Manager der Künkelinhalle Schorndorf Eine Stück Kulturgeschichte geht in Rente

Hans-Dieter März geht in Rente. Zumindest bis in den Herbst – dann kümmert er sich um das Veranstaltungsprogramm in Schorndorf während der Gartenschau. Foto: Stoppel
Hans-Dieter März geht in Rente. Zumindest bis in den Herbst – dann kümmert er sich um das Veranstaltungsprogramm in Schorndorf während der Gartenschau. Foto: Stoppel

Seit die Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf vor 18 Jahren eröffnet wurde, hat Hans-Dieter-März ihre Geschicke geleitet und das Programm gestaltet. Unter seiner Regie hat die Halle alle Erwartungen übertroffen.

Rems-Murr: Isabelle Butschek (ibu)
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Schorndorf - Nein, Hans-Dieter März war zunächst kein Fan der Künkelinhalle. Im Gegenteil: als es in den 1990er Jahre massiven Widerstand gegen die neue Stadthalle gab, gehörte auch er zu den Skeptikern. „Es gab einfach die Angst unter den Kulturtreibenden, dass eine so große Halle zu dominant wird und viel Geld verbraucht“, erzählt der heute 63-Jährige.

Einen ins Boot geholt, der die Szene kennt

Letztendlich sei es vermutlich sogar diesem Widerstand zu verdanken, dass er die Stelle als Kultur- und Hallenmanager der Künkelinhalle bekommen habe. „Ich habe im Gegensatz zu anderen Bewerbern kein Kulturmanagement studiert. Und weil ich aus dem linken Spektrum kam, war ich bestimmt nicht der Wunschkandidat von allen “, erzählt der gelernte Einzelhandelskaufmann. Aber es war den damaligen Entscheidungsträgern auch klar, dass sie mit Hans-Dieter März einen ins Boot holen können, der sich mit dem Kulturleben der Stadt bestens auskennt und das Vertrauen vieler Menschen in der Stadt genießt.

Aktiv in der Manufaktur und im Kulturforum

Denn seit es Hans-Dieter März durch seine Frau 1983 nach Schorndorf verschlagen hat, war er in der Kulturszene aktiv. Seine erste Station war eine Teilzeitstelle in der Manufaktur. „Vormittags habe ich mich als Hausmann um unseren Sohn gekümmert, nachmittags und abends habe ich in der Manufaktur gearbeitet“, erzählt er. Aber nicht nur diese Schorndorfer Institution hat er mitgestaltet. 1990 stieg er als Teilzeitkraft in das frisch gegründete Kulturforum ein, organisierte Bildhauersymposien, Gitarrentage, Theatervorstellungen. Für den Marketingverein „Schorndorf – Die Marktstadt“ hat er zudem Veranstaltungen wie das Sommerfilmfestival durchgeführt. „Das Besondere ist in Schorndorf, dass das Kulturleben von unten kam, nie von oben vorgegeben wurde“, erzählt März, der nebenher seinen Fachwirt gemacht hat und damit auch für die betriebswirtschaftliche Seite der Kultur gewappnet war.

Sein Credo: Ergänzen und nicht konkurrieren

Alle seine Erfahrungen kamen ihm schließlich zu Gute, als er im Jahr 2000 Manager der Künkelinhalle wurde. „Mir war es wichtig, dass die Halle das vorhandene Programm ergänzt“, beschreibt Hans-Dieter März seine Philosophie. Einer gewissen Wirtschaftlichkeit hat er sich zudem verpflichtet gefühlt: „Eine Halle hat immer einen Abmangel, aber ich habe den Rahmen immer eingehalten“, betont er.

Und schließlich galt es beim Programm im Auge zu behalten, was das Publikum sehen und hören möchte. „Ich bin nie groß in den Operetten- oder Theaterbereich eingestiegen, weil viele Schorndorfer ein Abo in Stuttgart haben“, sagt er. Kabarett und Comedy, Konzerte und Vorträge waren dagegen fester Bestandteil des Programms. Ursprünglich nicht geplant war es, dass auch Messen in der Halle stattfinden, „weil sie dafür eigentlich nicht geeignet ist. Aber zum Beispiel der Ostereiermarkt hat erst klein angefangen und sich irgendwann auf die ganze Halle ausgeweitet.“

Hannes Wader hat sein Berufsleben begleitet

Manche Künstler haben ihn durch sein Berufsleben begleitet, so wie Konstantin Wecker, Gerhard Polt oder Hannes Wader. Letzterer ist schon im Lehen aufgetreten, der Stuttgarter Kneipe, die März mitgegründet hat. „Im vergangenen Jahr hatte ich Hannes Wader bei seiner Abschiedstournee hier, das war schön“, sagt der frischgebackene Ruheständler, der seiner Stadt trotzdem als Kulturschaffender erhalten bleibt: „Ich werde für die Gartenschau in Schorndorf das Veranstaltungsprogramm machen.“ Darüber hinaus freut er sich, dass er die Verantwortung, die eine große Halle mit sich bringt, abgeben kann. Und dass er mehr Zeit für (andere) Kultur hat: „Ich bin ein großer Cineast, bin kunstaffin. Da habe ich jetzt viel nachzuholen.“




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