Magstadt ist Gründungsfreundliche Kommune Das Modeatelier ist Chefsache

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Sabine Stoll baut sich als Schneiderin eine Existenz auf. Sie schätzt die Hilfen für Gründer. „Wirtschaftsförderung ist wichtig“, sagt der Bürgermeister. Er wirbt für seine Kommune.

Sabine Stoll und ihre Steckenpferde: ein Brautkleid und eine Jacke Foto: factum/Granville
Sabine Stoll und ihre Steckenpferde: ein Brautkleid und eine Jacke Foto: factum/Granville

Magstadt - Auf dem Zuschneidetisch liegen Spitzen in Pink, Fransen in Neongelb. Die grellen Stoffe sind Sabine Stolls jüngster Auftrag: ein Tanzkostüm für ein Mädchen. „Gott sei Dank gibt es dich“, würden die Kunden zu ihr sagen, berichtet die Schneiderin: „Diese Arbeit macht doch niemand mehr.“ Seit einem Jahr wohnt sie in Magstadt und baut sich im Nebenerwerb ein Modeatelier auf. Wenn ihre Elternzeit im nächsten Herbst zu Ende geht, will sie damit voll durchstarten. „Es funktioniert“, sagt die Mutter zweier Kinder. Und sie hat die volle Unterstützung des Bürgermeisters. Auf der Suche nach einer Ladenfläche stellt Florian Glock die Jungunternehmerin potenziellen Mietern vor. Magstadt ist kürzlich beim Wettbewerb Start-up BW Local mit der Plakette „Gründungsfreundliche Kommune“ ausgezeichnet worden.

Den frisch sanierten Marktplatz mit Leben füllen

Eigentlich wollte Florian Glock nur den frisch sanierten Marktplatz mit Leben füllen. An den Einzelhandel dachte er, als er von dem Wettbewerb erfuhr. Aber nun ist viel mehr aus dem Projekt geworden. Vergangenen Monat hat bereits ein erster Gründertag in der Gemeinde stattgefunden. Ein Patentanwalt war vertreten, und ein Steuerberater, und der Gründerberater Mario Buric gab Tipps. Als Nächstes soll ein Gründerhaus entstehen, die Immobilie ist schon gefunden. Betreiben will es Harald Amelung, der auch in Herrenberg einen Co-Working-Space eröffnet hat, in dem sich Existenzgründer flexibel Büros mieten können. „Maker-Space-Werkstatt“ nennt der FDP- Bürgermeister das Magstadter Pendant.

Sabine Stoll hat sich mit ihren drei Nähmaschinen auf rund 20 Quadratmetern in ihrer Wohnung eingerichtet. Neben den Tanzkostümen hat sie noch weitere Steckenpferde: maßgeschneiderte Brautkleider, Jacken und Babyoveralls. „Ich konnte es noch nie leiden, wenn jemand die gleiche Kleidung wie ich anhatte“, sagt sie und lacht. Als schlicht, elegant und zeitlos beschreibt sie ihren Stil. Mit ihren Kunden führt sie erst einmal ein ausführliches Gespräch, bevor es ans Entwerfen geht. Stoffe werden gemeinsam ausgesucht, vor der Fertigstellung folgt noch eine Anprobe. Eine Jacke aus einem Wollstoff gibt es bei ihr zu einem Preis von 200 Euro an, die Walk-Anzüge für Kleinkinder für 65 Euro. „Ich bin fix im Nähen“, sagt sie.

Für Sabine Stoll konnte Florian Glock zwar noch keine Räume auftun. Aber um die Gründerfreundlichkeit bemüht er sich intensiv. Die Hausbesitzer will er zu einem Runden Tisch einladen, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn im Ort herrschen durchaus Leerstände. Eine weitere Idee von ihm ist ein Pop-up-Laden, in dem drei bis fünf Start-ups ihre Produkte vorstellen können. Regelmäßig besucht der Bürgermeister Gründermessen in Stuttgart, um für Magstadt als Standort zu werben.

Gäufelden plant einen Gründerbahnhof

„Wirtschaftsförderung ist wichtig“, sagt er. Das haben auch andere Kollegen aus dem Kreis Böblingen erkannt. Gäufelden plant ebenfalls einen Gründerbahnhof für Co-Working und nimmt an dem Wettbewerb teil. Schönaich innovativ heißt das Projekt in eben dieser Gemeinde, die dafür Fördermittel von der Europäischen Union beantragt hat. Dort ist der Plan, mit einem Neubau junge Unternehmen nach Schönaich zu locken. Als Ankermieter ist das Hahn-Schickard-Institut für Mikroaufbautechnik im Gespräch, die örtliche Firma Dr. Fritz Faulhaber ist Partner in dem Vorhaben. „Lern etwas Vernünftiges“, sagten Sabine Stolls Eltern einst – sie wurde Krankenschwester. Vor fünf Jahren meldete sie sich dann aber doch an der Mannheimer Modeschule an. „Der Beruf ist mein Kindheitstraum“, sagt sie, den will sie nun Wirklichkeit werden lassen. Dazu hat sie gleich den Gründertag genutzt. „Ich konnte Kontakte knüpfen, das tut mir gut“, erzählt sie. Eine Werbeagentur hat sie unter anderem kennengelernt und eine andere Mutter, die einen Unverpackt-Laden in Magstadt eröffnen will, mit dem Bund der Selbstständigen ist eine Modenschau in Planung, „Alle sind so motiviert, etwas zu machen, und ich will dabei sein“, sagt die 36-Jährige.




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