Magstadter Straße in Stuttgart-Büsnau Für Motorrad-Fahrverbote ist es zu leise

Anwohner klagen seit Jahren darüber, dass vor allem Motorradfahrer mit hoher Geschwindigkeit und Lautstärke die S-Kurve durchfahren. Foto: Sandra Hintermayr
Anwohner klagen seit Jahren darüber, dass vor allem Motorradfahrer mit hoher Geschwindigkeit und Lautstärke die S-Kurve durchfahren. Foto: Sandra Hintermayr

Seit Frühjahr 2020 erfassen zwei Lärmdisplays an der Magstadter Straße in Stuttgart-Büsnau Fahrzeugtypen, Geschwindigkeits- und Lärmdaten. Nun liegt eine erste Auswertung vor.

Filderzeitung: Sandra Hintermayr (shi)
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Büsnau - Als extrem störend und gesundheitsschädlich empfinden die Anwohner im Norden Büsnaus den Lärm, der von der Magstadter Straße ins Wohngebiet schallt. Die S-Kurve ist Teil der ehemaligen Solitude-Rennstrecke und wird offenbar noch heute gerne für schnelle Fahrmanöver genutzt, vor allem, aber nicht nur, von Motorradfahrern. In den vergangenen Jahren hat sich in Sachen Lärmminderung ein wenig getan: Unter anderem wurde in der Kurve die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 40 begrenzt, im Frühjahr 2020 wurden zwei Lärmdisplays in Fahrtrichtung Magstadt aufgestellt, die die Fahrer zu mehr Rücksicht aufrufen. Die Displays erfassen Fahrzeugtyp, Geschwindigkeits- und Lärmdaten, die Stadt Stuttgart hat diese nun ausgewertet und im Vaihinger Bezirksbeirat vorgestellt.

Büsnauer Anwohner waren am Dienstag ebenfalls in der Sitzung und berichteten, dass die Displays eine gewisse Wirkung zeigten. Die Strecke werde aber nach wie vor von einigen als Rennstrecke genutzt. Die Anwohner sprachen von „Riesenlärm“ und „Anarchie auf der Straße“.

Geschwindigkeitsüberschreitungen sind rückläufig

Laut Verkehrsüberwachung und Verkehrspolizeidirektion wirkten sich die bisher umgesetzten Maßnahmen positiv aus. „Die Überschreitungen sind rückläufig“, sagte Maike Körner von der Stuttgarter Straßenverkehrsbehörde. Mobile Blitzer hätten ergeben, dass bei den Geschwindigkeitsübertretungen die Quote bei 2,77 Prozent liege, bei vergleichbaren Straßen im Stadtgebiet sei sie bei 4,8 Prozent. Es seien zumeist Autos, die zu schnell fuhren. Die Displays hätten einen positiven Effekt auf die Verkehrsteilnehmer, weil sie mit Anzeigen wie „leiser“ und „danke“ ein direktes Feedback gäben.

Für die Lärmdaten hat die Stadt zwei Wochen ausgewertet, eine im Juli 2020 und eine im Juni 2021. Ergebnis: Motorräder sind im Schnitt lauter als Pkw, und an den Wochenenden ist mehr Lärm als unter der Woche. Die Displays haben Spitzenpegel von annähernd 100 Dezibel erfasst. Gesamt sei der Mittelungspegel der Motorräder an einem Wochenende genauso hoch wie der der Autos, „obwohl Motorräder nur circa zwölf Prozent der Verkehrsmenge ausmachen“, sagte Thomas Schene vom Amt für Umweltschutz. „Motorräder leisten an Wochenenden einen erheblichen Beitrag zur Lärmbelastung.“

Darum ist ein Fahrverbot nicht möglich

Sind also Verkehrsbeschränkungen zur Reduzierung des Lärms möglich, zum Beispiel Fahrverbote für Motorräder an Wochenenden? Nein, sagten die Vertreter der Verwaltung. Denn: zum einen zählten dafür Jahresmittelungspegel, zum anderen werde der Pegel an den Gebäuden, nicht an der Straße gemessen. Und an den Gebäuden an der Kaindlstraße lägen die Werte laut Lärmkartierung 2017 bei maximal 60 Dezibel tagsüber und 50 Dezibel nachts. Als gesundheitskritisch wird der Bereich ab 65 Dezibel tags und 55 Dezibel nachts bewertet. Und: ein Fahrverbot für Motorräder am Wochenende würde den Mittelungspegel über das Jahr nur geringfügig mindern, weniger als ein Dezibel. Geltende Richtlinien machten Verkehrsbeschränkungen damit unmöglich. Es müsste erst bundesweite Gesetzesänderungen geben, sagten Körner und Schene.




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