MHP Riesen Ludwigsburg FC Schalke 04 gibt auf – zumindest im Basketball

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Die Basketball-Bundesliga mit den MHP Riesen Ludwigsburg hofft noch auf eine Fortsetzung der Saison. Dafür hat in der zweiten Liga Schalke 04 bereits das Handtuch geworfen – folgen noch mehr Clubs?

Schalke setzt auf die Karte Fußball – da ist kein Platz und Geld für Basketball mehr. Foto: AP
Schalke setzt auf die Karte Fußball – da ist kein Platz und Geld für Basketball mehr. Foto: AP

Stuttgart/Ludwigsburg - Verlängerung der Kontaktsperre bis mindestens 3. Mai, so lautete am Mittwoch die Botschaft der Politik in der Corona-Krise. Als Alexander Reil das vernommen hatte, hellte sich seine Miene nicht gerade auf. „Was soll zu dem Zeitpunkt anders sein als jetzt?“, fragt der Basketball-Funktionär. Die Antwort kennt keiner. Aber es gibt aktuell eben wohl noch die Abläufe der schrittweisen Lockerung in Zeiten von Corona zu überdenken. In einem Denkprozess befindet sich seit Wochen schon die Basketball-Bundesliga (BBL), die ihren Spielbetrieb zunächst einmal unterbrochen hat und am 30. April entscheiden will, ob und wie es weitergeht. Die Verlängerung der Kontaktsperre kommt da nicht gerade gelegen.

Doch was kommt in diesen Tagen schon gelegen? Unterhalb der ersten Liga ist der Spielbetrieb längst eingestellt worden, aus der ProA (zweite Liga) sollen die beiden zwei Tabellenbesten zum Zeitpunkt des Abbruchs – Niners Chemnitz und Eisbären Bremerhaven – ein Aufstiegsanrecht bekommen. In den unteren Ligen wurden die Tabellen zum Stand 15. März eingefroren und als Abschlusstabellen für diese Saison veröffentlicht.

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Die BBL indes hofft noch auf einen sportlichen Abschluss der Saison, selbst wenn der dann ohne Zuschauer stattfinden muss. Doch die Spitzenfunktionäre, wie der BBL-Geschäftsführer Stefan Holz oder eben auch Reil sehen das inzwischen als das kleinere Übel an. „Das ist keine optimale Lösung, aber eine bessere als gar keine Spiele mehr anzubieten“, sagt der Vorsitzende des Überraschung-Tabellenzweiten MHP Riesen Ludwigsburg auch in seiner Funktion als Präsident der BBL. Ob dieser Standpunkt innerhalb der 18 Clubs letztendlich mehrheitsfähig sein wird, bleibt abzuwarten. Alba Berlins Manager Marco Baldi hat sich zuletzt eher pessimistisch gezeigt und gesagt: „Momentan sind wir weit davon entfernt, dass es klappt.“ Reil wiederum sagt: „Das hängt auch von den Rahmenbedingungen ab.“ Doch die sind inzwischen recht verwässert. Während bei Branchenprimus Bayern München oder auch Ewe Oldenburg die ausländischen Spieler weitestgehend an Bord geblieben sind, reisten bei anderen Vereinen gerade die US-Amerikaner mehrheitlich in die Heimat und müssten bei einer Rückkehr erst einmal in Quarantäne. Wobei nicht unbedingt davon auszugehen ist, dass bei jedem Team dann sämtliche Legionäre (bei den Ludwigsburgern sind sieben im Kader) wieder auf dem Parkett stehen werden, was selbst Reil einräumt. „Wir werden eine Reihe von Mannschaften haben, die nicht mehr zu hundert Prozent über die Spieler verfügen, die sie noch vor ein paar Wochen hatten.“

Droht eine Wettbewerbsverzerrung?

Das klingt irgendwie nach Wettbewerbsverzerrung. Zumal unklar ist, wie sich die Spiele rechnen sollen. Beim Konkurrenz-Produkt Handball jedenfalls verweisen viele Clubs derzeit darauf, dass das beantragte Kurzarbeitergeld (KUG) wegfalle, falls nochmals ein Spielbetrieb aufgenommen würde, was unter dem Strich bei leeren Hallen finanziell schnell zum Minusgeschäft wird. Allerdings scheint die Lage – zumindest bei den Ludwigsburgern – etwas anders zu sein. Da wurde zuletzt zwar auch von KUG gesprochen, doch nach Informationen unserer Zeitung betrifft dies zwar die Angestellten, nicht aber den sportlichen Bereich. In dem haben Trainer und Spieler dafür einen Gehaltsverzicht akzeptiert, so dass zumindest für die verbliebenden deutschen Profis nichts gegen einen inzwischen erlaubten Wiedereinstieg ins den Trainingsbetrieb in Kleingruppen spricht. Bei den US-Boys hingegen ruhen die Verträge, solange nicht gespielt wird.

Anders als im Handball stehen im Basketball noch die Play-offs als Saisonhöhepunkt an, im Fall des Falles eventuell in verkürzter Form. Während die HBL von Sky übertragen wird, läuft die BBL bei Telekom, was finanziell allerdings auch eher ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Knapp drei Viertel des Etats von etwa fünf Millionen Euro bei den MHP Riesen werden von den Sponsoren bestritten, die dem Verein bisher weitgehend die Stange halten. Wie lange noch? Schließlich ist nicht auszuschließen, dass dem einen oder anderen Partner das Wasser selbst bis zum Hals steht. Schon vor dieser Runde musste – noch ohne Corona-Krise der namhafte Filterhersteller Mann+Hummel aus wirtschaftlichen Gründen sein Engagement im sechsstelligen Bereich streichen. Lesen Sie auch: Sind dir MHP Riesen reif für den Titel?

Noch ist nicht realistisch absehbar ist, wie sehr die Krise die BBL letztendlich treffen wird, doch deren Geschäftsführer Holz hat im Worst-Case-Szenario schon mal von einem Gesamtdefizit in Höhe von bis zu 25 Millionen Euro gesprochen. Und ein erstes Opfer gibt es im deutschen Basketball auch schon zu vermelden – wenn auch in der zweiten Liga (ProA). Ausgerechnet Schalke 04 (neben den Bayern der namhafteste Club aktuell) wird keine Lizenz für die neue Saison beantragen. „Wir haben entschieden, dass wir uns die Pro A nicht mehr leisten können“, sagte Finanzvorstand Peter Peters in einem Interview auf der Facebookseite des Vereins. Die Basketballer seien in der Vergangenheit „defizitär“ gewesen, Schalke wolle sich auf das Kerngeschäft Fußball konzentrieren. Was schwer genug wird.

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