Masken-Streit in Idar-Oberstein Psychologe stellt Corona-Auflagen als Grund für tödlichen Schuss infrage

Die Polizei sperrte den Tatort ab. Foto: dpa/Christian Schulz
Die Polizei sperrte den Tatort ab. Foto: dpa/Christian Schulz

In Idar-Oberstein hat ein 49-Jähriger nach einem Masken-Streit einen Tankstellen-Kassierer erschossen. Kriminalpsychologe Rudolf Egg fordert eine genaue Untersuchung des Falls.

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Idar-Oberstein - Im Fall des tödlichen Schusses auf einen Tankstellen-Kassierer muss nach Einschätzung des Kriminalpsychologen Rudolf Egg das Aggressionspotenzial des Täters genau untersucht werden. „Man muss bei einer Tat immer unterscheiden zwischen dem unmittelbaren Anlass und dem eigentlichen Grund“, sagte der Fachmann aus Wiesbaden der Deutschen Presse-Agentur. „Was da wirklich an diesem Tag und an diesem Abend war, worüber er sich noch geärgert hat“, sei noch völlig unklar. Möglicherweise habe der Verdächtige ganz andere Gründe als die Corona-Auflage gehabt.

Der 49 Jahre alte Deutscher hatte laut Staatsanwaltschaft gesagt, er lehne die Corona-Maßnahmen ab. Zum Motiv der Tat im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein habe er angegeben, die Situation der Corona-Pandemie belaste ihn stark. Er habe sich in die Ecke gedrängt gefühlt und „keinen anderen Ausweg gesehen“, als ein Zeichen zu setzen.

Motiv bleibt ungewiss

„Niemand, der auch nur halbwegs vernünftigen Verstandes ist, wird einen ihm völlig unbekannten jungen Mann einfach deshalb erschießen, weil er sagt: „Du musst jetzt eine Maske aufsetzen!““, betonte Egg. „Das ist kriminalpsychologischer Nonsense.“ (Unsinn)

Der pensionierte Kriminalpsychologe Egg war mehrere Jahre Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention sowie Direktor der Kriminologischen Zentralstelle des Bundes und der Länder.

Maske nur der letzte Tropfen

Bei den Entstehungszusammenhängen der Tat müsse man „sehr, sehr aufpassen“, mahnte Egg. „Manchmal ist es nur zeitlich miteinander verknüpft, ohne wirklich ursächlich zu sein.“

„Der letzte Tropfen, der das Fass der Aggressivitätsneigung zum Überlaufen gebracht hat, den kann man nicht als die Ursache ansehen“, berichtete Egg aus seiner langjährigen Erfahrung. „Da wäre im nächsten Moment was anderes der Fall gewesen.“ Als Beispiele nannte er eine missachtete Vorfahrt oder jemanden, der nicht grüßt. „Bei Personen, die ein Gewaltpotenzial haben und so unter Druck stehen, ist es fast egal.“ Sie nähmen jede Einschränkung als Anlass.

Viele orientierten sich bei ihrer Tat „an dem, was zeitgeistig vorhanden ist“. Über Corona-Auflagen ärgerten sich viele Menschen, in einigen Ländern seien sie ja auch bereits abgeschafft. „Es gibt eine reale Diskussion, die aber auf einem vernünftigen Level abläuft, und es gibt Personen, für die ist das der Anlass, sich da reinzuklinken, ohne dass man sagen kann, das ist jetzt genau deswegen.“




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