Michael-Bauer-Werkhof Möhringen Der Teufel erweckt Figuren zum Leben

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Zwölf Auszubildende des Michael-Bauer-Werkhofs studieren das Theaterstück „Die Puppen des Grafen“ ein. Auf der Bühne zu stehen kostet sie erst Überwindung. Doch später profitieren sie davon. Die Aufführung ist am Freitag und Samstag zu sehen.

Der Graf (Zweiter von rechts) tut so, als zöge er die Musikerpuppe Gaspar auf. Alle anderen Akteure stellen auch Puppen dar. Foto:  
Der Graf (Zweiter von rechts) tut so, als zöge er die Musikerpuppe Gaspar auf. Alle anderen Akteure stellen auch Puppen dar. Foto:  

Möhringen - Auf der Bühne im Michael-Bauer-Werkhof stehen viele junge Menschen. Doch es spricht nur einer. Die anderen stehen oder sitzen stocksteif da. Florian, der einen Grafen spielt, geht auf den Musiker Gaspar zu, den Jens darstellt. „Gaspar, spiel mir ein Abendlied“, sagt der Graf, streckt seine Hand aus und tut so, als zöge er ihn auf. Gaspar flötet einige Minuten und erstarrt danach wieder.

Alle Personen auf der Bühne stellen Puppen dar, die der Graf gefertigt hat. Sein größter Wunsch ist, dass die Puppen lebendig werden und er nicht mehr einsam ist. Genau darum geht es in dem Theaterstück „Die Puppen des Grafen“, das zwölf Auszubildenden des Michael-Bauer-Werkhofs gerade proben. Das ist eine Einrichtung, bei der junge Menschen mit Lernschwierigkeiten eine Berufsausbildung machen. Seit fünf Wochen erarbeiten sie das Stück, das Gerald Friese geschrieben hat und bei dem er nun auch Regie führt.

Theaterspielen macht Auszubildende selbstbewusster

Die Theaterpädagogin Nike Mensebach unterstützt ihn. Die Aufführung ist im dritten Lehrjahr ein Teil ihrer Ausbildung etwa zum Beikoch oder Holzbearbeiter. „Durch das Theaterspiel schulen sie ihre Soft Skills“, sagt Mensebach. Sie hat die Auszubildenden bereits in den vergangenen Jahren in Schauspiel unterrichtet. „Ein Theaterstück aufzuführen ist für viele zunächst ein Albtraum“, weiß Mensebach. Doch mit der Zeit lernen sie es. „Wenn sie spielen, werden sie selbstbewusster und bekommen Vertrauen in sich selbst.“

Im Bühnensaal ist nun ein lautes Pochen an die Eingangstür zu hören. Der Graf öffnet und ein fremder Mann mit schwarzem Umhang betritt die Bühne. Doch bevor er spricht, greift Regisseur Friese ein. „Du musst den Hut so ins Gesicht ziehen, dass man dein Gesicht nicht sieht“, gibt er Michael als Anweisung. Der tut das und ein Schatten fällt auf sein Gesicht „Ich bin vom Weg abgekommen und bitte um eine Herberge“, sagt der Fremde. Zuvor hatte der Graf schon von einem Besucher geträumt, der seine Puppen lebendig macht. Genau das bietet der Fremde, der der Teufel höchstpersönlich ist, dem Grafen an. Doch das hat seinen Preis: „Sieben Jahre sollen die Puppen Kinder des Lebens sein. Danach wirst Du eine Puppe sein“, bietet der Teufel an. Der Graf lässt sich darauf ein.

Einen inneren Berg versetzen

Friese macht eine Pause. Bis zur ersten Aufführung müssen die Auszubildenden noch an einigen Szenen feilen. „Sie werden von dem Stück mitnehmen, dass sie einen inneren Berg versetzen können“, sagt Friese. Viele spielen erstmals Theater.

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