Männermode Laute Hemden sind der letzte Schrei

Von Tom Hörner 

Was kann es Schöneres geben, als im Sommer mit schrillen Hemden herumzulaufen. Nur manche Exemplare, meint unser Autor, müsste man mit Warnhinweis versehen.

Unser Autor gewährt einen Blick in seinen Kleiderschrank. Foto: Decksmann
Unser Autor gewährt einen Blick in seinen Kleiderschrank. Foto: Decksmann

Stuttgart - Der Verdacht liegt nahe, dass die Welt ohne den Entertainer Jürgen von der Lippe um ein Vielfaches hätte bunter sein können. Etliche hundert Hawaiihemden soll der Künstler im Lauf seiner Karriere bisher aufgetragen haben. So einer setzt damit nicht nur Maßstäbe, er hemmt auch.

Gute Zeit für Schnäppchenträger

Welches gestandene Mannsbild traut sich in ein knallbuntes Oberteil, das den Eindruck erweckt, als wolle man mit dem humoristischen Schwergewicht konkurrieren? Und ohne dem großen Unterhalter zu nahe treten zu wollen: Wäre man in so einem Hemd nicht in den Verdacht geraten, seine Leibesfülle kaschieren zu wollen?

Doch jetzt plötzlich – Herr von der Lippe ist, so weit bekannt, nach wie vor im Unterhaltungsgewerbe tätig – sind die Kleiderständer in den Herrenabteilungen schwer behängt mit irre gemusterten Hemden. Vermutlich waren sie das im vergangenen Jahr schon, weil einige Modelle herabgesetzt sind. Ich hinke gern der Mode hinterher, bin eher so der Schnäppchenträger. Aber wenn ich Feuer gefangen haben, dann gibt es kein Halten mehr.

Ein Pointillist hat sich ausgetobt

Neulich verfiel ich in einen regelrechten Kaufrausch. Alles, was irgendwie nach Farbfernsehen in den Siebzigerjahren aussah und bei der Anprobe nicht aus den Nähten ging, riss ich mir unter den Nagel. Gern würde ich Ihnen die Teile beschreiben, aber mein sprachliches Vermögen reicht nicht aus, um die Muster der Hemden auch nur einigermaßen plastisch beschreiben zu können. Es ist Florales dabei, auch Palmen, bei einem scheint sich ein Pointillist ausgetobt zu haben. Ansonsten nichts Figürliches, keine Amischlitten, keine Erfrischungsgetränke, keine Papageien.

Keine Macht den Drögen

Ich könnte versuchen, die Farben aufzuzählen, aber das klänge hilflos und brächte wenig. Stellen Sie sich einfach den Wassermalkasten Ihrer Kinder vor, als er neu war. Vielleicht ist es aussagekräftiger, wenn ich darauf verweise, dass man etliche Stücke eigentlich mit einem Warnhinweis hätte versehen müssen: „Obacht, beim Tragen dieses Hemdes könnte bei Ihrem Gegenüber der Eindruck entstehen, als habe er LSD genommen.“

Keine Macht den Drögen. Normalerweise ziehe ich nur Langarmhemden an, doch bei diesen Exemplaren mach ich eine Ausnahme, Hauptsache das Muster törnt an.

Vorsicht, Mann im Urlaubsmodus

Von manchen Frauen wird behauptet, sie wollten mit Kleidungsstücken den Neid ihrer Geschlechtsgenossinnen wecken. Ich bin da nicht besser. In dem Herrenbekleidungsgeschäft stand gedanklich ein grafisch hochgebildeter Kollege im Raum, der auf seine exzentrische Hemdenkollektion viel hält – und dies auch offensiv zur Schau stellt. Meine Neuanschaffungen, da wette ich mein Augenlicht, werden ihn um Lichtjahre zurückwerfen. Den Rest der Belegschaft lasse ich unmissverständlich wissen: Vorsicht, mit dem Typen ist nicht zu spaßen. Der ist im Urlaubsmodus.

Tom Sellecks Stilbruch

Zwar ist es, wie Ihnen inzwischen klar geworden sein dürfte, nicht Jacke wie Hose, zu welchem Hemd ein Mann greift. Aber nicht ganz außer acht lassen sollte man, wie ein Kleidungsstück korrekt getragen wird – und das ist der Grund, dass Tom Selleckals Magnum hier überhaupt keine Rolle spielt, hat der schöne Mann doch einen unverzeihlichen Stilbruch begangen: Er stopfte seine Hawaiihemden in die Hose. Das erfüllt den Tatbestand „Socken in Sandalen“.

Übrigens: Die Gefahr, auf der Straße mit dem privaten Jürgen von der Lippe verwechselt zu werden, besteht nicht. Abseits der Bühne, hat er in einem Interview mal erzählt, trage er unauffällige Hemden und sei eher ein stiller Typ.




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