Michael Köstler aus Stuttgart-Degerloch hat einen Job, bei dem sich privates und berufliches Interesse vereinen. Er ist Astrogator im Planetarium.

Degerloch - Drei, zwei, eins – frohes neues Jahr! In der Silvesternacht werden die Menschen wieder in den Himmel schauen und ihre guten Wünsche ins Universum schicken. Einer, der berufsbedingt die Sterne immer im Blick hat, ist der Degerlocher Michael Köstler. Seit zehn Jahren arbeitet er im Stuttgarter Planetarium als Astrogator. Das heißt, er ist der Mann hinter dem Mischpult während der Shows. Seine Aufgaben: Programme laden, den drei bis vier Millionen Euro teuren Sternenprojektor, der die Bilder auf die 360-Grad-Kuppelleinwand wirft, steuern, die Lautstärke der Musik und der Sprecherstimmen regeln und eingreifen, wenn es technisch hakt. „Mein Cockpit“, sagt er über seinen Arbeitsplatz, und mit diesem Vergleich ist er gar nicht so weit entfernt vom Begriff Astrogator. Die Berufsbezeichnung, ein Wortspiel aus Astronom und Navigator, ist keine offizielle, sondern eine Idee des Planetariums. Übernommen wurde sie aus der 60er-Sci-Fi-Fernsehserie „Raumpatrouille“. „Ich habe es sogar auf meiner Visitenkarte“, sagt Michael Köstler.

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Seine berufliche Heimat hat der Degerlocher SÖS-Bezirksbeirat eigentlich im Bereich Veranstaltungstechnik. Als er vor zehn Jahren zufällig die Jobanzeige des Planetariums entdeckte, habe er nicht lang gezögert. „Irgendwie war es schon immer mein Wunsch, dort zu arbeiten“, sagt er. Schon seit der frühesten Kindheit sei er an der Astronomie und der Weltraumfahrt interessiert. In seiner Freizeit schießt Michael Köstler Mond-Fotos und verbringt Sternschnuppennächte schon mal dick eingemummelt im Anglerstuhl auf freiem Feld und guckt in den Himmel. Sprich: Beruf und private Interessen passen zusammen. „Für mich ist wichtig, dass ich mich mit meinem Job identifiziere“, sagt der 56-Jährige, und außerdem seien durchaus gewisse Kenntnisse wichtig, da Besucher nach den Shows auch immer wieder Fragen stellten.

Echte Astronauten kennengelernt

Durch seinen Beruf hat Michael Köstler schon Astronauten kennengelernt, etwa Reinhold Ewald, Ernst Messerschmid und Ulf Merbold. „Oft werden die auch hier geschult“, erklärt er. An eine Promi-Begegnung erinnert er sich besonders gut, die betraf allerdings keinen Raumfahrer, sondern die italienische Sängerin Gianna Nannini. Sie hat der Astrogator vor einigen Jahren quasi höchstpersönlich aus dem Planetarium navigiert – unwissentlich. Beim Gedanken an den Vorfall muss er herzhaft lachen. Er erzählt: Während einer Show habe ein Handydisplay mehrfach geleuchtet. Nach zwei Lautsprecherdurchsagen, das Telefon auszuschalten, habe der Störenfried mit anderen Personen den Raum verlassen. Erst später habe Michael Köstler erfahren, dass die Person mit dem Handy Gianna Nannini gewesen sei, die an dem Tag ein Konzert in Stuttgart gegeben habe.

Aktuell ist es im Planetarium einsamer als sonst, sagt Michael Köstler. Wo sonst bis zu 270 Personen eine Show verfolgen, ist pandemiebedingt weniger los. Wer trotzdem nicht aufs Sternegucken verzichten will, wird auf dem Laufenden gehalten. Michael Köstler betreut auch die Facebook-Seite des Planetariums, postet wissenschaftliche Beiträge oder News von der ISS. Zudem zeigt er bisweilen eigene Fotos, etwa eines, auf dem Jupiter, Saturn, Mond und Venus über Degerloch leuchten. „Das ist besonders faszinierend, wenn man solche Dinge selbst sehen kann.“

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