Marchese-Ersatz bei den Kickers Gleiche Position, andere Rolle

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Bei den Stuttgarter Kickers fällt Kapitän Enzo Marchese bis zur Winterpause aus. Seine Position im zentralen Mittelfeld soll Marco Gaiser ausfüllen. Nach seinem Startelfdebüt beim 1:5 im Derby gegen den VfB II ist noch Luft nach oben.

Marco Gaiser hat bei den Kickers noch Luft nach oben Foto: Baumann
Marco Gaiser hat bei den Kickers noch Luft nach oben Foto: Baumann

Ein gewisse Wetterfühligkeit wird gemeinhin eher dem schwachen Geschlecht zugeschrieben. Doch selbst vor gestandenen Fußballprofis scheint dieses Phänomen nicht haltzumachen. „Vielleicht war es auch zu warm“, sagte jedenfalls der Kickers-Trainer Horst Steffen am Samstag nach dem 1:5-Debakel im Stuttgarter Drittligaderby in Großaspach gegen den VfB II. Bereits einige Wochen zuvor in Dortmund hätte sich ein Temperaturumschwung negativ ausgewirkt.

Die schwache Leistung des bisherigen Tabellenzweiten allein aufs Wetter zu schieben wäre aber genauso falsch, wie Marco Gaiser zum Sündenbock zu machen. Der 21-Jährige feierte sein Startelfdebüt in der dritten Liga. Er spielte auf der zentralen Position im Mittelfeld als Ersatz für Enzo Marchese. Wie sehr der Kapitän als Vater der Kompanie gefehlt hat? „Er ist ja trotzdem immer bei uns“, sagte darauf sein Stellvertreter Sandrino Braun. Im Mannschaftskreis, aber nicht auf dem Platz.

System muss nicht umgestellt werden

Auf dem Spielfeld vertrat ihn nun – wie bereits im WFV-Pokal – eben Gaiser, der zuvor nur als Einwechselspieler zum Zuge gekommen war. Aber keineswegs als Notnagel. „Wir sind von seinen Fähigkeiten absolut überzeugt“, betonte der Sportdirektor Michael Zeyer. Schließlich hat sich der Verein vor der Saison bewusst dafür entschieden, in Klasse statt Masse zu investieren. Mit der Folge, dass auch junge Spieler wie eben Gaiser und Daniel Kaiser ihre Chance bekommen sollen. „Uns war ja klar, dass wir nicht ohne Ausfälle durch die Saison marschieren“, sagte Steffen. „Enzos Ausfall müssen wir als Team kompensieren.“

Für Gaiser sprach nun auch die Überlegung, dass mit seiner Nominierung nicht gleich das gesamte System auf den Kopf gestellt werden muss, was der Fall wäre, wenn zum Beispiel Braun oder Besar Halimi die Rolle übernehmen würden. Bewusst war den Verantwortlichen auch, dass Gaiser die Rolle anders interpretiert als Marchese. Schließlich ist der 1,92 Meter große Mittelfeldspieler, der seine Berufsausbildung für den Fußball abgebrochen hat, im Vergleich zu dem Italiener ein recht introvertierter Typ. Aber durchaus selbstkritisch. „Ich hätte vor dem ersten Tor vielleicht ein Foul machen müssen“, sagte Gaiser, bei dem speziell im Defensivverhalten Schwächen erkennbar waren, mit denen er am Samstag allerdings nicht alleine stand.

Reutlingen liegt Marco Gaiser

„Marco hat es ganz gut gemacht, kann’s aber noch besser“, sagte Steffen. „Er hat Ansätze von dem gezeigt, was ich mir vorstelle.“ Er bringt andere Qualitäten mit, lebt von seiner Dynamik. Steffen: „Er hat ein geiles Spielverständnis, sicheres Passspiel und ist kopfballstark“ – Letzteres kann man von Marchese nicht gerade behaupten. Dass Fehler und Ballverluste wie gegen den VfB II nicht ausbleiben, hat Steffen einkalkuliert. Aus eigener Erfahrung. „Ich habe mir vor meinen ersten Spielen auch in die Hose gemacht.“

Eine gewisse Nervosität war bei Gaiser schon erkennbar, was allerdings auch an den Umständen lag: „Wenn es in der Mannschaft gut läuft, ist es auch für mich einfacher.“ Am Samstag gegen Cottbus soll es wieder besser laufen, auch weil es ein Heimspiel ist. Reutlingen liegt den Kickers im Allgemeinen, und Gaiser im Besonderen. Schließlich hat der Tübinger beim SSV in der Jugend gespielt, bevor er zu den Kickers II kam. Und auch wenn sich Steffen selten früh festlegt, macht er bei Gaiser eine Ausnahme: „Er wird ziemlich sicher wieder spielen.“ Und warmes Wetter droht auch nicht. Im Gegenteil: bald wird’s kalt.




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