InterviewMartin Braun, Sportlicher Leiter der Stuttgarter Kickers „Bei uns wird nicht die große Nervosität ausbrechen“

Von Jürgen Frey 

An diesem Samstag (14 Uhr) setzt Fußball-Oberligist Stuttgarter Kickers seine Mission Aufstieg 2019 fort. Der Sportliche Leiter Martin Braun äußert sich über die die Neuzugänge, das aus dem Ruder gelaufene Testspiel und er sagt, was im Titelrennen für die Blauen spricht.

Setzen auf die Weiterentwicklung der Kickers-Mannschaft: Der Sportliche Leiter Martin Braun (li.) und Trainer Tobias Flitsch. Foto: Baumann 14 Bilder
Setzen auf die Weiterentwicklung der Kickers-Mannschaft: Der Sportliche Leiter Martin Braun (li.) und Trainer Tobias Flitsch. Foto: Baumann

Stuttgart - Wird Torjäger Mijo Tunjic rechtzeitig zum Punktspielstart der Stuttgarter Kickers 2019 fit? Der Sportliche Leiter Martin Braun ist nicht nur bei dieser wichtigen Personalie guter Dinge. Er glaubt auch, dass die vielen erfahrenen Spieler im Team helfen, der Drucksituation Aufstieg gewachsen zu sein.

Herr Braun, die Generalprobe für den Pflichtspielauftakt ging beim Oberliga-Konkurrenten FC Nöttingen mit 2:3 verloren. Was war die wichtigste Erkenntnis?

Die wichtigste Erkenntnis war, dass uns diese starke Nöttinger Mannschaft in einem guten Spiel deutlich gezeigt hat, woran wir noch arbeiten müssen.

Schießen Sie los.

Wir sind in diesem Spiel einfach nicht entschlossen genug in die Zweikämpfe gegangen, dadurch kamen wir immer wieder in Unterzahl, daraus resultierten dann die Gegentore und drei Stück sind einfach erheblich zu viel.

Wie fällt insgesamt Ihr Fazit der Vorbereitung aus?

Durchwachsen. Wir zeigten ein extrem gutes Spiel beim 5:1 gegen den TSV Schott Mainz. Dieses Team ist immerhin Dritter der Oberliga. Wir sind gegen diesen Gegner hervorragend gestanden und haben super Tore herausgespielt. Gegen Regionalligist TSG Balingen haben wir bei unserem 3:2-Sieg auch bewiesen, dass wir uns weiterentwickelt haben, vor allem was die körperliche Robustheit angeht. Aber es gab eben auch Spiele wie gegen Nöttingen, die uns vor Augen führen, dass wenn wir nicht an die Leistungsgrenze gehen, wir Probleme bekommen.

Die Aufstiegskonkurrenten SGV Freiberg und 1. Göppinger Sportverein hatten fast durchweg hervorragende Vorbereitungsergebnisse. Beunruhigt Sie das?

Mir sind diese sehr guten Ergebnisse auch nicht verborgen geblieben. Aber letztendlich gebe ich nicht viel darauf, denn letztendlich sind Vorbereitungsergebnisse Schall und Rauch. Das ist in der Bundesliga nicht anders wie in der Oberliga.

Wie beurteilen Sie die Leistung der Neuzugänge in der Vorbereitung?

Ilias Soultani hat bisher genau das gezeigt, was wir von ihm erwarten: Er strahlt Torgefahr aus und setzt seine Mitspieler immer wieder gekonnt in Szene. Pedro Astray hat etwa nach seiner Einwechslung in Nöttingen auf der Sechser-Position für sehr viel Stabilität in der Defensive gesorgt. Er hat viele Zweikämpfe und Kopfballduelle für sich entschieden. Bei Pedro besticht sein diszipliniertes Auftreten, man sieht, dass er taktisch sehr gut ausgebildet ist. Außerdem ist er genauso wie Ilias Soultani flexibel einsetzbar. Er hat in einem Spiel, welches wir beobachtet hatten, auf fünf verschiedenen Positionen gespielt, auch als zweite Spitze.

Also stehen beiden gegen den SV Oberachern in der Anfangsformation?

Das muss der Trainer entscheiden, aber beide Neuzugänge befinden sich aktuell schon auf einem guten Leistungsniveau.

Reicht’s für Torjäger Mijo Tunjic nach seiner Wadenverletzung für einen Einsatz am kommenden Samstag?

Es sieht sehr gut aus. Er hat vergangenen Samstag wieder mit dem Training begonnen. Ich gehe davon aus, dass Mijo im Kader stehen wird. Ob er von Beginn an spielt, muss man sehen.

Wissen Sie schon wie lange Mittelfeldspieler Lukas Kling nach seiner Roten Karte im Testspiel gegen Landesligist SV Böblingen (3:0) gesperrt wird?

Nein, wir haben unsere Sicht der Dinge beim Verband eingereicht. Ich hoffe, es geht so gut als möglich für Lukas und uns aus.

In dem Testspiel gab es auch zwei Verletzte. Wie geht es ihnen?

Ibrahima As Diakite fällt mit einem Bänderriss drei bis vier Wochen aus. Florijan Ahmeti hat zum Glück keine Gehirnerschütterung. Er hatte aber bis Sonntag Sportverbot.

Wie konnte dieses Testspiel so aus dem Ruder laufen?

Ich möchte dazu nur so viel sagen: Beide Verletzungen resultierten durch harte Foulspiele des Gegners. Und bis heute hat sich von der SV Böblingen niemand erkundigt, wie es den Spielern geht. Das finde ich enttäuschend.

Was wird entscheidend sein, damit die Kickers den Aufstieg packen?

Wir müssen in jedem Spiel 100 Prozent Konzentration und Siegeswillen zeigen. Jedes verschenkte Tor, jeder verschenkte Punkt kann gefährlich werden.

Was spricht für die Kickers?

Unsere Erfahrung spricht für uns. Wir haben viele routinierte Spieler, die mit solch einer anspruchsvollen Situation umgehen können. Ich glaube deshalb, dass in unserer Mannschaft in der entscheidenden Phase nicht die große Nervosität ausbrechen wird. Gepaart mit einer gesunden Portion Selbstüberzeugung und dem Rückhalt durch unsere Fans kann dies am Ende den Unterschied ausmachen.

Wie wichtig wird der Start gegen den SV Oberachern?

Vor der Winterpause war die Partie gegen den SSV Reutlingen sehr wichtig. Jetzt ist die Partie gegen den SV Oberachern sehr wichtig. Im Prinzip stehen wir Woche für Woche vor der selben Situation.

Das für 23. Februar angesetzte Spiel beim 1. Göppinger Sportverein wurde auf 22. April verlegt. Dadurch hinken die Kickers bis Ostermontag ein Spiel hinterher. Ein Nachteil?

Wir können es nicht ändern und müssen damit leben. Das wird sich auf die Entscheidung am Saisonende nicht auswirken.

Was wünschen Sie sich für die Rückrunde?

Dass wir stabil bleiben, die notwendige Klarheit und Überzeugung auf den Platz bringen, dann werden wir unser Ziel erreichen.