Paris - Die „Mormonen“ sind weg. Spötter behaupten, sie hätten das sinkende Schiff verlassen. Andere wollen wissen, sie seien aus reinem Machtkalkül eiskalt abserviert worden. Tatsache ist, dass jener elitäre, verschworene Zirkel von jungen, ehrgeizigen Beratern rund um den französische Präsidenten Emmanuel Macron nicht mehr existiert. Die „Mormonen“ standen vor drei Jahren hinter dem überraschenden Erfolg der neu gegründeten Bewegung La République en Marche, die Macron an die Macht gebracht hat. Nun hat der Präsident die Regierung ausgetauscht, weil er um seine Wiederwahl fürchten muss, da scheinen ihm seine Helfer der ersten Stunde offensichtlich nicht mehr nützlich.

Macron verlässt sich auf den Rat von Sarkozy

In dieser Krisen-Situation setzt der Präsident auf den Ratschlag eines kampferprobten Politikers: Nicolas Sarkozy. Weggefährten und Freunde des ehemaligen Präsidenten sitzen nun in der ersten und zweiten Reihe der französischen Regierung. Die Tageszeitung „Le Figaro“ veröffentlichte in diesem Zusammenhang den Text einer SMS von Camille Pascal, ehemaliger Berater und Redenschreiber Sarkozys, an seinen früheren Chef: „Ich bin erstaunt, dass mir niemand gesagt hat, dass Sie wieder zurückkommen.“

Wie weit der Einfluss des Ex-Staatschefs nun reicht, verrät die prominenteste Personalie beim Regierungsumbau. Jean Castex, der neue Premierminister, war 2010 zuerst Berater Sarkozys für Soziales, später fungierte er sogar als stellvertretender Generalsekretär des Präsidenten.

Eine lange politische Feindschaft

Sarkozy sei es auch gewesen, der Macron geraten habe, den beliebten Premierminister Édouard Philippe rechtzeitig vor der Präsidentenwahl 2022 auszutauschen. Der Grund: Sarkozy macht für seine eigene Niederlage im Kampf um die Wiederwahl im Jahr 2012 unter anderem seinen damals beliebten Premierminister François Fillon verantwortlich. Die beiden Männer verband hernach eine gewisse politische Feindschaft. Diese wurde endgültig besiegelt, als Fillon vier Jahre danach seinen ehemaligen Wegbegleiter bei dessen politischem Comeback-Versuch bei den Vorwahlen der Konservativen aus dem Rennen kegelte.

Umstrittene Berufungen des Innenministers

Die umstrittene Ernennung Gérald Darmanins zum Innenminister war in diesem Kontext keine Überraschung mehr. Der 37-Jährige ist der politische Zögling Nicolas Sarkozys und gilt als eine der Hoffnungen der Konservativen in Frankreich. Auch Roselyne Bachelot verdankt ihre politische Karriere dem ehemaligen Präsidenten. Sie war während seiner Regierungszeit unter anderem Gesundheitsministerin, nun bekleidet sie das Amt der Kulturministerin. Erstaunen löste allerdings die Berufung des sehr unkonventionell auftretenden Staranwaltes Éric Dupont-Moretti aus. Der neue Justizminister ist ein enger Freund von Thierry Herzog, dem vielbeschäftigen Anwalt von Nicolas Sarkozy und war bereits vor einigen Jahren ausgewählter Gast bei einem Konzert von Carla Bruni-Sarkozy.

Ein gern gesehener Gast im Hause Macron

Schon lange ist bekannt, dass sich Emmanuel Macron regelmäßig mit seinem Vorgänger trifft und viel Wert auf dessen Rat legt. Immer wieder kursieren Fotos der beiden in den Medien. Kommentatoren witzeln, dass Nicolas Sarkozy zu seinem eigenen großen Leidwesen zwar nicht persönlich an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt sei, aber zumindest sein Geist wandle nun durch die Gänge des Élysée-Palastes.




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