Maybrit Illner und die US-Wahlen Thomas Gottschalk: „Ich liebe Amerika“

Der Moderator Thomas Gottschalk lebt in Florida und plauderte bei Maybrit Illner. Foto: dpa/Sven Hoppe
Der Moderator Thomas Gottschalk lebt in Florida und plauderte bei Maybrit Illner. Foto: dpa/Sven Hoppe

Bei der Talkrunde von Maybrit Illner im ZDF bestreitet Trump-Kritiker John Bolton, dass die USA im Chaos versinken. Thomas Gottschalk spricht über Vorzüge der Trump-Zeit, und ein US-Unternehmer rastet aus.

Politik: Christoph Link (chl)

Stuttgart - Am Anfang war sie staatspolitisch, und am Ende war die Talkrunde von Maybrit Illner am Donnerstagabend doch nah dran am echten Leben und der Frage, warum eigentlich noch so viele Bürger in den USA ihre Stimme Donald Trump gegeben haben. Zugeschaltet aus den USA war der ehemalige Nationale Sicherheitsberater und jetzige Kritiker von Donald Trump – John Bolton – und gab eine beruhigende Erklärung ab: Nein, die USA werden nicht im Chaos versinken, sagte Bolton. „Wir haben Erfahrung mit knappen Wahlergebnissen, das System hat Garantien dafür.“

Der Präsident wird gewählt – egal, ob Klagen anhängig sind

Die frühzeitige Behauptung von Trump, dass ihm Stimmen „gestohlen“ worden seien, die sei „verantwortungslos“ und ohne Beispiel in der amerikanischen Geschichte. Natürlich könne Trump vor die Gerichte ziehen, bis hin zum Obersten Gerichtshof (Supreme Court), aber bisher habe er wohl keine Beweise für eine Wahlfälschung, und auch der Supreme Court werde sich ganz genau anschauen, wie die Wahlverfahren in den einzelnen Bundesstaaten aussehen. Biden sagte, er sehe keine Hinweise auf einen Wahlbetrug, aber vielleicht gebe es Unregelmäßigkeiten, doch die kämen ja bei jeder Wahl vor. Im übrigen werden die Wahlmänner Mitte Dezember ihre Stimme für einen Präsidenten abgeben – „egal ob da Klagen vor Gericht anhängig sind oder nicht“.

John Bolton zieht eine Parallele zum Abgang von Nixon 1974

An Trump ließ John Bolton kein gutes Haar, der sei eine „Anomalie“, der sei gar kein konservativer Republikaner, aber dass er im Falle einer Niederlage das Weiße Haus nicht freiwillig verlassen werde, das kann sich Bolton auch nicht vorstellen. Die Verfassung sei da „sehr stabil“. Aber besonders „anständig“ werde Trump das Weiße Haus wohl auch nicht verlassen. Und wenn nachgeholfen werden muss? Das werde dann ein „Charaktertest“ für die US-Republikaner, so Bolton: „Sie haben damals auch Nixon gesagt, du bist untragbar, du musst zurücktreten.“ Gemeint ist die Watergate-Affäre von 1974, als der damalige Präsident Richard Nixon sein Amt aufgeben musste.

Trump hat massiv zugenommen – und korrigierte die Maße beim Schneider

Aber woher rührt der – aus europäischer Sicht – doch verhältnismäßig hohe Wählerzuspruch für Donald Trump? Mal abgesehen von der in den USA arbeitenden Publizistin Constanze Stelzenmüller – „Wer Diktatoren umarmt und Demokraten wegstößt, der untergräbt die Demokratie weltweit“ – konnten alle Gäste von Maybrit Illner trotz heftiger Kritik an der Person des US-Präsidenten in Nebensätzen doch auf leichte Erfolge von ihm hinweisen. „Er hat das Thema China angesprochen“, sagte beispielsweise die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock, und man müsse doch Lehren aus dem Populismus in den USA auch für Deutschland und Europa ziehen. Werden hier Menschen übersehen?

