Marktplatz in Stuttgart Wasserfontäne ist umstritten

Von Josef Schunder 

Der Marktplatz in Stuttgart bedarf schon lange der Sanierung. Jetzt sucht die Stadt per Ausschreibung einen Planer. Die Verwaltung und die Stadträte melden erste Wünsche an, Diskussion gibt’s um geplante Wasserspiele.

Der Stuttgarter Marktplatz soll neu gestaltet werden. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Der Stuttgarter Marktplatz soll neu gestaltet werden. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Vor dem Rathaus wird es auch nach dem Umbau des Marktplatzes keine Baumreihe geben. Und ob vor der Buchhandlung Osiander (früher Bürobedarf Haufler) ein Feld für Wasserfontänen in den neuen Belag eingelassen wird, ist noch sehr die Frage. Darauf deuten die jüngsten Stellungnahmen der Gemeinderatsgruppierungen zum Umbauprojekt hin.

Von der Baumidee, die auch im städtischen Gestaltungsbeirat keine Freunde fand, hat man sich verabschiedet. Ein Nassbereich, der bei Bedarf auch leicht stillgelegt werden kann, ist für die Stadtverwaltung und die CDU zwar noch „gesetzt“, wie Städtebaubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) vor ein paar Tagen sagte, doch bei den anderen Gruppierungen im Gemeinderat gibt es zum Teil gravierende Bedenken.

Außengastronomie wäre „noch wichtiger“

„Bitte nicht!“, sagte der Chef der Freien Wähler, Jürgen Zeeb, dazu. Diese Fontänenfelder seien nach dem Bau oft nicht in Betrieb. Mit Kosten seien sie aber auf jeden Fall verbunden. Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne) sprach von 500 000 Euro. Der Bezirksbeirat habe auch ein Problem mit dem Wasserfontänenfeld. Ralph Schertlen (Stadtisten) erklärte es schlicht für „unnötig“, als der Umwelt- und Technik-Ausschuss jetzt die europaweite Ausschreibung des Planungsauftrages für den Marktplatz beschloss und zuvor über Gestaltungsdetails diskutierte. Michael Conz sprach für die FDP ein klares „Nein“ aus. Als entschiedener Befürworter neben der Verwaltung und der CDU gab sich nur Bernd Klingler (AfD) zu erkennen: weil das Wasser für Kinder und Eltern ein Anziehungspunkt wäre. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz räumte freilich auch ein, dass der Wiedereinzug der Außengastronomie auf dem Marktplatz nach dem Abzug des Café Scholz „noch wichtiger“ sei als die komplette Platzsanierung. Im aktualisierten Gestaltungskonzept der Verwaltung für Marktplatz, Münz- und Marktstraße ist dafür eine 150 Quadratmeter große Teilfläche vorgesehen: Direkt vor den breiten Stufen, über die man zu dem Gehweg vor der Rathaustreppe kommt, darf der Ratskeller bewirten.

Breuninger soll beim Markbrunnen bewirten dürfen

Breuninger will man 210 Quadratmeter Gastrofläche beim Marktbrunnen und vor der Kaufhausfassade genehmigen. Dem Bezirksbeirat ist dabei wichtig, dass nach Schließung der Straßenwirtschaften und in kalten Jahreszeiten „nicht Haufen zusammengerückter Möbel rumstehen“, wie Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle sagte.

Die Hoffnung, dass künftig bei Veranstaltungen keine langen Wasserschläuche und Stromkabel über den Platz verlaufen, ist im Rathaus groß. Dafür will man mit Einbauten unter und in dem Belag sorgen. Zum Glück ist unter dem Marktplatz ein Bunker. Das erleichtert die Installationen.

Diese Woche ist allerdings erst die Suche nach dem richtigen Planungsbüro gestartet worden, mit dem man das Gestaltungskonzept verfeinern will. Allein dieses Verfahren wird mindestens sechs Monate dauern. Der Umbau selbst soll, wenn irgend möglich, noch Ende 2019 beginnen. Die Kosten für den Platz und die beiden angrenzenden Straßen sind mit 8,4 Millionen Euro beziffert – einschließlich einer neuen Beleuchtung, die den Platz, den Brunnen und das Rathaus nachts besser in Szene setzt.

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