Maschinenbauer Trumpf setzt auf Software und Start-ups

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Der Maschinenbauer treibt die Digitalisierung voran und investiert in Zukunftsfelder. Zudem soll 3D-Druck für Wachstum und neue Jobs sorgen.

Vernetzung wird immer wichtiger: Eine Trumpf-Mitarbeiterin an einer Laser-Stanz-Maschine – der TruMatic 6000 Foto: dpa
Vernetzung wird immer wichtiger: Eine Trumpf-Mitarbeiterin an einer Laser-Stanz-Maschine – der TruMatic 6000 Foto: dpa

Ditzingen - Großes Potenzial sieht Trumpf im 3D-Druck. Der erste Maschinentyp kam bereits auf den Markt, eine zweite noch größere und leistungsfähigere Maschine soll im Herbst kommen. Für das neue Verfahren plant Trumpf insgesamt vier Maschinentypen. Trumpf-Vizechef Peter Leibinger rechnet, dass dieser Bereich bis in acht Jahren etwa eine halbe Milliarde Euro Umsatz bringen könnte. Bislang arbeiten in der Sparte 75 Beschäftigte. Allein im laufenden Geschäftsjahr sollen hier bis zu 100 Mitarbeiter eingestellt werden – der Großteil davon in Ditzingen. Weitere 100 neue Stellen sollen im darauffolgenden Jahr geschaffen werden.

Erstmals mehr Mitarbeiter im Inland als im Ausland

Bereits im vergangenen Geschäftsjahr kamen neue Arbeitsplätze im Inland dazu – abgesehen von den 50 Jobs, die im Elektronikbereich in Freiburg sozialverträglich abgebaut wurden. Von den weltweit 11 181 Mitarbeitern beschäftige Trumpf 5626 im Inland, das waren 213 mehr als im Jahr zuvor. „Damit beschäftigen wir erstmals wieder mehr Mitarbeiter in Deutschland als im Ausland“, sagte Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller. Insbesondere bei der Entwicklung finde inzwischen eine Konzentration in Deutschland statt, sagte ihr Bruder Peter Leibinger. Etwa 1200 der weltweit 1750 Entwickler arbeiteten in Deutschland. „Bei der langfristig ausgelegten Technologieentwicklung sehen wir den Kern in Deutschland“, so Leibinger.

„Wir können die externen Faktoren, das Geschehen an den Märkten und die Entwicklungen in der Politik nicht beeinflussen. Umso stärker sind wir gezwungen, die Dinge anzugehen, die wir beeinflussen können“, sagte die Trumpf-Chefin mit Blick auf Engagements in Sachen Software und Start-ups, aber auch zum Bündnis für Arbeit 2021 und dem agilen Arbeiten. Einer der Hauptpunkte dabei ist, wie bereits berichtet, dass bei Trumpf nicht mehr die Wochenarbeitszeit, sondern die Jahresarbeitszeit entscheidend ist, und die Arbeitszeit entsprechend dem Arbeitsanfall geregelt werden kann.

Viel verspricht sich der Maschinenbauer von der jüngst gegründeten Wagniskapitalgesellschaft, mit der man zukunftsträchtige Start-ups untersützen will. „Es ist nach der Gründung der Trumpf Bank das zweite Mal, dass wir uns mit einer Neuerung in den Finanzbereich vorwagen“, sagte die Trumpf-Chefin. In den nächsten fünf Jahren will Trumpf insgesamt 40 Millionen Euro für Minderheitsbeteiligungen von zehn bis 20 Prozent ausgeben – in Themen investieren, die nicht Kerngeschäft von Trumpf sind, aber thematisch dazu passen. Zwei konkrete Investitionen sind noch für dieses Jahr geplant. Auch in Sachen Software und damit Industrie 4.0 drückt Trumpf aufs Tempo. Die noch recht junge Trumpf-Tochter Axoom – eine Plattform, die die gesamte Wertschöpfungskette einer Fertigung vernetzt – hat bereits rund ein Dutzend industrieller Partner, darunter beispielsweise Zeiss und Sick. Mittlerweile hat Trumpf weitere „sinnvolle Ergänzungsakquisitionen“ getätigt. Xetics, ein Softwarehersteller in Stuttgart, der sich auf Fertigungssteuerungssysteme für kleine und mittlere Firmen spezialisiert hat, und C-Labs in Redmond (USA). Eine Firma, die Softwarelösungen für hochsichere und einfache Erfassung und Übertragung von Maschinendaten in der Produktion anbietet.

Trumpf will von der Elektromobilität in China profitieren

Im vergangenen Geschäftsjahr 2015/2016, das am 30. Juni endete, stieg der Trumpf-Umsatz um 3,4 Prozent auf 2,81 Milliarden. Knapp 80 Prozent wurden im Ausland erzielt. Neben der Konjunkturschwäche in China und Brasilien bekam Trumpf auch die Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland sowie die Unsicherheit in Europa vor dem Brexit-Votum zu spüren. „Derzeit tätigen nur Großkunden Investitionen, kleine Unternehmen warten ab“, sagte die Trumpf-Chefin und sprach von einem „Jahr des Wandels“, das Trumpf gut gemeistert habe. Das Ergebnis vor Steuern lag zwar mit 303 Millionen Euro um 15,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Rechnet man aber den Einmaleffekt aus dem Verkauf des Geschäftsbereichs Medizintechnik heraus, wäre das um diesen Sondereffekt von 72 Millionen Euro bereinigte Ergebnis um 6,3 Prozent höher ausgefallen. Leibinger-Kammüller sprach von einer sehr guten Umsatzrendite von 10,8 Prozent.

In diesem Jahr will Trumpf unter anderem vom Ausbau der Elektromobilität in China profitieren, wo man beispielseise Maschinen für die Fertigung von Batteriezellen liefert, aber auch für hocsichere Autokarosserien. Auch bei der Smartphone-Produktion sind Trumpf-Maschinen im Einsatz. Im laufenden Jahr rechnet Trumpf mit einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Ein starkes erstes Quartal stimme hoffnungsfroh, sagte Trumpf-Chefin Leibinger-Kammüller.

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