„Trump hat einen an der Waffel“, meinte der in den USA lebende deutsch-amerikanische Landmaschinen-Unternehmer Martin Richenhagen. Im übrigen hätten er und Trump denselben Schneider, Ali, und da Trump massiv zugenommen habe, sei der bei Ali gewesen, doch als der die neuen Maße genommen habe, da habe der Präsident die Werte nach unten korrigiert. „Trump ist ein seltsamer Mensch“, so Richenhagen, der dann aber auch erzählte, dass sich seine Geschäfte „trotz Trump“ prächtig entwickelt hätten. Selbstverständlich seien die Steuersenkungen gut gewesen und Trump habe sich im Handelskrieg mit China als „schlechter Schachspieler“ erwiesen, aber die Rückführung der im Ausland versteuerten Gewinne in die USA habe massiv den Investitionen im Lande geholfen. Trump habe auch „die einfachen Leute als Potenzial entdeckt“, für die habe sich doch keiner interessiert, so der Wirtschaftsmann.

Gottschalks Portfolio in den USA hat sich unter Trump gut entwickelt

Ähnlich äußerte sich die Biden-Sympathisantin Sudha David-Wilp vom German Marshall Fund – „Biden hat die Fähigkeit, die Spaltung zu überbrücken“ – , die allerdings auch darauf hinwies, dass Trump schon 2016 „effektiv“ auf „Law and order“ gesetzt habe, an die endlosen Kriege erinnert und das gebrochene Einwanderungssystem angeprangert habe. Jetzt sei es ihm gelungen, Joe Biden als Shutdown-Demokraten darzustellen.

Zwiespältig waren auch die Äußerungen vom in Malibu (Kalifornien) und Baden-Baden lebenden Moderator Thomas Gottschalk, der meinte, dass Trump eigentlich nur ein Entertainer und Reality-Star sei und ins Fernsehen passe, aber keine Politik mit der Verantwortung für Millionen Menschen machen könne, der aber auch einräumte, dass sich in der Trump-Zeit „mein Portfolio in den USA auch besser entwickelt hat“ – jedenfalls besser als in Deutschland. Gottschalk zog sich etwas Unmut in der Runde zu, da er Joe Bidens intellektuelle Kompetenz anzweifelte und – „Wir weißen alten Männer sind ja die einzigen, die man heute noch ungestraft diskriminieren darf“ – ihn als „keine Lichtgestalt“ bezeichnete. Als Kritiker der USA wollte Gottschalk aber nicht da stehen: „Ich liebe Amerika – wegen der Leichtigkeit der Menschen hier. Ich werde immer ein Amerika-Fan bleiben.“

„Nein, den lasse ich nicht ausreden!“

Öffentlich-rechtliche Sender sind ausgewogen, und Maybrit Illner hatte auch einen Trump-Anhänger eingeladen, den Vertreter der Republikaner in Deutschland, Benjamin Wolfmeier. Der hatte allerdings einen schweren Stand. Wolfmeier, mit rotem Schlips, wies darauf hin, dass Trump ein US-Präsident gewesen sei, der noch nie einen Krieg angefangen habe, er verteidigte dessen Wahlanfechtungen und warf den Demokraten vor, sie wollten Abtreibungen bis zur Geburt möglich machen. Aber bei jeder Wortmeldung Wolfmeiers platzte dem Unternehmer Richenhagen der Kragen, und er fiel ihm ins Wort: Wie könne da einer „große Sprüche machen“, der gar nicht in den USA lebe, Wolfmeier verbreite „nur Unwahrheiten“. Und, so polterte Richenhagen auf eine Mahnung von Illner wegen ständiger Unterbrechungen des Gegners hin: „Nein, den lasse ich nicht ausreden! Es ist unmöglich, dass der überhaupt eingeladen worden ist“. Und was die Friedfertigkeit Trumps anbelange, da solle man doch mal auf die Straßen in den USA schauen. Da kämpften Leute gegeneinander: „Und Trump gießt Öl ins Feuer!“




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