Marivent-Palast in Palma Mallorca nimmt König einen Park ab

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Der Park des Marivent-Palastes in Palma de Mallorca ist endlich fürs gewöhnliche Volk geöffnet. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Der Park gehört samt Palast den Mallorquinern. Doch der Diktator Franco überließ ihn 1973 den spanischen Königen zu ihrem Privatvergnügen. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Ein Besucher betrachtet eine Skulptur von Juan Miro im Park des Marivent-Palastes in Palma de Mallorca Der Park ist jetzt frei zugänglich – außer die königliche Familie weilt zu Besuch. Foto: AFP
Ein Besucher betrachtet eine Skulptur von Juan Miro im Park des Marivent-Palastes in Palma de Mallorca Der Park ist jetzt frei zugänglich – außer die königliche Familie weilt zu Besuch. Foto: AFP

Palma de Mallorca - „Ich habe die Eröffnung mit großer Vorfreude erwartet“, sagt María Campins am Dienstagmorgen einer Reporterin der Zeitung „El País“. Die Mallorquinerin lebt in der Nachbarschaft des Marivent-Palastes zu Füßen der Altstadt von Palma, doch bisher war ihr die Anlage verschlossen. Nur eine einzige Familie aus dem fernen Madrid hatte Zugang zum Palast und den umliegenden Gärten: die spanische Königsfamilie. Seit diesem Dienstag darf auch das gewöhnliche Volk den Park betreten. Campins war eine der ersten Besucherinnen. „Es ist ein wunderschöner Garten“, findet sie.

Ein neuer Park in der Nachbarschaft, das ist immer eine gute Nachricht. Aber in diesem Fall hat die Öffnung der Tore auch Symbolkraft. Die Monarchie lässt an ihren Privilegien rütteln. Palast und Park gehören den Mallorquinern längst, sie haben bisher nur keinen Nutzen davon gehabt. Von jetzt an können sie immerhin einen Teil der Anlage genießen – solange sie Königs nicht stören.

Die Königsfamilie machte Marivent zu ihrem zweiten Zuhause

Ein griechischer Ingenieur, Künstler und Mäzen, Juan de Saridakis, der in Chile zu Reichtum gekommen war, hatte den Marivent-Palast auf einem 33 000-Quadratmeter-Anwesen 1925 in Nachbarschaft des Hafens von Palma errichten lassen. Nach seinem Tod 1963 vermachte die Witwe den Palast der Regionalverwaltung, mit der Vorgabe, ihn in ein öffentlich zugängliches Museum zu verwandeln. Doch daraus wurde nichts. Die Behörden der Franco-Diktatur beschlossen 1973, die Anlage dem Kronprinzenpaar von Spanien zu übergeben. Juan Carlos und Sofía störten sich nicht daran, dass ihr neues Feriendomizil eigentlich anderen Zwecken zugedacht war. Sie machten Marivent zu ihrem zweiten Zuhause.

Aus dem Prinzenpaar wurde 1975, nach dem Tod Francos, Spaniens Königspaar, und Marivent (zu deutsch „Meer und Wind“) wurde sein königliches Sommernest, mit privatem Zugang zum Meer und livriertem Personal. Viele Mallorquiner waren stolz auf die Gäste, die Jetsetglanz auf ihre Insel brachten, während in anderen spanischen Ferienregionen die Politiker murrten, dass es bei ihnen doch auch schön sei. Aber nirgendwo so schön wie in Marivent, fand die Königsfamilie. Und ihre Besucher, von Prinz Charles bis Michelle Obama, fanden das auch.

In der Karwoche und während des königlichen Sommerurlaubs ist der Park tabu

Die Zeiten haben sich aber geändert, jedenfalls ein bisschen. Im Sommer vor drei Jahren übernahm Felipe VI. das Königsamt vom Vater und bei seiner Antrittsrede versprach er den Spaniern eine erneuerte Monarchie. Die linke Regionalregierung der Balearen nahm ihn beim Wort und bat ihn, wenn schon nicht den Marivent-Palast, dann doch mindestens dessen Gärten dem Volk der Balearen zurückzugeben, das für den Erhalt der Anlage jedes Jahr mehr als eine Million Euro ausgibt. Seit Dienstag hat es seinen Park. Wenn auch nur einen kleinen Teil davon, gut 9000 Quadratmeter, und auch nicht das ganze Jahr über: Wenn die Könige in der Karwoche und im Sommer zu Besuch kommen, werden die Gärten für alle anderen geschlossen.

Der Fortschritt ist eine Schnecke. Manche macht das etwas ungeduldig. Der Mallorquiner Rapper Valtónyc, kein Freund der Monarchie, kündigte vor ein paar Jahren in einem Song an: „Eines Tages besetzen wir Marivent mit einer Kalaschnikow.“ Wegen dieses und ähnlicher Sätze wurde er im Februar zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, weil die Richter glaubten, dass er das wörtlich meinte – was aber nicht so war. Wenn Marivent eines Tages sein wird, was es immer sein sollte – ein öffentlich zugängliches Museum –, dann braucht es dazu keine Waffengewalt, sondern ein wenig politischen Druck und viel königliche Einsicht.