Max Giesinger in der Liederhalle Mit Kinderchor und Häschenohren

Von Christof Hammer 

Max Giesinger mischt bei seinem Konzert in Stuttgart große Gefühle mit leicht skurrilen Momenten.

Max Giesinger bei seinem Auftritt in der Stuttgarter Liederhalle Foto: Lichtgut/Julian Rettig 6 Bilder
Max Giesinger bei seinem Auftritt in der Stuttgarter Liederhalle Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Immerhin: Katzenvideos hat er nicht auch noch vorgeführt. Aber einen Kinderchor konnte sich Max Giesinger tatsächlich nicht verkneifen. Sein Konzert im mit rund 3200 Besuchern ausverkauften Beethovensaal der Liederhalle biegt gerade auf die Zielgerade ein, da holt Giesinger tatsächlich vier Bambini aus dem Publikum auf die Bühne – als finalen Emotionsbooster eines Abends, der sich ganz der Inszenierung großer Gefühle verschrieben hat. Wer die Gilde der neuen deutschen Popmusiker wie Mark Forster, Joris, Wincent Weiss, Tim Bendzko oder Andreas Bourani als Befindlichkeitspoeten wahrnimmt, als Club der sanften Dichter, der einzig von der demonstrativen Inszenierung von Sensibilität als kleinstem gemeinsamem Nenner lebt: Dieser Auftritt des Pop-Poeten aus Waldbronn nahe Karlsruhe bestätigte Fans wie Kritiker in ihren Ansichten.

Vollständig als musikalischen Seelenstreichler, als Protagonist eines Lebensgefühls, das auch jedes noch so normale Alltagsereignis zum großen Daseinsevent hochstilisiert, zeigt sich Max Giesinger im Beethovensaal; so sieht er sich selbst, nichts anderes will er sein. Eine fünfköpfige Band beliefert ihn dazu mit einem gefälligen, ziemlich laut vorgetragenen Poprock-Sound, der so sehr im Allgemeinen bleibt, dass er sich problemlos in allerlei benachbarte Formate verwandeln kann.

Immer in der Wohlfühlzone

Auf einer Zweitbühne im Innenraumbereich geht es für rund ein halbes Stündchen weitgehend akustisch zu. Bis hinein in Country-Gefilde und zu einer Klavierballade reicht die Klangpalette, Melodica, Akkordeon und Violoncello bringen weitere Farbtupfer ins Spiel. Und um aus seiner Wohlfühlzone herauszukommen und künstlerisch beweglich zu bleiben, spiele man immer mal wieder Songs jenseits des üblichen Repertoires, erklärt Giesinger in der Mitte des Abends. Also darf ein Publikumsgast Zettelchen mit Songtiteln aus einem Rucksack fischen; der arme Kerl, der diesen Rucksack auf die Bühne trägt, muss sich für seinen Auftritt ernsthaft Häschenohren aus Plastik auf den Kopf setzen. Dass sich dieser ansonsten von viel Beziehungsschmerz und großen Lebensfragen geprägte Abend einfach auch mal eine Portion Humor gönnen möchte, geht dabei völlig in Ordnung – wie ungeniert er dafür aber auf Klamauk setzt, wo er ansonsten bedeutungsschwer seine Seelenlasten vor sich herträgt, irritiert freilich doch.

Ach ja: „Gangsta’s Paradies“ von Coolio, die Simply-Red-Ballade „If You don’t know me by now“ und „Girls just wanna have Fun“ von Cindy Lauper stehen schließlich auf den Zettelchen, doch der angekündigte Kurswechsel bleibt Schall und Rauch. Als Hit-Medley spielen Giesinger und seine Band dieses Dreierpaket, verharren dabei aber vollständig in ihrer Wohlfühlzone, streifen das Abgründige, Melancholische und Überschwängliche dieser drei Kompositionen nur an der Oberfläche. Anschließend knallen noch Konfettikanonen, Lamettagirlanden regnen auf die Besucher herab und eine Reise durch das Giesinger-Oeuvre vom Debüt „Laufen lernen“ (2014) bis zur aktuellen Platte „Die Reise“ endet mit den Hits „80 Millionen“ und „Für immer“ vom 2016er-Album „Der Junge, der rennt“. Das ist dann der Schlusspunkt eines Abends, der die Klaviatur großer Gefühle auch mit mancherlei Eigenartigkeiten bespielt hat.




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