Miniserie „Kommissar Bäckström“ Kein pflegeleichter Mordermittler

Szenenfoto aus „Kommissar Bäckström“ Foto: ARD Degeto/Yellow Bird Film/Jonath Mathew
Szenenfoto aus „Kommissar Bäckström“ Foto: ARD Degeto/Yellow Bird Film/Jonath Mathew

In den USA hat man Leif GW Perssons schwedische Romanreihe um Kommissar Evert Backström schon zur humoristischen Serie „Backstrom“ verarbeitet. Nun kann man eine ernstere Variante in der ARD-Mediathek sehen: „Kommissar Bäckström“.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Stockholm - Evert Bäckström ist kein sympathischer Polizist und gewiss kein pflegeleichter Kollege. Dieser schwedische Cop ist eitel, man könnte auch sagen selbstherrlich, verletzend unduldsam im Umgang mit Menschen, die seinen Ansprüchen nicht genügen, und auf irritierende Weise nicht eingebunden in die normalen Regularien und Hackordnungen.

Er selbst sagt, gerne auch öffentlich, er sei der erfolgreichste Mordermittler des Landes. Andere behaupten, hinter der Fassade des unkonventionellen Problemlösers verstecke er Schlendrian und Korruption. Mit anderen Worten, der Titelheld der Miniserie „Kommissar Bäckström“, die in der ARD-Mediathek bereitsteht, ist das, was wir von einem TV-Kommissar erwarten: eine schillernde Figur.

Ein kleiner Sherlock Holmes

Der Sechsteiler beginnt mit dem Überfall auf einen Geldtransporter. Bäckström ist ruppig enerviert, dass er da mit hineingezogen werden soll, es hat keine Toten gegeben, nur einen Tötungsversuch, er sei da also nicht zuständig. Man hört deutlich heraus: er hält das für unter seiner Würde. Andererseits unterhält der von Kjell Bergqvist sehr präsent, sehr kantig, ein wenig schmierig und doch auch charismatisch verkörperte Bäckström eine rührende Beziehung zum Nachbarsjungen Edvin.

Diesen Knirps bildet er zum Ermittler heran, und der Bub zeigt Züge eines angehenden Sherlock Holmes. Kein bisschen verschreckt bringt er Bäckström im Rucksack an, was er im Wald auf einem Inselchen gefunden hat: einen menschlichen Knochenschädel mit Einschussloch. Der Kommissar bekommt also doch noch einen standesgemäßen Fall.

Ablenkung vom Traumaspekt

Natürlich ist das ein wenig Unfug. Aber „Kommissar Bäckström“ zeigt da ganz offen, was die meisten Krimis verstecken, dass wir uns da nämlich durch eine Wunsch-, Fantasie-, Traum- und Angstwelt bewegen, die zwar Berührungspunkte mit der Realität hat, aber keinesfalls als journalistische Reportage mit erfundenen Figuren verstanden werden sollte.

Wichtig bei solchen Serien und Reihen ist zunächst einmal die innere Stimmigkeit und die Fähigkeit der Macher, von den unlogischen Momenten abzulenken und das Verträumte glaubhaft erscheinen zu lassen. „Kommissar Bäckström“ punktet in dieser Disziplin, will nie zu viel und nie zu wenig: Bügelfernsehen für Menschen, die nicht mehr glauben, dass man rechtschaffene Menschen an gut gebügelten Klamotten erkennt.

Die Serie beruht auf Figuren des schwedischen Krimiautors Leif GW Persson. Die wurden schon für eine US-Serie genutzt, die andere Akzente setzte: „Backstrom“ mit Rainn Wilson war humoristisch angelegt. Bergqvists Bäckström-Variante ist seriöser, aber nicht zu seriös.

Verfügbarkeit: alle sechs Folgen in der ARD-Mediathek abrufbar.




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