Maischberger-Talk zum Coronavirus Boris Palmer reizt Karl Lauterbach

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In Sandra Maischbergers Talkrunde am Mittwoch wirft der Tübinger OB dem SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach wegen Corona Schwarzmalerei vor – der reagiert heftig. Aber ein Thema vereint beide wieder.

Aus der Sommerpause zurück: Sandra Maischberger Foto: dpa/Marijan Murat
Aus der Sommerpause zurück: Sandra Maischberger Foto: dpa/Marijan Murat

Stuttgart - Mit dem Corona-Thema hat sich am Mittwoch Sandra Maischberger in ihrer Talkrunde „Die Woche“ aus der Sommerpause zurückgemeldet – und mit einigen netten Aufschlägen der Gäste gepunktet. Das fing damit an, dass der politisch links verortete Enthüllungsjournalist Günter Wallraffseine Sympathie für den CSU-Ministerpräsidenten Markus Söder bekundete, von dem sei er „selbst angenehm überrascht“, wie der in der Corona-Krise mit „Anweisungen“ regiere und „Vertrauen schafft“.

Der Eckensee in Stuttgart – einst der langweiligste Ort der Republik

Das setzte sich fort weiter mit dem FAZ-Wirtschaftsjournalisten Rainer Hank, der den Stuttgarter Eckensee – Ursprungsort der Krawallnacht – von früher kannte und einst als „langweiligsten Ort“ der Republik empfunden hat, der für die Plünderungen rund um den „heutigen Picknick-Ort“ dann aber auch keine Erklärung hatte, aber zu Recht die Aufregung über die Corona-Demonstration von Berlin dämpfte, man möge bitte „die Kirche im Dorf lassen“. Und, so Hank, es werde offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen in Deutschland, denn auch bei den Anti-Rassismus-Kundgebungen vor einigen Wochen sei das Abstandsgebot missachtet worden – die Aufregung darüber sei aber verhalten gewesen.

Wie integriert man eigentlich Corona-Leugner

Und der Aufschlag endete mit der treffenden Frage der Journalistin Düzen Tekkal – die Söder im übrigen auch als „integrativ“ lobte – warum denn eigentlich bei der Demonstration der vielen Corona-Leugner in Berlin keiner nach dem Migrationshintergrund gefragt habe und wie man diese 22:000 Personen – offenbar fast ausschließlich Deutsche – denn eigentlich in der Gesellschaft integrieren wolle.

Soweit zum Auftritt der pfiffigen Nebenfiguren bei Maischberger, die den Rahmen bildeten für die zum Teil heftige Debatte des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer (Grüne) und des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach – beides sind ja entschiedene Corona-Mahner und Rechthaber, aber mit anderen Schwerpunkten. Lauterbach wies daraufhin, dass man am Anfang einer zweiten Welle der Corona-Infektionen stehe, das sei schon in Ländern wie Israel, Singapur und Japan erkennbar und werde auch Deutschland treffen, alle Kriterien dafür seien erfüllt: „Ich verlange mehr Klarheit aus Berlin, wie wir damit jetzt umgehen“, sagte Lauterbach. Das aber provozierte Boris Palmer. Er bemängelte, Lauterbach äußere sich erneut „apodiktisch“ und „apokalyptisch“, seine Aussagen seien „demoralisierend“ und schon mit seinen Warnungen vom Mai, es werde in vier Wochen eine zweite Welle geben, habe er daneben gelegen und im übrigen würde ein Leben „nach der Methode Lauterbach“ – zwei Jahre Lockdown – die Wirtschaft 200 Milliarden Euro kosten und mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. „Wir müssen vorsichtig sein, aber man kann mit den Warnungen auch zu weit gehen“, so Palmer, im übrigen könne Lauterbach ja auch mal zugeben, dass er sich geirrt habe.

Lauterbach wirft Palmer „geschmacklose“ Aussagen vor

Das reizte Lauterbach offenbar: „Ihre Äußerungen sind abwertend. Es gibt keine Methode Lauterbach. Und es ist nicht ganz richtig was Sie sagen, ich habe nicht im Mai vor einer zweiten Welle gewarnt.“ Aber wenn man so weiter mache, wie bisher mit den vielen Öffnungen im Sommer, „dann sind wir in acht Wochen da, wo wir im März waren“. Später „rächte“ sich Lauterbach an Palmer dann zumindest verbal erneut, als der auf das weltweite Leid der Kinder - dokumentiert durch das Kinderhilfswerk Unicef – hinwies, die der globale Lockdown bringe und der eine „Diskussion der Verhältnismäßigkeit“ anmahnte. Für Lauterbach war das ein „geschmackloser Versuch“, das Leid und Sterben von Kindern in Afrika mit den Corona-Restriktionen in Europa in Verbindung zu bringen: „Wir opfern keine Kinder in Afrika und die Bundesregierung tut es auch nicht.“

Palmer hat Kopfschmerzen beim Maskentragen

Zumindest was die Kinder hierzulande anbelangt, fanden bei Kontrahenten dann wieder zusammen. Es ging um die Maskenpflicht an Schulen, wo Palmer dafür plädierte lieber mit Abständen zu arbeiten und gutem Digital-Unterricht als Ergänzung, als im Unterricht selbst auch Masken zur Pflicht zu machen. Da nickte Lauterbach, Masken im Unterricht wären wirklich nur eine Notlösung und man müsse sehen, ob man im Herbst nicht ohne solch einen Eingriff auskomme. Überhaupt schweißte die Maskenfrage beide zusammen: Lauterbach plädierte für das Tragen einer FF2-Maske bei Bahnfahrten, um sich selbst zu schützen und Palmer befand, dass er nach einer vierstündigen Bahnfahrt mit Maske immer „ein bissle Kopfweh“ habe: „Aber das ist nicht so schlimm.“




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