Maßhalten in der Schwangerschaft Schwere Mutter, schweres Kind

Von Regine Warth 

Übergewichtige Schwangere schaden ihrem ungeborenen Kind und erhöhen dessen Risiko, selbst dick zu werden.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Übergewicht bei Kindern und der Fettleibigkeit ihrer Mütter während der Schwangerschaft. Foto: dpa
Es gibt einen Zusammenhang zwischen Übergewicht bei Kindern und der Fettleibigkeit ihrer Mütter während der Schwangerschaft. Foto: dpa

Stuttgart - Wer schwanger ist, lernt den Verzicht. Die Absage an Alkohol und Zigaretten leuchtet ebenso ein wie der Verzicht auf Lebensmittel, die ein Infektionsrisiko bergen, so zum Beispiel Rohmilchkäse. Doch auch Süßigkeiten und andere kalorienreiche Nahrung sollten vom Speiseplan gestrichen werden. Denn – das belegen Studien – Übergewicht schadet dem Kind schon im Mutterleib. Zum einen erhöht sich das Risiko für Stoffwechselerkrankungen, zum anderen kommt es schon viel zu schwer zu Welt. „Ein Kind wird nicht nur dann übergewichtig, wenn es sich falsch ernährt oder zu wenig bewegt“, sagt Regina Ensenauer, die an der Kinderklinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München in diesem Bereich forscht.

Die Kindermedizinerin Ensenauer hat mit einem Forscherteam der Unis Düsseldorf und München im Jahr 2010 eine große Mutter-Kind-Kohorte namens Peaches (Programming of Enhanced Adiposity Risk in Childhood) gestartet, in der bislang 1700 Frauen von der Schwangerschaft bis zur Geburt des Kindes und dann bis zu dessen Einschulung beobachtet und untersucht werden. Grundvoraussetzung für die Teilnahme: Die Mütter hatten schon während der Schwangerschaft ausnahmslos alle einen BodyMass-Index (BMI) von mindestens 30. Die Studie ist noch im Gange, doch schon jetzt sieht Ensenauer den Verdacht bestätigt, dass bereits im Mutterleib die Weichen für das spätere Gewicht des Kinde gestellt werden. „Wie genau das vor sich geht, wissen wir noch nicht abschließend.“

Die Ernährung in den ersten 1000 Tagen ist wichtig

Aber offensichtlich führt zu viel Zucker oder Fettsäuren in der Ernährung der Mutter zu Veränderungen an der Plazenta. Möglich wäre es, dass auf diese Weise das spätere Essverhalten des Kindes beeinflusst wird, ebenso auch dessen Stoffwechsel. Weshalb diese Kinder später auch eher einen Diabetes entwickeln. Regina Ensenauer plädiert daher dafür, der Ernährung während der Schwangerschaft mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Diese Forderung wird von einer weiteren internationalen Studie gestützt, dem sogenannten Early-Nutrition-Projekt, das von der Europäischen Union gefördert wird und in diesen Tagen enden wird. Auch hier wurde weltweit unter anderem untersucht, wie die Ernährung, die Gesundheit und der Lebensstil von Schwangeren das spätere kindliche Risiko für Adipositas und die damit verbundenen Erkrankungen wie Diabetes beeinflussen können. „Beobachtungsstudien zeigen, dass die Ernährung in den ersten 1000 Tagen – also während der Schwangerschaft und in den ersten beiden Lebensjahren des Kindes – lebenslange Effekte hat“, sagt der Projektleiter Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung für Stoffwechsel und Ernährung am Dr.-von-Haunerschen-Kinderspital der LMU in München.

Sein Rat: Frauen mit Kinderwunsch sollten sich einem Normalgewicht annähern, während der Schwangerschaft körperlich aktiv bleiben und die Energiezufuhr durch das Essen nur gering steigern. Nach der Geburt sei Stillen die beste Art, das Kind gesund zu ernähren. Für nicht oder nicht voll gestillte Säuglinge sollten bevorzugt Säuglingsanfangs- und Folgenahrung mit niedrigem Eiweißgehalt, aber guter Eiweißqualität ausgewählt werden. Eine ärztliche Beratung vor der Schwangerschaft, die auf diese Kernbotschaften abzielt, sei daher um ein Vielfaches effektiver als jede Diät im späteren Erwachsenenalter, ist sich Berthold Koletzko sicher. „Die Beratung ist einfach umzusetzen und bietet einen ungeheuren präventiven Vorteil.“

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