Metropol-Kino in Stuttgart Freunde des Traditionskinos demonstrieren erneut für den Erhalt

Fast 100 Menschen haben sich auf der Bolzstraße eingefunden, um für den Erhalt des Metropols zu demonstrieren. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone 6 Bilder
Fast 100 Menschen haben sich auf der Bolzstraße eingefunden, um für den Erhalt des Metropols zu demonstrieren. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Erneut haben sich am Donnerstagabend vor dem Stuttgarter Metropol-Kino Freunde und Kulturschaffende zusammengefunden, um für den Erhalt des Kinos zu demonstrieren.

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Stuttgart - Wie Sonne, Strand und tropische Drinks mixen sich Konga-Rhythmen Saxophon-Licks und Stimmen. „Der Sound des Sommers – Hif Anga Belowi &Friends!“ Mit Verve stellte Kolumnist Joe Bauer nicht nur die Band des kongolesischen Saxofonisten und Komponisten vor, sondern später auch den ivorischen Tänzer Yahi Nestor Gahe. Der bot mit Djembé-Meister Bakary Koné einen gefühlvollen Dialog aus Musik und Tanz.

Die Kunstschaffenden unterstützten die Initiative „Rettet das Metropol“ wie die fast 100 Menschen, die sich wieder in der – diesmal offiziell abgesperrten, Bolzstraße – einfanden, um „auf Abstand und in den Köpfen zusammen“ für den Erhalt des historischen Kino-Gebäudes einzustehen. „Die siebte Kundgebung!“, so Moderator Bauer. „Schön, dass ihr bei der Hitze da seid.“ Bei der ersten am 1. Februar 2021 sei es sehr kalt gewesen. Damals habe man sich vor dem Rathaus getroffen, als drinnen die Gespräche über die Zukunft des Metropols stattfanden.

Protest gegen geplante Boulderhalle

Weil dessen Eigentümer, die Union Investment, einen Vertrag mit einer Boulderfirma hat, könnte hinter der denkmalgeschützten Fassade eine Kletterhalle einziehen. „Unsere viereinhalb Monate Protest haben bewirkt, dass der Umbau noch nicht begonnen hat“, so Bauer. „Wir brauchen hier einen Ort für Film und spartenübergreifende Kunst und Kultur.“ Seit langem fehle eine solche interkulturelle Spielstätte für internationale Begegnungen und Dialoge, die neue Perspektiven, Präsentationsformen und Praktiken, damit Lebensrealität spiegelten.

Ein solches Haus sei vor allem auch wichtig, um jungen Menschen, die keinen Zugang zur Kultur hätten, diesen zu ermöglichen, betonte Urata von der Stuttgarter Migrantifa. Die Gruppe engagiert sich gegen Rassismus und Racial Profiling. „Letztlich geht es hier um eine soziale Frage“, so Urata. „Kultur ist von gesamtgesellschaftlichem Interesse, weil es zur Qualität des Zusammenlebens beiträgt.“

Das Gesamtgesellschaftliche im Gegensatz zu Einzelinteressen betonte Goggo Gensch, der die Metropol-Initiative anstieß. Der Filmemacher und Kurator berichtete, dass die Boulderunternehmer sich bisher nicht für eine der sechs Standort-Alternativen der Stadt erwärmen konnten. Und dass statt Oberbürgermeister Frank Nopper – obwohl er das Metropol zur Chefsache erklärt habe – am 21. Mai der Erste Bürgermeister Fabian Mayer und Kulturamtschef Marc Gegenfurtner die 4798 Unterschriften entgegennahmen, die Gensch und Co. per Petition sammelten.

Demonstranten fordern Freiräume Jugendliche

Sei die Metropolzukunft noch unklar, sei wohl der Neubau des kommunalen Kinos gesetzt, so Gensch. Es soll auf der Fläche des Breuninger Parkhauses bis 2027 entstehen. „Die Mittel sind bewilligt, es ist mit dem Label der IBA, der Internationalen Bauausstellung geadelt. Hier hätten wir ein ideales Gebäude.“ Fraglich, ob man in Zeiten des Klimawandels alles neu bauen müsse, meinte er. Und wies darauf hin, dass just online und per Live-Stream laufe, was sonst im Metropol gastierte: das SWR Doku Festival und der Branchentreff Dokville. „Hoffen wir, dass wir bald wieder hier den roten Teppich ausrollen können.“ Auch der Verein Haus für Film und Medien Stuttgart könne sich vorstellen, zwischenzeitlich im Metropol zu kuratieren.

Filmproduzent Peter Rommel – ein Stuttgarter in Berlin – machte das Ringen um das Metropol und die Absperrung der Freitreppe als originäres hiesiges Problem aus. Zuvor hatte Joe Bauer die Bauzäune am Kleinen Schlossplatz als Dorfpolitik und Versagen benannt, die keine Probleme lösten. Rommel nickte: „Auch uns ging es damals so. Aber Jugendliche brauchen freie, neue Räume, die sie selbst definieren können. Orte, wo sie sich aufhalten können ohne konsumieren zu müssen oder im Club abgezockt zu werden.“ Nur wo Freigeist und nationenübergreifender Austausch möglich sei, in kleinen Zellen ohne Druck und Regeln, gedeihe Kreativität. „Damit Kunst entstehen kann.“




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